Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Zweiter  Teil.  Handel.  X.  Die  Börse.

6.  Die  Notierung  der  Börsenkurse.
Von  Friedrich  Thorwart.

T  h  o  r  w  a  r  t,  Börsenwesen.  In:  Referate  über  die  akademischen  Kurse  für  junge
Kaufleute.  (Beilage  zu  den  „Mitteilungen  aus  der  Handelskammer  Frankfurt  a.  M.",  Dezember-Nummer ­
  1898.)  S.  4.
Die  auf  dem  Kurszettel  neben  den  Waren  bezw.  Wertpapieren  befindlichen
Zahlen  geben  die  Preise  an,  zu  welchem  an  dem  betreffenden  Tage  jene  Waren  oder
Wertpapiere  gehandelt  worden  sind.  Meistens  befinden  sich  noch  Buchstaben  oder
Worte  hinter  diesen  Preisen,  so  z.  B.  G—Geld,  8—Brief  usw.  Der  erstere  Zusatz
bedeutet,  daß  Waren  oder  Wertpapiere  zu  dem  angegebenen  Preise  verlangt,  aber
nicht  angeboten  wurden.  B-^Brief  oder  8—Papier  besagt,  daß  zu  den  verzeichneten
Preisen  Waren  oder  Papiere  angeboten,  aber  nicht  verlangt  wurden.  Stehen  die
beiden  Bezeichnungen  „Brief"  und  „Geld"  zusammen  neben  zwei  Kursen,  so  ist
darunter  zu  verstehen,  daß  zum  höheren  Kurse  Ware  ausgeboten  war,  zum  niedrigeren
Kurse  verlangt  wurde.  Bei  „bez.  u.  G"  oder  „bez.  u.  B"  sind  nur  Teilabschlüsse
zustande  gekommen,  so  daß  nicht  alle  verlangten  Waren  zu  haben,  nicht  alle  ausgebotenen ­
  Waren  anzubringen  waren.
Die  Kurse  werden  in  Prozenten  oder  für  je  ein  Stück  der  betreffenden  Effektengattung
  notiert.  An  deutschen  Börsen  werden  alle  diejenigen  Papiere  in  Prozenten
notiert,  welche  mit  einem  festen  Zinsfuß  versehen  sind,  so  z.  B.  Reichsanleihe,  preußische
Konsols,  ebenso  auch  die  deutschen  Aktien,  während  die  Stücknotierung  z.  T.  bei
ausländischen  Aktien  Platz  greift.  Die  Stückkursnotierung  läßt  den  Wert  des  Papiers
höher  als  bei  der  Prozentnotierung  erscheinen,  sobald  die  Einheit  des  Betrages  des
Papieres  ein  Mehrfaches  von  Hundert  ist;  z.  B.  wird  der  Kurs  eines  Papieres  von
3000  Jl  Nennwert,  wenn  dieses  200  steht,  in  Prozenten  mit  200,  in  Stück  aber  mit
6000  notiert  werden.  An  den  deutschen  Börsen  werden  die  Kurse  durchweg  nur
für  das  Kapital  notiert,  dagegen  wird  die  Berechnung  der  aufgelaufenen  Zinsen
gesondert  aufgestellt  im  Kassageschäfte  bis  zum  Tage  des  Geschäftsabschlusses,  im
Zeitgeschäfte  bis  zum  Erfüllungstage:  an  anderen  Börsen,  wie  London,  Paris  und
New  Port  werden  auch  bei  festverzinslichen  Papieren  die  laufenden  Zinsen  in  den
Kurs  eingerechnet.  Diese  Verschiedenheit  in  der  Notierung  muß  natürlich  bei  Vergleichung ­
  der  betreffenden  Kurszettel  im  Auge  behalten  werden.  Der  Kurs  wird
sich  bei  den  Papieren,  die  einschließlich  Zinsen  notiert  werden,  bis  zum  Fälligkeitstage ­
  des  Coupons  fortwährend  erhöhen  und  sich  dann  an  diesem  Tage  nach  Abtrennung ­
  des  Coupons  wieder  entsprechend  ermäßigen.  Bei  uns  in  Deutschland,  wo
der  Kurs  ausschließlich  der  Zinsberechnung  notiert  wird,  hat  die  Fälligkeit  des
Coupons  bei  den  festverzinslichen  Papieren  begreiflicherweise  keinen  Einfluß  auf  den
Kurs,  da  die  Kapitalberechnung  nach  wie  vor  die  gleiche  bleibt.  Dagegen  ändert  sich
die  Kursnotierung  bei  solchen  Papieren,  denen  ein  Dividendenschein  angeheftet  ist,
ein  Schein,  der  bei  Fälligkeit  nicht  mit  einem  bestimmten  Betrage  eingelöst  wird,
sondern  dessen  Gegenwert  sich  nach  dem  Erträgnisse  des  betreffenden  Unternehmens
richtet;  da  man  diese  zukünftige  Dividende  nicht  vorher  bestimmen  kann.  so  werden
4%  Zinsen  berechnet.  Aber  auch  hier  herrscht  eine  Verschiedenheit  bezüglich  der
Kursnotierung,  je  nachdem  der  Dividendenschein  mit  Ablauf  des  Geschäftsjahres  oder
erst  dann  abgetrennt  wird,  wenn  die  Dividende  bekanntgegeben  wird.  Wird  der
Schein  am  Ende  des  Geschäftsjahrs,  meist  am  1.  Januar,  detachiert,  so  fragt  es  sich,
wie  hoch  die  Dividende  von  seiten  der  Börse  voraussichtlich  geschätzt  wird.  Glaubt
die  Börse,  daß  das  Papier  z.  B.  10  %  zahlen  wird,  so  wird  nach  dem  31.  Dezember
der  Kurs  um  den  Prozentsatz  herabgesetzt,  der  über  die  usancemäßig  berechneten  4  %
            
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