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Kleinere neue Bahnbanteu von Bedeutung.
an in Kapspur (1,067 in) gebaut worden, die man neuerdings auch auf der Regierungsbahn
nach Windhuk nach erfolgtem Umbau eingeführt hat. Um die Bahn von Lüderitzbucht nach
Keetmanshoop, die von höchster strategischer Wichtigkeit zur Niederwerfung des Aufstands
1904/06 schien, entbrannten jene sensationellen, hitzigen Kämpfe im Deutschen Reichstag
am 26. Mai 1606, die in der Folge zu jener bekannten Schwenkung der inneren Regie
rungspolitik, zur Reichstagsauflösung vom 13. Dezember 1906 und zur Wahl des ersten
durchaus „kolonialfreundlichen" Reichstags Veranlassung gaben. Tie zehnmonatige Ver
zögerung des Bahnbaus, die der Verärgerungsbeschluß des Reichstags vom 26. Mai 1906
verursachte, hat dem deutschen Volk ungezählte Millionen gekostet und bewirkt, daß unser
südwestafrikanischer Krieg einer der relativ teuersten Kriege der ganzen Weltgeschichte ge
worden ist. — Von höchstem Wert für die wirtschaftliche Zukunft der Kolonie wäre ein
Anschluß der Bahnen in Teutsch-Südwestafrika an das britische Bahnnetz in der Kapkolonie
und in Rhodesia. Tie Aussichten hierfür sind aber, obwohl keinerlei technische Schwierig
keiten im Wege stehen, wenig günstig, denn die Engländer werden unter keinen Umständen
die Erlaubnis geben, daß die deutschen Bahnen auf britisches Territorium verlängert werden,
weil sonst Lüderitzbucht oder Swakopmund sich zu gefährlichen Konkurrenten für Kapstadt
würden entwickeln können. Die einzige Bahn, die, wenn auch xrst in späterer Zeit, auf
einen Anschluß an die Kap—Kairobahn hoffen darf, bleibt die Otavibahn, da sie durch den
Caprivizipfel bis in die nächste Nähe der Viktoriafälle über deutsches Gebiet geleitet werden
kann und somit des englischen Placet nicht bedarf. Aber gerade sie ist leider nicht in
Kapspur gebaut, und Vorbedingung für den Anschluß an das Bahnnetz des Jnnenlandes
wäre daher zunächst der kostspielige Umbau in Kapspur.
In Togo sind nur drei kurze Bahnen vorhanden, die 45 ton lange, an der Küste
entlanglaufende Bahn Lome—Anecho, ferner die Bahn Lome — Agome Palime und
als jüngste, längste und wichtigste Strecke die 239 km lauge Linie Lome—Atakpame,
die dereinst tiefer ins Hinterland gebaut werden muß, um die bei Banjeli und Bassari ge
fundenen Erzlager verwertbar zu machen. Tie Bahnen Togos rentieren sich vortrefflich,
wie überhaupt die Ergebnisse sämtlicher afrikanischen Bahnen alle Erwartungen übertroffen
haben.
Kamerun war bis in die allerletzten Jahre hinein noch ganz ohne Bahnen. Im
Mai 1911 wurde endlich die erste, 160 kni lange Bahn dem Betrieb übergeben, die vom
Haupthafen und Regierungssitz Tuala zum Manengubagebirge läuft. Auch diese „Nord-
tz ahn" wird aber erst voll leistungsfähig werden und vorzügliche Erträgnisse abwerfen,
wenn sie den Urwaldgürtel überwunden und ins „Grasland" Bamum oder noch weiter
in die gesegnete volkreiche Landschaft Adamana oder gar bis nach Garua am Benuö und
vielleicht bis zum Tschadsee verlängert sein wird. Die Gegend um den Tschadsee, die vor
allem für die Baumwollkultur von höchster Bedeutung werden kann, entbehrt bisher jeder
Bahnverbindung mit dem Meer. Wird dereinst eine deutsche Bahn von Tuala zum Tschadsee
gebaut, so würde mit dieser Linie, der weitaus kürzesten Verbindung zum Meere, die für
den Tschadsee gefunden werden kann, keine andere Strecke jemals konkurrieren können,
somit der deutschen Bahn ein reicher Durchgangsverkehr gesichert fein. Ter bisherige Güter
verkehr des nördlichen Kamerun kommt, da eine Bahn zur Küste nicht vorhanden ist und
der Trägerverkehr auf so große Entfernungen unrentabel sein würde, den Engländern zugute,
die durch Britisch Nigeria auf dem vortrefflichen Wasserweg des Niger und seines großen
Nebenflusses, des Benuö, ins Hinterland von Kamerun gelangen. — Eine zweite Bahn in
Kamerun, die zurzeit geschaffen und in nächster Zukunft dem Verkehr übergeben werden
wird, ist die sog. Mittellandbahn, die ebenfalls in Tuala beginnt und ziemlich genau
ostwärts in der Richtung auf Widimenge verlaufen soll; sie wird sich, als bisher einzige
deutsche Kolonialbahn, durch Kunstbauten von bemerkenswerter Größe auszeichnen, unter
denen die gewaltige Brücke über den Sanaga am wichtigsten ist. Ter Bau der sogenannten
Südbahn, die in Kribi beginnen soll und die von den Ansiedlern im südlichen Kamerun
lebhaft befürwortet wird, ist bisher noch nicht gesichert, da die Regierung erklärt, noch einen
weiteren Hafen außer Tuala nicht ansbauen zu wollen. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß