Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Organisation,  Spekulation.

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artige  Vereine  hatten  oft  überschüssige  Gelder  in  ihren  Kassen,  die
sie  gegen  Zinsen  ausliehen.  Der  Grund-  und  Häuserbesitz  der  verschiedenen ­
  Vereinigungen  war  in  Attika  z.  B.  sehr  groß,  woraus
ebenfalls  Einnahmen  bezogen  wurden.  Selbstverständlich  haben
Erwerbsgenossenschaften,  soweit  sie  Industrien  betrieben,  Sklaven
verwendet,  die  in  ihrem  Besitz  waren.  Die  Zwecke  der  Vereine
bestimmten  ihre  Ausgaben.  Ein  Teil  betraf  die  Anschaffung  von
Einnahmequellen,  Grundstücken,  Bauten,  Sklaven  usw.  Daneben
waren  die  regelmäßigen  Ausgaben  für  die  Feste  ein  wichtiger
Posten.  Zu  den  wesentlichen  Vereinszwecken  gehörten  Begräbnisse
der  Mitglieder.
Die  eben  geschilderten  internationalen  Wirtschafts-  und  Kreditverhältnisse
  trugen  dazu  bei,  die  Spekulation  jeder  Art  zu  begünstigen. ­
  Sehr  beliebt  war  die  Spekulation  in  Agrarprodukten.
Besonders  in  einem  Staate  wie  Athen,  der  auf  fremde  Zufuhr
angewiesen  war,  mußten  die  Veränderungen  aller  Art  sofort  zum
Ausdruck  kommen.  Die  Schwankungen  der  Preise  in  den  einzelnen
Produktionsländern  bildeten  immer  ein  ausgezeichnetes  Mittel,  um
den  Absatz  zu  beeinflussen.  Da  der  Nachrichtendienst  nicht  einer
öffentlichen  Kontrolle  unterlag,  so  wurden  alle  möglichen  Manöver
angewendet,  die  ja  auch  unserer  Zeit  nur  zu  wohlbekannt  sind
und  bereits  auf  dem  Gebiete  des  Getreidebandels  manche  Einschränkung ­
  erfahren  haben.  So  ließen  z.  B.  die  Getreidehändler
im  alten  Athen,  wenn  sie  den  Preis  heben  wollten,  die  Nachricht
verbreiten,  daß  die  Getreideschiffe,  die  man  aus  dem  Schwärze«
Meer  erwartete,  in  einem  Sturm  zugrunde  gegangen  seien,  oder
daß  ein  Krieg  begonnen  habe  (Lysias,  Gegen  die  Getreidehändler  14).
Da  der  Terminhandel  nicht  sehr  entwickelt  war,  fehlte  daneben  fast
ganz  die  Tendenz,  die  Preise  zu  senken.  Athen  suchte  deshalb  auch
durch  eine  besondere  Gesetzgebung  diesem  Treiben  zu  steuern  und
Teuerungen  zu  verhindern,  indem  von  fremdem  Getreide  %  in  der
Stadt  bleiben  mußten  und  die  Kornverkäufer  nur  einen  bestimmten
Verdienst  haben  sollten,  was  aber  nur  zum  Teil  durchgesetzt  wurde.
Alle  diese  Umstände  bewirkten,  daß  die  Getreidehändler  überaus
verhaßt  waren;  konnte  doch  selbst  ein  wenig  begabter  Mensch  einsehen, ­
  daß  es  ein  sozialer  Mißstand  sei,  wenn  die  Getreidehändler
zur  Zeit  guter  Ernten  mit  Hilfe  aller  möglichen  Praktiken  hohe
Preise  erzielten.
Ein  überaus  wichtiges  Geschäft,  das  auch  beim  Getreidehandel
häufig  zur  Anwendung  kam,  war  das  sogenannte  Seedarlehu,
            
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