Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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dazu,  übergeht,  sie  nicht  nur  im  Winter,  sondern  auch  im  Sommer,
nicht  nur  nebe  n-,  sondern  ha  u  p  t  beruflich  zu  betreiben.  Damit ­
  wird  der  Landarbeiter  zwar  nicht  dein  Lande  entfremdet  —  er
strebt  sogar  danach,  sich  dort  ansässig  zu  machen  —,  wohl  aber  der
landwirtschaftlichen  Arbeit  für  Frenrde.  So  berichtet  Dr.  Mendelsvn
  bei  Gelegenheit  einer  Versammlung  zur  Erörterung  von  Landarbeiterfragen,
  daß  die  Entwicklnng  einiger  Hausindustrien  geradezu
eine  Verstärkung  des  Landarbeitermangels  bewirkt  hat,  so  z.  B.
im  Regierungsbezirk  Minden  in  Westfalen  und  im  Eichsseld.  „Diese
Gegenden  hatten  früher  auf  dem  Lande  Arbeiter  in  großer  Fülle.
Es  war  sogar  eine  Ueberfüllung  mit  Arbeitskräften  vorhanden.
Dann  fand  die  Zigarrenindustrie  Eingang,  und  viele  landwirtschaftliche ­
  Arbeiter,  die  im  Hauptberuf  landwirtschaftliche  Arbeit
betrieben,  wurden  im  Nebenberuf  Zigavrenarbeiter.  Das  war  zunächst ­
  alles  sehr  schön.  Aber  nachher  wandte  sich  das  Blättchen.
Die  landwirtschaftlichen  Arbeiter  wurden  im  Hauptberuf  Zigarrenarbeiter, ­
  und  die  Landwirtschaft  hat  jetzt  dort  unter  einem  außerordentlichen ­
  Arbeitermangel  zu  leiden."
Namentlich  trifft  diese  Abwanderung  aus  der  Landwirtschaft, ­
  wenn  auch  nicht  vom  Lande,  für  die  Frauen  zu.  Die
Gewerbeinspektionsberichte  aus  den  verschiedensten  Gegenden  erzählen ­
  von  solchen  unerfreulichen  Erscheinungen.  Machen  sie  sich
auch  nicht  überall  bemerkbar,  so  doch  öfter,  als  man  im  allgemeinen
anzunehmen  geneigt  ist.  In  großen  Teilen  Badens  nimmt  die
häusliche  Tabakverarbeitung  die  landwirtschaftlichen  Arbeitskräfte
weg.  In  den  Bezirken  des  Bayerischen  Waldes,  in  denen  man
die  Spitzenindustrie  neu  belebt  hat,  findet  eine  Arbeitsteilung  in
dem  Sinne  statt,  daß  die  besonders  geschickten  Mädchen  sich  ganz
der  Spitzenindustrie  zuwenden  und  damit  für  bie  Landwirtschaft
verloren  gehen.  Die  elsässische  Gewerbeinspektion  berichtet:  „Solange ­
  die  Heimarbeit  nur  im  Nebenerwerb  ausgeübt  wird,  bietet
der  geringe  Verdienst  eine  willkommene  Beigabe  zu  den  Kosten  des
Hausstandes.  Bei  guten  Konjunkturen  geben  sich  aber  die  Frauen
der  gewerblichen  Tätigkeit  hin,  vernachlässigen  die  Hauswirtschaft
und  entwöhnen  sich  der  körperlich  anstrengenden  landwirtschaftlichen
            
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