Full text: Die Heimarbeit im Kriege

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Verhältnisse geübter Militärsattler auf Friedensarbeit. Aus diesen 
Gründen seien in den neuen Betrieben höhere Akkordlöhne verein 
bart, die erhalten bleiben müßten, denn sonst ivürden die weniger 
geübten Arbeiter so wenig verdienen, daß sie auf Lederausrüstung 
nicht weiter arbeiten könnten. Wohl hätten die männlichen Ar 
beitskräfte sich jetzt eingearbeitet, da sie bei 60—70 ständiger Ar 
beitszeit 45—50 Mark, vereinzelt auch darüber, verdienten. Die 
Arbeitspausen seien dabei aber so kurz, daß die Arbeiter ihre 
Mahlzeiten nicht inr eigenen Haushalt einnähmen und dadurch mich 
erhöhte Ausgäben hätten. Für die in den alten Militäreffekten- 
sabriken beschäftigten Sattler, die durch jahrelange Arbeit auf die 
gleichen Artikel besonders geübt seien, und deshalb über das nor 
urale Maß hinausgehende Löhne erreichen, bleibe der Beschluß des 
Kriegslederausrüstungsverbandes einflußlos, weil in diesen- Be 
trieben nie über den Tarif und den allgemein gültigen Kriegszu 
schlag gezahlt worden sei. 
Die Sattler sprachen am Schluß ihres Artikels die Hoffnung 
aus, daß es gelingen müsse, unter Miwirkung des Kriegsmini 
steriums die ohne Schuld der Arbeiter entstandenen Meinungsver- 
schiedenheiten baldigst beizulegen. 
Darauf fanden aus Veranlassung der Heeresverwaltung in 
den Räumen des Berliner Gewerbe- und Kaufmannsgerichts Ver 
handlungen vom 26. Januar bis 1. Februar 1915 statt zwischerr 
den Vertretern des Kriegslederausrüstungsvexbandes und dem Ver 
bände der Sattler und Portefeuiller, an denen auch das Kriegs- 
ministerium, vertreten durch mehrere höhere Offiziere, sich beteiligte. 
Die Verhandlungen haben mehrere Tage in Anspruch genom 
men. Zunächst einigte man sich, den Beschluß des Kriegsleder 
ausrüstungsverbandes, nach dem nur noch dev Berliner Tarif mit 
dem üblichen Kriegszuschlaa vom 15. Januar 1915 ab gezahlt 
werden dürfe, nicht auszuführen, sondern die augenblicklichen Löhne 
bis zum Inkrafttreten des neuen Tarifes zu gewähren. Es kam 
schließlich als Ergebnis der Verhandlungen zum Reichstarifvertrag 
für die Militärausrüstungsindustrie — abgedruckt in der Zeitschrift 
„Das Einigungsamt" vom 15. Februar 1915, Sp. 55 ff. — und
	        
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