Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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schon  früher  im  Zusamenhang  mit  den  Erfahrungen  mit  der  Bergischen ­
  Bandweberei  hingewiesen*);  er  darf  bei  Beurteilung  der
Frage  nicht  außer  acht  gelassen  werden.  Damit  hängt  ein  ärgeres
zusammen,  das  vom  Standpunkt  der  Gewerbehhaiene  zu  einer
wenig  günstigen  Beurteilung  der  Hansweberei  führt:  das  mangelnde
Verantwortlichkeitsgefühl  des  Unternehmers  fiir  die  Hausweber.
Die  mit  dem  Hand  web  stuhl,  oft  unter  Hinzuziehung
weiblicher  Hilfskräfte,  erzielten  Jahresverdienste  sind  Wohl  das
Dürftigste,  was  an  Löhnen  für  erwachsene  Männer  gezahlt  wird
Die  vom  sächsischen  Submissionsamt  festgestellten  Löhne  decken  sich
völlig  mit  den  Mitteilungen  eines  schlesischen  Landrats,  der  auf
Grund  der  Steuerveranlagung  den  Jahresverdienst  eines  gut  beschäftigten ­
  Textilarbeiters  auf  200—300  M.  bezifferte,  und  mit  den
Durchschnittsjahresverdiensten,  die  die  Landesverficherungsanstalt
für  die  oberfränkischen  Hausweber  festgestellt  hatte.
So  ist  es  nur  natürlich,  daß  die  Jugend  sich  andere  Arbeit  sucht
und  nur  noch  ältere  Leute  am  Handwebstuhl  verbleiben.  In  manchen ­
  Bezirken  soll  sich  allerdings  immer  wieder  neuer  Zufluß  aus
den  „fabrikfertigen"  Arbeitern,  die  den  Rest  ihrer  Arbeitskraft  am
Handwebstuhl  ausnutzen,  rekrutieren,  doch  ist  das  keine  Allgemeinerscheinung ­
  von  Bedeutung;  die  Technik  des  mechanischen  und  des
Handwebstuhls  ist  so  verschiedenartig,  daß  ein  Uebergang  in  höherem ­
  Mer  ausgeschlossen  erscheint;  auch  gibt  es  gerade  in  den  Webstoffabriken
  eine  weitgehende  Verwendungsmöglichkeit  fiir  ältere,
schwächere  Lmte.
Günstiger,  sowohl  was  die  technische  Leistungsfähigkeit,  als
auch  die  damit  aufs  engste  verknüpfte  Entlohnung  angeht,  liegt  die
Sache  in  der  mechanisch  betriebenen  Hausweberei,
die  in  Sachsen,  angeregt  durch  eine  kräftige  Reklame  der  Elektrizitätswerke, ­
  mehr  und  mehr  an  die  Stelle  der  alten  Handweberei
tritt,  eine  Bewegung,  die  der  Staat  (siehe  oben)  zum  Teil  auch
aus  politischen  Gründen  untersetzt.  Die  wirtschaftliche  Lage  dieser
Hausweber  wird  in  Sachsen  vielfach  als  nicht  schlecht  bezeichnet

l )  Gaebel,  Die  Heimarbeit,  Jena  1913,  Seite  5  ff.
Heimarbeit  im  Kriege.

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