Full text : Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

müsekonserven  ist  unbegrenzt  haltbar,  solange  keine  Undichtigkeit
an  der  Büchse  entsteht.  Mit  dem  geringsten  Zutritt  von  Luft  würde
allerdings  ein  Verderben  des  Inhalts  verknüpft  sein.  In  vielen  Fabriken
werden  Gemüsekonserven  aufbewahrt,  die  30  Jahre  und  älter  sind.
Beim  Öffnen  solcher  alter  Dosen  zeigt  es  sich  stets,  daß  der  Inhalt
vollkommen  frisch  konservierter  Ware  gleicht.  Die  Kaiserliche  Marine
kauft  grundsätzlich  von  den  Fabriken  nur  Gemüsekonserven,  die  bereits ­
  längere  Zeit  gelagert  haben,  da  sich  Fehler  in  der  Konservierung ­
  nach  längerer  Zeit  durch  Anschwellen  der  Büchsen  (durch
Gährung  verursacht)  zeigen.  Tritt  dieses  Anschwellen  nicht  ein,  so
ist  die  unbegrenzte  Haltbarkeit  bewiesen.  Vor  kurzer  Zeit  hatte  man
in  Gastwirtskreisen  Stimmung  dafür  gemacht,  daß  die  Konservenfabrikanten ­
  gesetzlich  gezwungen  würden,  an  den  einzelnen  Dosen
den  Tag  der  Herstellung  der  Konserven  anzubringen.  Da  aus  vorhin ­
  genannten  Gründen  Dosengemüse  durch  Alter  an  Qualität  nicht
verlieren,  würde  dies  für  die  Konsumenten  keinen  Vorteil  bringen,
die  Händler  würden  aber  durch  diese  Maßnahme  erheblich  geschädigt
werden,  da  dann  die  jüngsten  Gemüsekonserven  bevorzugt  würden,
die  älteren  indessen  unverkäuflich  blieben.

2.  Die  Oemüsekonserven-Industrie  in  Deutschland.
a)  Die  Industrie  in  Braunschweig 1 ).
Von  unbedeutenden  Versuchen  abgesehen,  waren  es  die  Gebrüder
Bethmann  in  Frankfurt  a.  M.  und  Daniel  Heinrich  Carstens  in  Lübeck 2 ),
die  im  Jahre  1845  ^ ie  ersten  größeren  Konservenfabriken  in  Deutschland ­
  begründeten.  Die  Entstehung  und  Entwicklung  dieser  Industrie
war  in  den  einzelnen  Teilen  Deutschlands  eine  sehr  verschiedene.
Sowohl  zufällige  Momente  wie  vorhandene  natürliche  Vorbedingungen
haben  zu  der  Entwicklung  beigetragen.  Die  eigentlichen  Anfänge
dieser  deutschen  Industrie  aber  und  ihre  Weiterentwicklung  haben
wir  in  der  Stadt  Braunschweig  zu  suchen,  die  mit  der  Geschichte  der
deutschen  Konservenindustrie  eng  verknüpft  ist.  Obgleich  sich  die
Konservenindustrie  in  allen  Teilen  Deutschlands  ausgebreitet  hat,  bildet
Bräunschweig  immer  noch,  nach  fast  70  Jahren,  das  Hauptproduktionsgebiet. ­
  Der  vergrößerte  Anbau  des  Spargels,  dessen  Konservierung
noch  heute  den  Hauptzweig  bildet,  und  die  Konservenindustrie  gingen

1)  Zum  Teil  aus  den  Materialien  und  Berichten  der  Braunschweiger  Handelskammer..
2)  Vgl.  Lübecksch'e  Blätter,  Nr.  14,  1895.
            
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