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gebraucht" 1 ). Wir sehen also aus diesen Zitaten, auf deren fast übereinstimmenden
Wortlaut trotz so großer dazwischenliegender Zeiträume
ausdrücklich hingewiesen sei, vor allen Dingen, daß sich die Ansichten
seit Galen, welcher auch wieder nur alte überkommene Anschauungen
zusammengefaßt hatte, bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts nicht
geändert haben; wir erkennen also auch für den Fall der Gerberei die
ungeheuere Kontinuität der Ideen, die Fortexistenz des Prinzips, welches
nur einmal gezeugt wird und von hier aus sich weiter entwickelt. Der
Zusammenhang zwischen Alaun und den vegetabilischen Gerbstoffen wird
hier erst nach einigen tausend Jahren klar formuliert, und wir erkennen
an diesem einzigen Beispiel den ganzen gleichbleibenden anthropozentrischen
Standpunkt der Zeit, wir sehen, wie die jeweilige Weltanschauung das
ganze Denken bis in die kleinsten Fasern durchdringt: der Mensch ist das
Maß aller Dinge, die Stoffe sind nur um des Menschen willen vorhanden,
und die Begabung des Menschen gestattet ihm, alle Eigenschaften der
Stoffe zu erkennen. Daher ist die Wirkung eines Stoffes auf den
menschlichen Geschmack nicht nur ein Maßstab für die Heilwirkung auf
den menschlichen Körper, sondern auf die geschaffene Welt überhaupt;
der Geschmack des Alauns und der Lohe ziehen die menschliche Zunge
zusammen, daher sind sie von ähnlicher Beschaffenheit; deshalb ziehen
sie auch die tierische Haut beim Gerben zusammen. Man sieht, es ist eine
Verwechslung einer physiologischen Reaktion mit einem chemischen Vorgang,
nur möglich unter dem Eindruck des anthropozentrischen Standpunktes,
und wir können daher diese Gerbetheorie die anthropozentrischphysiologische
nennen. Sie ist entstanden auf Grund physiologischmedizinischer
Erwägungen, und man hat sie ohne Zögern auf technische
Verhältnisse übertragen. Das wird, wie wir gesehen haben, zuerst klar
ausgesprochen bei Becher: Der Gerbstoff zieht die Haut zusammen und
deshalb wird das Leder dick.
Diese Theorie war nun also klar und deutlich ausgesprochen, und
man begann nun, dieselbe entsprechend dem immer noch deduktiven
Charakter jener Zeit rein deduktiv zu verfolgen. 1744 hat bereits
Gleditsch, Botaniker der Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin,
unter dem Druck des Eichenloheproblems, von welchem wir eingangs
gehört haben, eine Systematik der Pflanzen unter dem speziellen Gesichtspunkte
ihrer gerberischen Verwertbarkeit aufgestellt, und dabei teilte
er, da wir nach den damaligen Ansichten die Gerberei also in folgende
zwei Kategorieen scheiden müssen:
1. Die Gerbung mit scharf zusammenziehend schmeckenden Stoffen:
Loh- und Alaungerbung,
’) Schauplatz 1767, Bd. II, S. 27.