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die Konservenfabrikanten den größten Teil ihres Bedarfes noch immer
im Braunschweiger Lande, um so lieber, als die Braunschweiger Erbse
sowohl wie die Bohne an Qualität hinter der süddeutschen keineswegs
zurücksteht.
Um die Hebung des Gemüsebaues, insbesondere des Spargel
baues im allgemeinen, hat sich der Braunschweiger Gemüsebau verein,
zu dem sich im Jahre 1885 die Gemüsebauer der Umgegend zu
sammengeschlossen haben, große Verdienste erworben. Als seine
Hauptaufgabe betrachtete es der Verein, das Interesse der Produ
zenten den Händlern und Konservenfabrikanten gegenüber wahrzu
nehmen. Er richtete sein Augenmerk dabei vor allem auf die Er
zielung einheitlicher Preise und einheitlicher Sortierung. In erster
Beziehung gelang es dem Verein in der Tat bald, die Preise für Ge
müse einheitlich und — den Fabrikanten gegenüber — einseitig fest
zusetzen. Infolgedessen sahen sich die Fabrikanten nach den für die
Konservenindustrie überaus ungünstigen Jahren 1893 und 1894/), im
Winter 1894/95 veranlaßt, sich gleichfalls zu einer Vereinigung („Ver
einigte Konservenfabriken Braunschweigs und Umgegend“) zusammen
zuschließen, um in der Lage zu sein, bei der Feststellung der Preise
für das Rohprodukt mitzuwirken.
Nach den Angaben einiger Braunschweiger Fabrikanten und
des Braunschweiger Gemüsebauvereins gestalteten sich die Preise für
Rohgemüse in den Jahren 1885—1905 folgendermaßen:
(S. Tabellen S. 33 u. 34.)
Die nachfolgende Tabelle (S. 35) gibt eine Übersicht über den
Durchschnitts-Gemüseverbrauch der 16 größten und maßgebenden
Konservenfabriken in Braunschweig, die 100 Arbeiter und mehr be
schäftigen. Die meisten dieser Fabriken haben eigene Landwirtschaft,
beziehen aber trotzdem aus großen und kleinen landwirtschaftlichen
Betrieben noch erhebliche Mengen Gemüse. Die größte Konserven
fabrik in Braunschweig, die Firma Max Koch, verarbeitet im Durch
schnitt 17 250 Zentner Spargel, die auf einer Feldfläche von 1 350 Morgen
gezogen werden. Hiervon bewirtschaftet die Firma selbst 200 Morgen
Spargelland, während 420 Spargellieferanten die übrige Fläche für
die Firma anbauten. Das Höchstquantum Erbsen, das die Firma im
Jahre 1905 verarbeitete, betrug 19000 Zentner, die von einer Feld
fläche von 400 Morgen geerntet wurden. Der eigene Erbsenanbau
1) In den Jahren 1894 und 1895 standen die Verkaufspreise so wenig im Verhältnis
zu den Einkaufspreisen, daß Stangenspargel und Erbsen weit unter Selbstkostenpreis abge
geben wurden und andere Artikel ohne nennenswerten Nutzen verkauft werden mußten.