Full text : Ferdinand Lassalle

So  wartete  ich  denn  dis  Rückkehr  der  Richter  ab.
Es  war  das  viertemal  in  meinem  Leben,  daß
ich  mich  völliger  Vernichtung  gegenüber  befunden
habe.
Endlich  kamen  sie  und  verkündeten  meine  —  Freisprechung. ­

Du  hättest  die  Freude  meiner  Freunde  sehen  sollen,
zumal  der  Gräfin  und  Buchers,  der  beinah  Kobold
schoß!  Und  das  Gesicht  des  Oberstaatsanwalts,  der  aussah ­
  wie  eine  Katze,  die  Essig  getrunken!  Der  Präsident
kam  jetzt  sehr  liebenswürdig  auf  mich  zu,  versicherte  mir
seine  Bewunderung  für  meine  Stimme,  seine  Teilnahme
dafür,  daß  ich  dieselbe  so  sehr  angestrengt,  da  er  doch
aus  den  Akten  wisse,  daß  ich  ein  Halsleiden  habe,  und
behauptete  jetzt,  nur  im  Interesse  derselben  so  oft  auf
Mäßigung  gedrungen  zu  haben!
Ich  glaube,  es  ist  wirklich  die  erste  Freisprechring,  die
vor  denr  Staatsgerichtshof  erfolgt  ist.
Du  bist  die  erste,  der  ich  Nachricht  davon  gebe,  wohl
auch  die  einzige,  mit  Ausnahme  zweier  Zeilen,  die  ich
noch  gestern  der  geliebten  Mutter  schrieb.
Du  siehst  also,  daß  ich  bei  dieser  Gelegenheit  mein
sonstiges  Nicht-Schreiben  gutzumachen  weiß.
Freilich  habe  ich  diesmal  auch  noch  einen  ganz  besonderen ­
  Anlaß  dazu:
Eine  junge  Dame  nämlich,  die  auf  einige  Wochen  zu
ihrer  in  Wien  verheirateten  Schwester  Frau  von  C...
nach  Wien  gereist  ist,  wünscht  Deine  Bekanntschaft  zu
machen,  und  sie  ist  es,  durch  welche  Du  diesen  Brief
empfängst.
            
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