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munternd berichtet Keeß 1829: „In allen (?) englischen Werkstätten, wo
Leder fabriziert wird, bedient man sich der Spaltmaschine, welche bis vor
kurzem in Deutschland noch ganz unbekannt war*)"; er hat wahrscheinlich
in größeren Betrieben außer Gebrauch gesetzte Spaltmaschinen
stehen gesehen, welche damals unter dem Einfluß der Spaltmaschinenbewegung
angeschafft worden waren.
Langsam führten sich die neuen Maschinen in der Gerberei ein,
schneller noch in England, Frankreich und Amerika als in Deutschland,
und schneller in der Fabrikation der schweren Leder als in den Betrieben
mit leichteren Fellsorten. Nur langsam gewann die Technik
ein richtigeres Verhältnis zu dem neuen Rohmaterial, und 1837 schreibt
Pelzer: „Schon mehrmals hat man versucht, die langweilige Arbeit des
Streckens, Abschabens und Abfleischens der Häute durch Maschinen zu
ersetzen, allein bis heute ist noch keine bekannt geworden, welche den
Zweck vollkommen erreicht hätte" 2 ). Auf allen Gebieten mußte das
Ausland und da wieder zunächst für starke Häute bahnbrechend vorgehen.
Im amtlichen Berichte der Londoner Weltausstellung von 1851 8 )
heißt es: „Auch erscheint es zeitgemäß, daß die deutschen Gerbereibesitzer
sich mehr der geeigneten mechanischen Betriebskräfte durch Wasser und
Dampfwerke bemächtigen," und nach der Pariser Weltausstellung hören
wir 1868 über die Feinlederfabrikation 4 * 6 ): „Es ist das Vorurteil, daß
die mechanischen und chemischen Operationen in dieser Gerberei nur
durch Menschenhände gut und vollständig ausgeführt werden können,
gründlich widerlegt. Ich hatte Gelegenheit, zwei Etablissements zu
sehen, wo sämtliche mechanische Operationen durch Maschinen ausgeführt
wurden, andere Fabrikanten benützen teilweise Maschinen. Das
Strecken, Enthaaren, Entfleischen, Glätten, geschieht auf Maschinen,
welche von Ott in Saint Denis konstruiert sind."
Unter solchen Verhältnissen bemühte sich die deutsche Maschinentechnik
zur Herstellung brauchbarer Maschinen. Die deutschen Gerber
versuchten deren Einführung, es folgte das Jahr 1870/71, und im
Gefolge davon ging, wie wir schon gehört haben, der Strom der ausländischen
Nachfrage zunächst nicht mehr nach Frankreich, sondern nach
Deutschland, die Feinlederindustrie wurde zur Leistungsfähigkeit förmlich
gezwungen, und als Folge dieser Bewegung lesen wir im Berichte
von der Lederausstellung 1878 °): „Haben früher die Ausländer, namentlich
Franzosen, Engländer und Amerikaner auf dem Gebiete der Gerberei
und Lederverarbeitungsmaschinen einen bedeutenden Vorsprung gegen
die deutschen Fabrikanten gehabt, so hat sich dieser Vorsprung doch.
0 Keeß 1829, S. 73. -) Pelzer 1837, S, 269.
») A. London 1851, S. 420. *) Fürstedler 1868, S. 220.
6 ) Lederausstellung 1878, S. 143.