Full text: Staatspapierkurs und Versicherungsgesellschaften

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müssen, daß sie Staatsanleihen verkaufen. Während man hieran 
in normalen Zeiten nicht zu denken braucht, werden die Ge 
sellschaften sich voraussichtlich genötigt sehen, hierzu in Zei 
ten von Krisen und insbesondere kriegerischer Verwicklungen 
überzugehen. Es werden dem Geldmarkt also vielleicht hohe 
Beträge an Staatsrenten zu einer Zeit zum Verkauf angeboten, 
in der er durch die Ungunst der Verhältnisse schon stark 
in Anspruch genommen ist. Dieses Angebot an Staatsfonds 
zwecks Beschaffung von Deckungsmitteln für die Forderungen 
der Versicherten dürfte um so höher sein, als die Gesell 
schaften, wenn sie genötigt sind, höhere Bestände in Staats 
anleihen zu halten, eine entsprechende Verringerung ihrer 
Bankguthaben vornehmen werden. Jener Verkauf von Staats 
titres muß notwendigerweise die dann schon ohnehin ge 
sunkenen Rentenkurse weiter erheblich drücken, zumal die Ver 
sicherungsgesellschaften in Zeiten derartiger Krisen nicht die 
einzigen Verkäufer von Staatsanleihen sind. Auch die übrigen 
Vermögensverwaltungsstellen, die, wie beispielsweise die Spar 
kassen gerade in Kriegszeiten über finanzielle Mittel in hohem 
Umfange verfügen müssen, werden gleichzeitig an den Staats 
papiermarkt mit Verkäufen in weitem Umfange herantreten. 
Dieses von allen Seiten kommende Angebot an Staatspapieren, 
dem so gut wie keine Nachfrage gegenübersteht, muß den 
Staatspapierkurs in Tiefen führen, die er heute noch nicht 
kennt, zumal es zeitlich mit hohen Emissionen neuer Staats 
obligationen zwecks Beschaffung der Mittel für die Kriegführung 
zusammentrifft. In solchen Zeiten können Staatsanleihen als 
liquide Mittel nicht angesehen werden. Sie können in bares, 
Geld nur umgewandelt werden, wenn ihre Besitzer bereit sind, 
außerordentlich hohe finanzielle Opfer zu bringen. Diese wer 
den auch dadurch nicht verhindert, daß kein Verkauf, sondern 
nur eine Lombardierung der Staatspapiere vorgenommen wird. 
Die Verkäufer hätten dann Lombardzinsen zu entrichten, von 
deren Höhe man eine Vorstellung erhält, wenn man sich er 
innert, daß wiederholt schon in Friedenszeiten bei starker 
Geldknappheit 7 und 8o/o Lombardzinsen bezahlt werden muß 
ten. Würde aber, was auch schon mehrfach empfohlen wurde,
	        
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