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schaff dient sie dem Lederbereiter, um die Fasern der von Blut und
Fett gereinigten Häute dichter und sester zu machen. Ebensalls nutzt
sie aber der Färber, wenn er die Farbeteilchen durch Verengung der
Öffnung, durch welche er sie hat eindringen lassen, fester, dauerhafter
machen, oder sie gleichsam darin verschließen will." x ). Man war in
einem rein mechanischen Gleichnis gelandet, und der letzte Schluß
daraus war die Anwendung auf die Sämischgerberei. „Durch Zusätze
von zusammenziehenden Mitteln oder auch durch Walken werden die Fasern
dichter ineinander gebracht." 2 ) Man hatte also den histologischen
Charakter des Leders als aus Fasern bestehend erkannt, und diese Fasern
werden durch zusammenziehende Mittel näher aneinander gebracht;
der gleiche Effekt aber wird auch erzielt durch Klopfen des Leders mit
Hämmern, nämlich durch Walken. So wird es verständlich, daß in
den um diese Zeit entstehenden Technologien die systematische Stellung
der Gerberei unter die Rubrik „Filzbereitung" 8 ) fällt, wo beim bloß
mechanischen Vorgang des Walkens des Sämischleders dieses gegerbt
oder „gefilzt" * 4 * 6 * ) wird, wo das Walken also auf Tuche und Felle die
gleiche Wirkung ausübt, wie die zusammenziehenden Stoffe auf die
Haut, wo der Tran für die Sämischgerberei überhaupt keine wesentliche
Bedeutung mehr besitzt.
Noch weit hinein in den Anfang des neuen Jahrhunderts können
wir diese Theorien verfolgen; sie treten, wenn natürlich auch in gemilderter
Form zutage, noch 1807 bei Hermstädt °), 1820 bei Keeß«), 1822 bei
Kölle'), 1824 bei Gall 8 ), 1837 sogar noch bei Poppe 8 ).
Poppe hatte sogar auch dem Rauch bei der Rauchgerbung zusammenziehende
Eigenschaften zugesprochen, und damit war alles, was irgendwie
zu Leder oder Gerberei gehörte, unter einen wissenschaftlichen Hut
gebracht; die zwei Kategorien, welche wir noch für 1744 kennen
gelernt hatten, waren unter dem einen, auch den übrigen Methoden
gemeinsamen Titel „Verfilzung" vereinigt, und die Anschauung war,
wie die zitierten Namen illustrieren mögen, Gemeingut der gebildeten
Welt geworden. So weit ins 19. Jahrhundert hereinreicht und so fest
gegründet ist eine Ansicht, welche Jahrtausende vorher auf dem primitiven
Reagens des Geschmackes gegründet wurde. Damit sind wir aber eingetreten
in eine neue Epoche der Gerbetheorien, vor deren Betrachtung wir noch
Beckmann 1794, Bd. I, S. 363.
2 ) Krünitz 1795, Bd. LXVIII, S. 11.
’) Jung 1794, S. 588 und Inhaltsverzeichnis. *) Jung 1794, S. 600.
6 ) Hermbstädt 1807, Bd. II, S. 200. «) Keeß 1820, S. 15.
') Koelle 1822, S. 219. «) Gall 1824, S. 21.
”) Poppe, G. 1837, Bd. I, S. 507—508, vgl. hier bes. den Zusammenhang,
in welchem die Gerberei auftritt.