Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

754  Obst-  und  Beereufrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Temperatur  der  Flüssigkeit  an.  während  sich  links  ein  Korrektionstäfelchen  befindet.  Die
Normaltemperatur  ist  gleich  dem  Nullpunkt  auf  dem  Korrektionstäfeichen.  Weicht  die
Temperatur  des  Mostes  von  der  Normaltemperatur  ab,  so  hat  man  für  jeden  Grad  über
oder  unter  dem  Nullpunkt  jenes  Täfelchens  an  der  Zuckerprozentskala  1 / 10 °/o  zuzuzählen
oder  abzuziehen,  und  zuzusehen,  wie  viel  Öchsle  sehe  Grade  der  durch  Rechnung  gefundenen ­
  Zuckermenge  entsprechen.
A.  Halenke  und  W.  Möslinger 1 )  haben  durch  Vergleich  genau  (pyknometrisch)
  ermittelter  Öchslegrade  mit  sorgfältig  (im  Vakuum)  ausgefilhrten
Trockensubstanzbestimmungen  in  denselben  Mosten  gefunden,  daß  von  50—110°
Öchsle  je  1°  Öchsle  bei  15°  im  Mittel  0,2637  g  (0,2633—0,2639  g)  Trockensubstanz ­
  entsprechen  und  haben  nach  den  von  ihnen  ermittelten  Zahlen  eine  Tabelle
für  die  Trockensubstanzbestimmung  aus  dem  spezifischen  Gewichte  entworfen,  die
in  der  Tabelle  XX  am  Schlüsse  im  Zusammenhang  mit  den  Angaben  der  4  gebräuchlichsten ­
  Mostwagen  aufgenommen  ist.
b)  Die  von  v.  Babo  konstruierte  Klosterneuburger  Mostwage  ist  ein
Saccharometer,  dessen  Skala  die  Zuckerprozente  direkt  annähernd  richtig  angibt.
Da  auf  17  °/ 0  Zucker  im  Most  durchschnittlich  etwa  3  °/ 0  sonstiger  Mostbestandteile
kommen,  so  brachte  v.  Babo  hei  der  Klosterneuburger  Mostwage  diese  3  °/ 0  der
Art  in  Abrechnung,  daß  er  an  der  Skala  derselben  17  °/ 0  =  20  °/ 0  eines  für
reine  Zuckerlösungen  bestimmten  Saccharometers  setzte  und  die  20  Grade  in
17  Teile  teilte.
c)  Das  Ballingsche  Saccharometer  gibt  den  Extraktgehalt  der  Flüssigkeiten ­
  an;  man  muß  daher,  um  den  Zuckergehalt  aus  demselben  zu  erfahren,  für
die  Menge  der  sonstigen  Extraktstoffe  gewdsse  Abzüge  machen.
d)  Die  W r agnersche  Most  wage,  welche  ebenfalls  in  Gebrauch  ist,  enthält
eine  den  Graden  des  Beaumeschen  Aräometers  entsprechende  willkürliche  Skala.
Tabelle  No.  XX  am  Schluß  enthält,  wie  schon  gesagt,  eine  vergleichende
Zusammenstellung  der  Angaben  dieser  4  zur  Zeit  verwendeten  Mostwagen.
Beim  Gebrauch  der  Mostwagen,  die  von  zuverlässigen  Mechanikern  bezogen  werden
sollten,  ist  darauf  zu  achten,  daß  der  Most  keine  Schwebeteilohen  (wie  Beerenfleisch,
Hülsenreste,  Beerenstiele  usw.)  enthält  und  tunlichst  frisch,  d.  h.  noch  nicht  in  Gärung
und  kohlensäurehaltig  ist,  nötigenfalls  muß  die  Kohlensäure  durch  ganz  gelindes  Erwärmen
und  Schütteln  entfernt  werden.  Auch  soll  der  Most  die  für  jede  Wage  bestimmte  Normal-Temperatur
  (meistens  17,5°  C.  oder  14°  R.)  haben.  Hält  es  schwer,  den  anders  temperierten ­
  Most  auf  diese  Temperatur  zu  bringen,  so  muß  für  die  Öchslesohe  Wage  für
je  4  Temperaturgrade  Reaumur  über  14°  R.  ein  Grad  Öchsle  zugezählt,  und  umgekehrt,
für  je  4  Temperaturgrade  Reaumur  unter  14°  R.  je  ein  Grad  Öchsle  in  Abzug  gebracht
werden,  während  bei  der  Klosterneuburger  Wage  für  je  2°  über  oder  unter  14°  R.  1 / 10 °/o
zuzuzählen  hezw.  abzuziehen  ist.
Soll  der  Zuckergehalt  des  Mostes  genau  bestimmt  werden,  so  verfährt  man
wie  hei  Wein,  sollen  Glukose  und  Fruktose  getrennt  bestimmt  werden,  nach
Halenke  und  Möslinger  (S.  236).
2.  Bestimmung  der  Säure.  Da  das  von  Halenke  und  Möslinger  für  die
Bestimmung  der  Säure  im  Moste  ausgearheitete  verbesserte  Verfahren  in  die  amtliche
Anweisung  aufgenommen  ist,  sei  hier  auf  dieselbe  verwiesen  (vergl.  S.  763).
1  ccm  1 / 4  N.-Lauge  entspricht  0,01875  g  Weinsäure  oder  0,01675  g  Äpfelsäure.
1  n  1 /io  n  n  0,0075  „  „  „  0,0067  „  „

*)  Zeitsohr.  f.  anal.  Chemie  1895.  84,  263.
            
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