Wirtschaft und Steuerpolitik. 263
schehen ist. Das gleiche gilt für die sozialen Lasten, die auch nicht
absolut unproduktive Abgaben der Wirtschaft darstellen, sondern, so-
lange sie in einem richtigen Verhältnis zu der Tragfähigkeit der Wirt-
schaft bleiben, zu einem Teil auch der Wirtschaft wieder zugute
kommen. Aber ebenso wie die Wirtschaft nicht der ausschließliche
Faktor unseres Volkslebens sein will, darf man, gegenüber dem rein
Politischen, Sozialen und Kulturellen, die der Wirtschaft einmal un-
abweisbar zufallende Bedeutung im Staate nicht ableugnen und dabei
so weit gehen, daß man in ihr und ihren Äußerungen immer nur den
Feind der anderen Faktoren sieht.
Wenn man nun die gegenseitige Verbundenheit des staatlichen und
kulturellen Lebens mit der Wirtschaftskraft und der Wirtschaftsent-
wicklung richtig erkennt — und es wäre zu wünschen, daß alle Volks-
kreise immer mehr in dieser Erkenntnis wüchsen —, so ist es auch klar,
daß bei einem kraftvollen Entwicklungsstreben der genannten Teile
die Ansichten der jeweils verantwortlichen Führer darüber leicht aus-
einandergehen können, was der Wirtschaft und was des Staates ist.
Diese Meinungsverschiedenheiten werden bestehen, wenn auch zu-
nächst grundsätzlich niemand, der auf dem Boden der Grundsätze
unserer heutigen politischen und Wirtschaftsverfassung steht, die These
bestreiten wird, daß die für öffentliche, d. h. staatliche, kommunale,
soziale und kulturelle Zwecke von der Wirtschaft aufzubringenden
Beträge allgemein in einem richtigen Verhältnis zu ihrer Leistungs-
fähigkeit stehen müssen, und daß eine zu starke Anspannung dieser
Wirtschaftsbelastung selbst wiederum wesentliche Grundlagen für den
dauernden Bestand dieser öffentlichen Zwecke untergraben muß,
Spezialisiert und ziffernmäßig werden sich diese Grenzen allerdings
nicht ziehen lassen. Immerhin muß es die Aufgabe einer großen
Staats- und Finanzpolitik sein, jeweils die richtigen Grenzen gegen-
einander abzuwägen und im Interesse des gesamten Volkslebens eine
verhängnisvolle Überspannung unbedingt zu vermeiden.
Aufgabe der Wissenschaft ist es, die verschiedenen Tatsachen und
Faktoren auf diesem Gebiete der öffentlichen Haushaltsführung und
der steuerlichen Ansprüche an die Wirtschaft zu klären. Daß diese
Wissenschaft die heute aktuellen und außerordentlich hart umstritte-
nen finanzpolitischen Probleme von höchster Warte nicht so abklärt,
wie man es schließlich wohl von allen Seiten wünschen mag, erklärt
sich ganz einfach daraus, daß bei der Fülle der Tatsachen und dem
gewaltigen Umfang der staatlichen, sozialen und wirtschaftlichen Um-
wälzungen die Finanzwissenschaft in der Gegenwart unfertig sein muß,
Man vergegenwärtige sich nur die Unmöglichkeit, bei den gegenwärtig
auf- und abschießenden Wirtschaftskonjunkturen das Wesentlichste