Einleitung.
47
halb der Fabriken und der diesen gleichstehenden Anlagen amtliche
Erhebungen angestellt worden, bei welchen nach der Veröffentlichung
in den Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reichs von
1900 (III- Heft S. 97) 532 283 Kinder in noch nicht oder noch
schulpflichtigem Alter ermittelt wurden. Mehr als die Hälfte der
Kinder, nämlich 306 823 (57,64 Proz.), wurde in der Industrie
vorgefunden, nahezu ein Drittel, nämlich 171739 Kinder (32,27
Proz.), sind als Austräger, Ausfahrer, Laufburschen oder Laufmädchen
gezählt, während in Gast- und Schankwirtschaften 21620
(4,06 Proz.), im Handclsgewcrbe 17 623 (3,31 Proz.) und in Vcrkehrsgewerben
2 691 (0,51 Proz.) Kinder angetroffen sind. Die
ermittelte Zahl von 532 283 Kindern bleibt hinter der Wirklichkeit
noch zurück, da bei der Untersuchung nicht alle Gebiete des Reichs
und nicht alle Zweige der gewerblichen Tätigkeit berücksichtigt
worden sind. (Siehe auch unten Anhang V.)
Zugleich haben die angestellten Ermittelungen die bisher vielfach
vertretene Anschauung bestätigt, daß auf dem Gebiete der gewerblichen
Kinderarbeit zum Teil erhebliche Mißstände bestehen.
Nach den Ergebnissen der Erhebung sind nämlich die Kinder nicht
nur bei Arbeiten ermittelt worden, die wegen der damit verbundenen
Anstrengung für Kinder ungeeignet sind, die Kinderarbeit war vielmehr
auch in gesundheitsgefährlichen Betrieben vertreten. Auch die
Dauer und die zeitliche Lage der Beschäftigung unterliegt insbesondere
in der Hausindustrie häufig erheblichen Bedenken."
„Daß die Beschäftigung vielfach zu einer ungeeigneten Zeit
stattfindet, kann schon mit Rücksicht auf die zahlreichen Kinder, die
beim Austragen und bei sonstigen Botengängen morgens in aller
Frühe und abends spät tätig sein müssen, nicht bezweifelt werden.
Bei der Hausindustrie ist in verschiedenen Gegenden langdauernde
Nachtarbeit der Kinder angetroffen worden. Endlich ist auch gegenüber
einigen günstigeren Wahrnehmungen mehrfach eine Beeinträchtigung
der körperlichen und geistigen Entwicklung der Kinder als
Folge ihrer übermäßigen Beschäftigung festgestellt worden. Eine
Unterstützung finden die Erhebungsergebnisse in den von der Kommission
für Arbeiterstatistik gemachten ungünstigen Feststellungen
über die Arbeitsverhältnisse in den offenen Verkaufsstellen und in