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2. Die Gerbung mit öligen Stoffen,
auch die Pflanzen in zwei Klaffen ein.
„Zu der ersten Klaffe gehören die Pflanzen, welche zusammenziehen,
scharf und ohne Geruch sind, welche zwar wirkende, aber feste
Grundteile geben".
„Zur zweiten Klasse gehören die Pflanzen, welche flüchtige und
geistige Teile besitzen und einen balsamischen und fettigen Anteil erhalten.
Es sind weniger feste Teile in ihnen" x ).
Für den, welcher mit dem naturwissenschaftlichen Sprachgebrauch
jener Zeit bekannt ist, ist hier die Auffassung über das Wesen der Gerberei
haarscharf präzisiert; weil indessen diese Auffassung vollkommen innerhalb
des hier dargelegten theoretischen Rahmens bleibt und nicht zur
Bildung wichtiger Gerbeprozesse geführt hat, wollen wir uns hier damit
begnügen, ausdrücklich zu konstatieren, daß die Gerberei hier in zwei
scharf getrennte Kategorieen zerlegt ist.
Schon Gleditsch hatte, vielleicht auf Grund von praktischen Versuchen,
darauf hingewiesen, daß die zweite Klasse von Pflanzen für
die Gerberei doch weniger geeignet sei, man ließ daher in der Folge diese
ganze zweite Gruppe von Pflanzen wieder fallen. Hertel sagt 1783
„Überhaupt sind ihm (dem Rotgerber) alle Pflanzen und Gewächse
brauchbar, welche einen scharf zusammenziehenden Geschmack haben
z. B. Schlehen, Mispeln, Preißelbeeren, Meerrettich, usw."); man
ging also jetzt wissenschaftlich rationell auf die Suche nach Gerbstoffen,
wie man dies vor einigen Jahrtausenden nicht so klar bewußt vielleicht
getan hatte, und das Ergebnis waren riesige Listen von Pflanzen,
welche alle zum Gerben tauglich sein sollen, und auf deren eine ich
eingangs hingewiesen habe (vgl. S. 73).
Mit allen diesen Dingen war aber die physiologische Theorie nicht
aufs höchste getrieben, noch nicht bis in die äußersten Konsequenzen
verfolgt. Die Sämischgerbung stand ja noch außerhalb, und im Interesse
der Gleichheit wissenschaftlicher Grundanschauung galt es auch, die
Verwendung der adstringierenden Stoffe in der Färberei in dem aus
physiologischen Erwägungen gewonnenen Bilde zu erklären. Selbst der
gelehrte und berühmte Beckmann vermochte sich nicht von jenem Bilde
zu befreien, er vereinigte in seiner Person die Weltanschauung zweier
Zeiten, und es mutet eigentümlich an, in der Ausgabe seine Technologie
von 1794, welche ja doch schon den Geist der kommenden Entwicklung
atmet, von den Galläpfeln zu lesen, daß sie eine Substanz enthalten,
welche „im Geschmack und in vieler anderer Hinsicht eine Ähnlichkeit mit
dem Alaun und anderen styptischen Salzen hat... Wegen dieser Eigenst
Schauplatz 1766, Bd. V, S. 350.
st Hertel 1783, Bd. I, S. 215.