Full text : Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

und  die  neu  gegründeten  Betriebe  nach  Muster  der  französischen
Unternehmungen  fabrikmäßig  ein,  so  daß  heute  wohl  alle  größeren
Fabriken  mit  Dampfanlagen  versehen  sind.  Die  Aufwendung  eines
größeren  Kapitals  und  die  Einführung  von  Maschinen  in  Verbindung
uiit  anderen  technischen  Änderungen  im  Betriebe  waren  der  natürliche
Ausdruck  für  die  Tatsache,  daß  die  Herstellung  von  Konserven  sich
z u  einem  völlig  selbständigen  Industriezweig  entwickelt  hatte  und
nunmehr  im  großen,  d.  h.  fabrikmäßig  betrieben  wurde.  Die  Fabrikation ­
  war  nun  endgültig  aus  dem  Stadium  ihrer  Entwicklung  getreten, ­
  in  dem  sie  vom  volkswirtschaftlichen  Standpunkte  aus  als
Nebenbetrieb  eines  anderen  Erwerbszweiges,  etwa  der  Landwirtschaft
oder  der  Klempnerei  anzusehen  war;  jetzt  war  für  die  größeren  Fabrikanten ­
  die  Konservenfabrik  vielmehr  der  Hauptbetrieb  und  dessen
Klempnerei  sowohl  wie  seine  bisweilen  recht  bedeutende  Spargelzucht
diente  nur  dazu,  ihm  Roh-  und  Hilfsstoffe  zu  liefern.  Dieser  Umstand ­
  trat  natürlich  nicht  überall  gleichzeitig  ein.  Von  den  Gewerbetreibenden, ­
  die  bis  dahin  Konserven  nur  nebenher  eingemacht  hatten,
ging  der  eine  früher,  der  andere  später  dazu  über,  sich  mehr  oder
weniger  ausschließlich  auf  die  Fabrikation  von  Konserven  zu  beschränken. ­
  Daneben  gab  es  eine  ganze  Anzahl  Handwerker,  besonders ­
  Klempner,  die  den  Betrieb  in  der  alten  Weise  fortsetzten,  teilweise ­
  wohl  bis  auf  den  heutigen  Tag.  So  wurden  namentlich  in  den
siebziger  Jahren,  aber  auch  später  noch  neue  Fabriken  gegründet.
Fast  alle  Klempnereien  und  sehr  viele  Private  begannen  Gemüse  einzukochen ­
  und  verschafften  sich  durch  den  Verkauf  ihrer  Erzeugnisse ­
  einen  erträglichen  Nebenerwerb.  Die  Zahl  dieser  kleineren  Betriebe ­
  läßt  sich  heute  nicht  mehr  feststellen.  Für  die  Entwicklung
der  Industrie  waren  sie  jedenfalls  nicht  von  Bedeutung,  die  Zukunft
gehörte,  das  war  damals  schon  klar,  dem  wirklichen  Fabrikbetriebe.
Wir  haben  uns  daher  nunmehr  nur  noch  mit  dieser  Form  des
damals  so  verheißungsvollen  Industriezweiges  zu  beschäftigen.
In  welchem  Verhältnis  die  Zahl  der  Konservenfabriken  im  Herzogtum ­
  Braunschweig  sich  in  den  letzten  30  Jahren  vermehrt  hat,  ersieht
tnan  aus  folgendem:  Bis  1870  waren  6  Fabriken  gegründet  worden..
Fw  Jahre  1882  weist  die  Gewerbestatistik  29  Betriebe  auf 1 ),  1907
bestehen  42  Fabriken  und  zwar  38  Haupt-  und  4  Nebenbetriebe.
Von  diesen  42  Fabriken  sind  gegründet  worden:

1)  Beiträge  zur  Statistik  des  Herzogtums  Braunschweig.  Herausgegeben  vom  Stat.
Bureau  d.  Herzogi.  Staatsminister.,  Heft  VI,  1886,  S.  139.
            
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