Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Speisefette  und  -öle.

Will  man  nur  50  g  oder  weniger  Fett  anwenden,  so  müssen  die  anzuwendenden ­
  Mengen  Kalilauge,  Wasser  und  Äther  bei  der  ersten  Verseifung  entsprechend ­
  erniedrigt  werden.
b)  Phytosterin-Probe  (Untersuchung  der  Kristallformen). 1 )  Sie  beruht  auf
der  Unterscheidung  des  Cholesterins  und  des  Phytosterins  hezw.  ihrer
Gemische  durch  die  Kristallform.  Man  löst  das  nach  a  erhaltene  Eoh-Cholesterin
  hezw.  -Phytosterin  je  nach  seiner  Menge  in  5—20  ccm  absolutem
Alkohol,  gibt  die  Lösung  in  ein  entsprechend  großes  Kristallisationsschälchen  und
läßt  unter  anfänglichem  Bedecken  mit  einem  Uhrglase  die  Lösung  erkalten  und  verdunsten. ­
  Nach  einiger  Zeit  —  je  nach  der  Menge  des  verwendeten  Alkohols,  unter
Umständen  auch  erst  nach  2—3  Stunden  —  beginnt  die  Kristallisation.
Diese  weist  meistens  schon  nach  ihrem  makroskopischen  Bilde  bei  Cholesterin  und
Phytosterin  große  Verschiedenheiten  auf.  Beim  Cholesterin  aus  Tierfetten  beginnt  die
Kristallisation  mit  der  Bildung  einer  dünnen  glänzenden  Krystalldecke  auf  der  Oberfläche
der  Flüssigkeit;  bei  stärkeren  Konzentrationen  durchsetzen  große  dünne,  kaum  sichtbare
Tafeln  die  ganze  Flüssigkeit.  Die  Kristalle  zeigen  aus  der  Flüssigkeit  gebracht  und  von
der  Mutterlauge  getrennt,  einen  starken  Seidenglanz.  Beim  Phytosterin  zeigt  sich  bei
der  Kristallisation  ein  anderes  Bild.  Aus  verdünnten  Lösungen  scheiden  sich,  meistens  vom
Bande  beginnend,  bis  zu  1  cm  lange,  verhältnismäßig  dicke  Nadeln  aus.  Aus  konzentrierten
und  verhältnismäßig  stark  durch  sonstige  unverseifbare  Stoffe  verunreinigten  Lösungen
scheiden  sich  gleichmäßig  in  der  ganzen  Flüssigkeit  sehr  feine  Nüdelchen  ab.
Zur  mikroskopischen  Untersuchung  der  Kristalle  entnimmt  man  am
besten  mittels  eines  kleinen  Platinspatels  einige  Kristalle  aus  der  Lösung 2 )  und
bringt  sie  gleichzeitig  mit  etwas  Mutterlauge  auf  ein  Objektglas,  bedeckt  mit  einem
Deckgläschen  und  untersucht  die  Kristalle  im  gewöhnlichen,  aber  stark  kondensierten
Tageslichte  und  wenn  möglich  auch  im  polarisiertem  Lichte.  Unter  Umständen
empfiehlt  es  sich,  die  ersten  Kristallisationen  wieder  in  Alkohol  zu  lösen  und  sie
nochmals  umzukristallisieren.
Die  Unterschiede  in  den  Kristallformen  sind  folgende:
a)  Cholesterinkristalle.  Diese  stellen  dünne  Tafeln  mit  rhombischem
Umriß  (Fig.  262  a)  dar,  die  wahrscheinlich  dem  triklinen  Kristallsystem  angehören
und  bei  denen  die  sog.  Auslöschungsrichtungen  —-  bei  der  also  die  Kristalle
unter  dem  Polarisationsmikroskope  bei  gekreuzten  Nikols  dunkel  erscheinen  —,
wie  in  den  Figuren  durch  die  Pfeile  angedeutet  ist,  fast  diagonal  verlaufen.  Neben
diesen  rhombischen  Tafeln  treten  auch  häufig  die  Formen  Fig.  262  b,  c  und,  allerdings ­
  seltener,  auch  die  Form  d  auf.
ß)  Phytosterinkristalle.  Diese  bestehen  meist  aus  dünnen  verhältnismäßig ­
  breiten  Nadeln  mit  zweiseitiger  Zuspitzung  (Fig.  263  a);  manchmal  fehlt
aber  auch  die  Zuspitzung  (Fig.  263  c)  und  vereinzelt  sind  die  Kristalle  an  den  Enden
auch  abgeschrägt,  indem  die  eine  der  beiden  zuspitzenden  Flächen  fehlt  (Fig.  263  b).
Je  öfter  die  Phytosterinkristalle  umkristallisiert  und  je  reiner  sie  somit  werden,
desto  größer  werden  sie  meist  und  desto  mannigfaltiger  wird  auch  ihre  Form.  In
■der  Kegel  haben  bei  den  späteren  Kristallisationen  die  Phytosterinkristalle  die
D  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  n.  Genußmittel  1898,  1,  21  u.  632.
2 )  Von  anderer  Seite  ist  empfohlen  worden,  einige  Tropfen  der  alkoholischen  Lösung
.auf  dem  Objektglase  direkt  verdunsten  zu  lassen  und  diese  mikroskopisch  zu  untersuchen.
Unter  den  meisten  Verhältnissen  ist  aber  eine  Untersuchung  größerer  Kristalle  wünschenswert ­
  und  es  empfiehlt  sich  nicht,  sich  an  gewisse  oberflächliche  Erscheinungen  der  Kristalle
zu  halten,  sondern  die  Natur  der  Kristalle  (Winkel,  Auslüschungsrichtuug  usw.)  genau
zu  studieren.
            
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