Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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Hierdurch  wird  also  das  sonst  zu  Geschäften  verwendete  Geld  in  eine
neue  Richtung,  nämlich  zur  Schuldentilgung  gedrängt,  und  die  laufende
Tätigkeit  dadurch  immerhin  stark  beeinträchtigt.  Weiterhin  regelt
die  Geschäftswelt  jetzt  ihre  Zahlungen  im  überwiegenden  Maße  durch
Barzahlungen.
Aus  dem  geringen  Bestand  der  unverfallenen,  regulären  Wechsel
ist  daher  nur  unter  Beachtung  der  angeführten  Momente  der  Schluß  zu
ziehen,  daß  die  französische  Volkswirtschaft  durch  die  Kriegsereignisse
schwer  beeinträchtigt  sein  muß  und  nicht  zur  lebhaften  Arbeit  heranzuziehen ­
  ist.  Das  wirtschaftlich  wichtige  Gebiet  des  Westens  ist  zudem
in  den  Händen  des  Feindes  und  zum  Teil  durch  kriegerische  Einwirkungen
stark  belastet,  in  den  freien  südlichen  Gebieten  mag  vielleicht  eine  gewisse ­
  Hoffnungslosigkeit  jede  Unternehmungslust  lähmen,  und  daher
werden  die  eifrigen  Bemühungen  der  Bank  von  Frankreich,  hier  eine
Wandlung  zu  schaffen,  wohl  auch  künftighin  von  geringem  Erfolge
begleitet  sein.
Auch  das  Ausland  erschöpft  die  Kraft  der  Notenbank.  Die  Bank  von
Frankreich  ist  vor  allem  bemüht,  den  Zahlungsverpflichtungen  Rußlands
zu  Hilfe  zu  kommen  und  für  ihre  Ablösung  Sorge  zu  tragen.  Die  Schwierigkeiten, ­
  die  sich  bei  dem  Ausgleich  aus  dem  gesunkenen  Wechselkurse
ergeben,  erfordern  ein  besonderes  Abkommen,  das  mit  der  russischen
Staatsbank  abgeschlossen  wurde.  Der  Vertrag  regelt  die  Ablösung
russischer  Wechselverpflichtungen  in  Frankreich.  Die  französische  Notenbank ­
  leistet  der  russischen  Reichsbank  einen  Vorschuß  von  500  Mill.
Frcs.  zur  teilweisen  Einlösung  der  russischen  Wechsel  in  Frankreich.
Fs  sind  dies  Wechsel,  die  von  russischen  Waren-  und  Exportfirmen
gezogen  und  bei  den  Pariser  Filialen  der  russischen  Kreditbanken  zahlbar
gestellt  sind.  Diese  Tratten  kamen  nach  Frankreich,  wo  sie  durch  den
Bomizilvermerk  umlaufsfähig  und  von  den  russischen  Bankfilialen
ln  Paris  bei  den  französischen  Banken  in  Pension  gegeben  wurden.  Auf
diese  Weise  haben  die  russischen  Banken  den  Geschäftsverkehr  ihrer
Kunden  in  Rußland  im  Gange  gehalten  und  die  hierfür  verwandten
und  festgelegten  Kapitalien  durch  Pensionierung  bei  den  französischen
Banken  wieder  flüssig  gemacht!
Die  von  Rußland  und  anderen  Staaten  in  Frankreich  diskontierten
und  lombardierten  Tratten  werden  auf  rund  1000  Mill.  Frcs.  geschätzt.
In  dieser  Summe  sind  die  Pensionswechsel  von  Deutschland  und  Österreich-Ungarn ­
  mit  einbegriffen.
Beim  Abbau  der  russischen  Verpflichtungen  werden  die  Privatbanken ­
  entlastet.  Die  in  Kriegszeiten  beschwerlichen  und  unliquidierbaren
  Pensionen  übernimmt  somit  die  Notenbank,  die  wiederum  ihre
Rückdeckung  durch  die  Garantie  der  russischen  Reichsbank  findet,
damit  zwar  kein  bewegliches  Aktivum  in  den  Händen  hat,  aber  unter
gewisser  russischer  Garantie  der  heimischen  Wirtschaft  eine  Entlastung
brachte.
Den  Zinsendienst  Rußlands  und  der  Verbündeten  kleinen  Staaten
            
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