Full text: Die Handelskammern

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den Klassen, daß die Arbeiter sparsam, ruhig, bescheiden, 
untertkänig waren und sich nur bei besonderen Anlässen 
mit der Politik befaßten. Und weil die Abeiterklasse durch 
die damalige Technik schwach war, ließ sie sich das von den 
herrschenden Klassen aufzwingen. Die Priester, die Die— 
ner der Herrscher, die Schulen und später auch die Zeitun— 
gen predigten ihnen das vor. 
Jetzt ist das Klasseninteresse der Arbeiter ein anderes 
geworden; die Technik hat dies geändert, sie hat die Ar— 
beiter zugleich stark genug gemacht, auf die Herren nicht 
mehr zu hören. Durch das Klasseninteresse hat sich die 
Sitle anders gestaltet: derjenige, der nicht organisiert ist, 
ist jetzt ein stumpfer, gleichgültiger, ein schlechter Arbeiter; 
der eisrige Organisationsmann aber ist der gute Arbeiter 
Deun es ist jedem klar, nicht wahr? — je nach der 
Sittke nennt man jemand gut oder schlecht. 
Jetzt ist das Entgegengesetzte gut von dem, was früher 
gut war. Hinaus, auf die Straße, in die Versammlung 
oder zur Demonstration, das ist jetzt gut. Denn die Tech— 
nit verspricht jeßzt der Arbeiterklasse den Sieg, und der 
Sieg der Arbeiter ist gut für sie und gut für die ganze 
Gesellschaft. 
As einmal unsere Genossin Henriette Roland-Holst 
davon sprach, daß die Begriffe von Gut und Böse Bäum— 
chen wechselten“, wurde ihr das sehr verübelt. Wer aber 
Slelle dieser billigen Entrüstung ruhig die Tatsachen 
untersucht, wird bemerken, daß verschiedene Völker und 
Klassen Doder ein Volk oder eine Klasse zu verschiedenen 
Zenlen dieselben Dinge gut und schlecht genannt haben. 
Die ganze Geschichte ist davon erfüllt. Wir weisen hier 
nur hin auf die Sitten, welche das Verhältnis der beiden 
Geschlechter und die Ehe regeln, die ja bei verschiedenen 
Völkern und Klassen oder zu verschiedenen Zeiten verschie— 
den sind 
Wir nehmen jetzt noch ein anderes sehr allgemeines 
Beispiel aus unserer eigenen Zeit. Außer der empor— 
strebenden Arbeiterklasse sucht noch ein großer Teil der 
Menschhheit die gesellschaftliche Bewegungsfreiheit: die 
Frauen Woher kommt es, daß sie, die vor so kurzer 
Zeit nur zu häuslicher Arbeit und zur Ehe erzogen wur— 
den, jeht zu Hunderten noch ein anderes Ziel suchen: ein 
Arbeitsfeld in der Gesellschaft? 
Bei der proletarischen Frau kam das von der Groß— 
industrie Die Arbeit an der Maschine ist oft so leicht — 
wenn sie auch durch das lamge Arbeiten schwer wird — 
daß Frauen und Mädchen sie ausführen können. Der Lohn
	        
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