Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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sehr  wenig  erfreulich.  Sv  bedeutet  jede  Heimarbeit,  die  neu  eingeführt ­
  wird,  nur  eine  neue  schwere  Konkurrenz  für  die  schon  vorhandenen ­
  Heimarbeiter.  Ein  Bedarf  an  Arbeitskräften  über  das  sich
schon  anbietende  Mas;  hinaus  ist  nicht  vorhanden;  im  Gegenteil  ist
die  Ueberfüllnitg  nirgends  so  stark  ivie  in  der  Heimarbeit.  Das  ist
die  Grundtatsache,  die  für  die  Beurteilung  der  Gesamtfrage  entscheidend ­
  sein  muß  und  die  bei  der  Förderung  der  ländlichen  Heimarbeit ­
  zu  größter  Vorsicht  und  Gewissenhaftigkeit  mahnt;  auf
wenigen  Gebieten  kann  durch  sozialpolitischen  Dilettantismus  so
viel  geschadet  werden.
Mit  diesen  Erörterungen  ist  der  Versuch  gemacht,  die  Wechselbeziehungen ­
  zwischen  Landwirtschaft  und  Heimarbeit  klarzustellen;
unbeantwortet  geblieben  ist  aber  die  angesichts  des  Menschenmangels ­
  auf  dem  Lande  und  der  ungesunden  Hypertrophie  der  Industriestädte ­
  wahrlich  ernst  zu  nehmende  Frage:  Was  kann  man  tun,
um  dem  Lande  die  notwendige  Füllarbeit,  den  unentbehrlichen
Nebenverdienst  zu  schaffen  und,  s  o  w  e  i  t  e  s  d  u  r  ch  d  i  e  s  M  i  tt
  e  l  überhaupt  möglich  i  st,  der  Landflucht  entgegenzuwirken? ­
  Dabei  sei  aber  nochmals  betont,  daß  die  Beschaffung  von
Nebenerwerb  nur  e  i  n  und  noch  dazrc  in  seiner  Wirkung  beschränktes
Mittel  ist,  und  daß  namentlich  die  Frage  der  Bodenbesitzverteilung
ein  viel  wichtigerer  Faktor  bei  der  Lösung  des  Problems  ist.  Der
Eigenbesitz  —  das  einzig  aussichtsreiche  G  e  g  e  ic  anzieh ­
  n  n  g  s  ni  i  t  t  e  l  gegen  die  Lockungen  des  st  ä  dtischen
  Lebens  —  das  ist  das  Fazit,  das  Gertrud  Dyhrenfurth,
  ldie  Frau,  die  wohl  am  tiefsten  in  der  Seele  unseres  Landvolkes ­
  gelesen  hat,  ans  den  umfangreichen  Untersuchungen  des
„Ständigen  Ausschusses  zur  Förderung  der  Arbeiterinneninteressen"
gezogen  hatL)  „Die  Arbeit,  die  die  Frau  in  fremder  Wirtschaft
nicht  mehr  leisten  will,  sollte  in  erhöhtem  Maße  in  ihre  eigene
verlegt  werden,  damit  sie  dort  die  gleichen  Werte  für  die  Volkswirtschaft ­
  erzeugt."
ff  „Untersuchungen  über  die  Avbeits-  und  Lebe  n  8ve  r  hältn-isse  der
Frauen  in  der  Landwirtschaft."  Jena  1914.
Leimarbeit  im  Kriegs.

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