Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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Minder  ins  Gewicht  fallend  ist  die  einfachere  Behandlung,  da  das
regelmässige  Putzen  der  Dochte  und  Cylinder  fortlällt.
Diesen  Vorteilen  stehen  aber  schwerwiegende  Nachteile  gegenüber, ­
  besonders  der  Preis.  Nach  Brackel-Leis y )  stellt  sich  Spiritusglühlicht ­
  jetzt  noch  ca.  2 3 / B mal  teurer  als  Petroleumlicht,  kann
deshalb  also  nur  von  den  besser  situierten  Klassen  gebrannt
werden.  Dabei  ist  noch  zu  berücksichtigen,  dass  die  Preise  ausserordentlich ­
  rasch  und  heftig  schwanken.  Wenn  Brackel-Leis  1903
mit  einem  Preise  von  24  Pfg.  per  Liter  rechnen  konnten,  so  stellte
er  sich  Herbst  1905  auf  ca.  40  Pfg.  per  Liter!  Die  Handelskammer ­
  Bielefeld  sah  sich  (nach  ihrem  Jahresbericht  pro  1905,
1.  Teil,  S.  91)  veranlasst,  folgenden  Bericht  an  das  preussische
Handelsministerium  zu  richten:
»Zur  Kennzeichnung  der  Preispolitik  der  Zentrale  möge  dienen,
dass  dieselbe  die  Preise  für  Spiritus  willkürlich  herauf-  und  herabsetzt. ­
  So  hat  sie  beispielsweise  den  an  sich  schon  ausserordentlich ­
  hohen  Spirituspreis  im  August  1904  um  weitere  5  Mk.  erhöht,
nur  weil  die  Ernte  in  Kartoffeln  voraussichtlich  nicht  gut  ausfallen
würde.  In  diesem  Jahre  dagegen,  als  die  Aussichten  für  die  Kartoffelernte ­
  glänzend  waren,  wartete  die  Zentrale  mit  der  Herabsetzung ­
  des  sehr  hohen  Preises  bis  Oktober  und  setzte  dann  denselben
nur  zögernd  um  3  Mark  und  weiter  noch  zweimal  um  4  Mk.  herab.«
Da  Spiritus  vorläufig  nur  auf  grossen  Lampen  mit  entsprechend
grossem  Verbrauch  gebrannt  werden  kann,  während  Petroleum
in  der  Hauptsache  gerade  in  kleinen  Haushaltungen  und  in  kleinen
Lampen  verwendet  wird;  da  in  der  Qualität  der  gelieferten  Ware
noch  grosse  Ungleichmässigkeit  herrscht,  da  ferner  allein  der
Brenner  für  eine  Spirituslampe  mehr  kostet  als  eine  vollständige
mittelgrosse  Petroleumlampe,  so  ist  für  absehbare  Zeit  die  Ersetzung ­
  des  Petroleums  durch  Spiritus  in  den  ärmeren  Schichten
der  Bevölkerung  ausgeschlossen.  Nun  ist  zwar  anzunehmen,  dass
bei  steigendem  Spirituskonsum  auch  die  Lampen  billiger  werden.
Solange  aber  die  Verwendung  von  Spiritus  auch  in  kleinen,  einfach ­
  konstruierten  Lampen  von  vielleicht  4—15  Normalkerzen
Leuchtkraft  nicht  möglich  ist 1  2 ),  kann  an  eine  ernstliche  Konkur1) ­
  Der  dreissigjährige  Petroleumkrieg  1903,  S.  30,  400.
2)  Die  preussischen  Landwirtschaftskammern  hatten  einen  Preis  für  die  Konstruktion ­
  einer  einfachen  Spiritusglühlichtlampe  von  niedriger  Lichtstärke  ausgesetzt,
doch  konnte  dieser  1904  noch  nicht  zur  Verteilung  gelangen  und  wurde  wieder  ausgeschrieben. ­

            
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