Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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Räumen  des  Unternehmers  werde  nur  noch  die  Zurichtung  besorgt,
dann  gehe  die  Arbeit  an  Hausindustrielle  oder  an  Zwischenmeister,
die  sie  ausführen.  Der  Konkurrenzkampf  der  Unternehmer  sei  die
hauptsächlichste  Ursache  dieser  Veränderung.  Um  Arbeit  zu  erhalten, ­
  würden  die  Preise  so  niedrig  als  möglich  gestellt.  Da  trotzdem ­
  verdient  werden  soll,  eine  Ersparnis  an  Material  aber  meistens ­
  ausgeschlossen  sei,  so  würden  vornehmlich  die  Löhne  der  Arbeiter ­
  gekürzt.  Dieses  Bestreben  werde  unterstützt  durch  die  Unzahl ­
  Arbeitsloser,  welche  im  Sattlergewerbe  vorhanden  seien.  Der
Arbeitgeber  vermöchte  deshalb  die  Löhne  nach  Belieben  niedrig  zu
bemessen;  er  fände  noch  immer  genügend  Arbeitslose,  die  zur  Tätigkeit ­
  bei  ihm  bereit  seien.  Da  während  der  Arbeitszeit  ein  irgendwie ­
  ausreichender  Lohn  nicht  zu  verdienen  sei,  werde  der  Arbeiter
genötigt,  Arbeit  mit  nach  Hause  zu  nehmen,  um  dort  nach  Feierabend ­
  weiterzuarbeiten.  Da  so  der  Arbeitgeber  an  Miete,  Licht,
Feuerung,  Kassenbeiträgen  und  dergleichen  spare,  werde  er  verführt, ­
  nur  noch  Heimarbeiter  und  Zwischenmeister  für  sich  anzuwerben. ­

Die  Denkschrift  fand  in  der  Presse  günstige  Ausnahme,  dagegen ­
  verharrten  die  Behörden  damals  noch  auf  einem  ablehnenden ­
  Standpunkte.  Sie  hielten  es  nicht  für  richtig,  für  die  Geschäftsbetriebe ­
  der  liefernden  Unternehmer  Verfügungen  zu  erlassen.
In  einem  Schreiben  wurde  allerdings  angedeutet,  daß  künftig
nur  solche  Arbeitgeber  zur  Anfertigung  von  Sattlerarbeiten  herangezogen ­
  werden  würden,  die  Gewähr  für  auskömmliche  und  angemessene ­
  Löhne  ihren  Arbeitern  böten.
Es  ist  bereits  angedeutet,  daß  der  erste  Berliner  Tarifvertrag
nur  von  kurzer  Dauer  war.  Der  Versuch  der  Vertragserneuerung
scheiterte.  Erst  Frühjahr  1904  kam  es  wieder  zu  einer  VerstäMgung
  über  einen  sogenannten  Höchstlohntarif.  Bemerkenswert  ist
in  diesem,  daß  wiederum  das  Zwischenmeistersystem  in  und  außerhalb ­
  des  Betriebes  verworfen  wurde.  Dann  aber  ging  man  noch
einen  Schritt  weiter  und  verbot  die  Beschäftigung  von  Arbeitnehmern ­
  unter  45  Jahren  als  Heimarbeiter.  Die  Erneuerung  des
Tarifes  zerschlug  sich  im  Herbst  1906.  Erst  Frühjahr  1910  ge-Leimarbeit
  im  Kriege.  5
            
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