) Die Werttheorie
Marx als eine nicht dazugehörende Größe aus seiner Analyse
ausschließt.
Betrachten wir nun diese Frage eingehender. Wir dürfen
nicht außer acht lassen, daß den Ausgangspunkt der österreichi-
schen Schule die Motive der Wirtschaftssubjekte in ihrer „reinen“
d. h. einfachsten Form bilden. „Unsere Aufgabe soll nun sein,
der kasuistischen Entscheidungspraxis des Lebens gleichsam den
Spiegel vorzuhalten und die Regeln, die der gemeine Mann in-
stinktiv so sicher handhabt, zu ebenso sicherer, dabei aber auch
bewußter Anschauung zu bringen*‘.‘“ Sehen wir nun zu, wie
der theoretische „Spiegel“ des Hauptes der neuen Schule diese
„Praxis des Lebens“ widergibt.
Für die moderne Produktionsweise ist es vor allem charakte-
ristisch, daß sie nicht für den eigenen Bedarf der Produzieren-
den, sondern für den Markt produziert. Der Markt ist das letzte
Glied einer Kette von mannigfaltigen Produktionsformen, in der
die Entwicklung der Produktivkräfte und die ihnen ent-
sprechende Entwicklung der Tauschverhältnisse das alte natural-
wirtschaftliche System zerstörten und neue wirtschaftliche Er-
scheinungen ins Leben riefen. Es sind drei Entwicklungsstufen
dieses Verwandlungsprozesses der Naturalwirtschaft in die kapi-
talistische Warenwirtschaft zu unterscheiden.
Auf der ersten Stufe liegt der Schwerpunkt in der Produk-
tion für den eigenen Bedarf; auf den Markt kommt nur der
„Ueberschuß an Produkten“; dieses Stadium ist für die Anfangs-
formen des Tausches charakteristisch. Allmählich führt die Ent-
wicklung der Produktivkräfte und die Verschärfung der Konkur-
renz zu einer Verschiebung des Schwerpunktes nach der Rich-
tung der Produktion für den Markt hin. Innerhalb der eigenen
Wirtschaft wird nur ein geringer Teil der hergestellten Produkte
konsumiert (derartige Verhältnisse kann man gegenwärtig oft in
der Landwirtschaft, nämlich in der Bauernwirtschaft, beobach-
ten). Doch kommt damit der Entwicklungsprozeß noch nicht zum
Stillstand; die gesellschaftliche Arbeitsteilung schreitet weiter vor-
wärts und erreicht endlich eine Höhe, bei der die Massen-
produktion für den Markt zur typischen Er-
scheinung wird, wobei die hergestellten Pro-
dukte innerhalb der betreffenden Wirtschaft
überhaupt nicht konsumiert werden.
Welches sind nun die Veränderungen in den Motiven und in
der „Lebenspraxis‘“ der Wirtschaftssubjekte, Veränderungen, die
127 Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 21.
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