Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

tiert  werden  durften,  da  die  kleinste  Note  bisher  auf  nur  50  Frcs.  lautete.
Diese  neuen  Notenabschnitte  waren  bereits  lange  vor  dem  Kriege  gedruckt ­
  und  an  vielen  Plätzen  des  Landes  nach  geldstrategischen  Gesichtspunkten ­
  verteilt.  Sogleich  zu  Beginn  der  Kleingeld  Krisis  wurde
ihre  Emission  ohne  Verzögerung  bewirkt  und  sie  konnte  die  erste  und
schwerste  Krisis  in  den  Zahlungsmitteln  nach  wenigen  Tagen  schnell  beseitigen. ­
  Nach  Verlauf  von  10  Tagen  hatte  der  Verkehr
in  20  Frcs.-Noten  gegen  400  Mill.  Frcs.
in  5  Frcs.-Noten  gegen  200  Mill.  Frcs.
aufgesaugt.
Die  Emission  erfolgte  nach  den  einstimmigen  Berichten  der  französischen ­
  Zeitungen  unter  dem  größten  Beifall  des  Publikums.
Jedoch  konnte  die  Ausgabe  von  20-  und  5-Frcs.-Noten  die  Bedürfnisse
des  Kleingeldverkehrs  nicht  befriedigen.  Es  fehlte  sehr  an  ganz  kleinen
Geldzeichen,  namentlich  in  Paris.  Die  Notenbank  ermächtigte  daher
die  Pariser  Handelskammer,  Scheine  zu  2,  1  und  %  F rcs -  in  den  Verkehr
zu  bringen.  Als  Deckung  für  die  zur  Ausgabe  gebrachten  neuen  Scheine
hinterlegte  die  Handelskammer  50  und  100  Frcs.-Noten  bei  der  Bank
von  Frankreich.  Der  sehr  unangenehm  fühlbare  Mangel  an  25  ctms.-Münzstücken
  wurde  durch  25  ctms.-Noten  beseitigt.  Weiterhin  wurde
die  Prägung  von  Scheidemünzen  auf  Veranlassung  der  Notenbank
gesteigert,  um  den  Hartgeldmangel  zu  beseitigen.  Nach  den  Mitteilungen
der  Commission  de  contröle  monetaire 1 )  wurden  die  folgenden  Summen
ausgeprägt:
1915
Stücke  zu  2  Frcs  13  963  409  Stück
..  »  1  ..  47  955  158  „
„  „  50  ctms  20  892  772  „
»  »25  535  227
„  „10  4  362  468  „
„  „  5  6  032  140  „
In  Frankreich  allein  wurden  82  811  339  Stück  in  einem  nominellen
Werte  von  86  328  362  Frcs.  ausgegeben.
Diese  Zahlen  zeigen,  wie  stark  das  Bedürfnis  des  Verkehrs  nach
kleinen  Geldzeichen  war.
Die  Notenbank  hatte  also  den  Versuch  unternommen,  mit  Hilfe
ihrer  eigenen  Noten  und  verstärkter  Münzausprägung  den  Bedarf
an  Kleingeld  zu  stillen,  und  sie  setzte  daher  möglicherweise  der  Ausgabe
vom  städtischen,  kommunalen  oder  ähnlichen  Kriegsnotgelde,  wie  es
vielfach  in  Deutschland  vorgekommen  war,  Widerstand  entgegen.  Im
Verlaufe  der  weiteren  Kriegsmonate  hat  dieser  Zug  zur  versteckten
G-eldanhäufung  viel  von  seiner  Größe  verloren,  obwohl  er  noch  bis  in
die  Mitte  des  Jahres  1915  hineinreichte.  Erst  seit  der  kräftigen  Propaganda ­
  in  den  Monaten  Juni,  Juli  und  August  1915  konnte  auf  die  Bevölkerung ­
  ein  Einfluß  dahin  geltend  gemacht  werden,  von  der  Thesaul ­

 )  L  Economiste  Franfais  1916,  19.  Februar,  S.  241.
            
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