Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

13

7.  Ernst  Wilhelm  Arnoldi.
Ungnade  bezeigen,  ohne  ihn  auch  nur  zu  hören,  —  zwei  Jahre,  nachdem  Cotta  in
Berlin  den  Handelsvertrag  vermittelt  hatte!  Da  schreibt  Cotta  einen  Brief  voll  stt»
licher  Bornehmheit  direkt  an  den  König.
Wir  wollen  nur  den  Eingang  und  den  Schluß  desselben  abdrucken:  „Eure
Königliche  Majestät',  haben  mich  durch  Freiherrn  von  der  Tann  wissen  lassen,  daß
Allerhöchstdieselbe  mir  Ihre  Gnade  entzogen  hätte,  weil  das  „Inland  emes  der
heftigsten  Opvositionsblätter  geworden  fei.  Ich  bedaure  dies  von  Herzen  wegen
meiner,  ich  würde  es  aber  noch  weit  mehr  wegen  Eurer  Königlichen  Maiestat  bedauern ­
  müssen,  wenn  diese  Gesinnung  fortbestehen  sollte,  da  Allerhöchstdieselbe  dadurch ­
  eine  Ungerechtigkeit  begehen  würde.  Denn  was  Eurer  Königlichen  Majestät  am
»Inland"  auch  mißfallen  mag,  ich  trage  die  Schuld  nicht  davon.  Meine  Unschuld
geht  aufs  deutlichste  hervor  aus  meinem  Schreiben  an  E.  Majestät  vom  .  .  .  Marz,
welches  E.  M.  Minister  des  Innern  vorgelegt  zu  haben  versichert."
Cotta  weist  hierauf  in  längerer,  schlagender  Ausführung  nach,  daß  das  Blatt
lediglich  die  mit  der  Regierung  vereinbarte  Richtung  eingehalten,  und  daß  der
Zensor,  der  eine  Abweichung  von  dem  der  Regierung  genehmen  Wege  hätte  rügen
müssen,  nichts  beanstandet  habe.  Dann  schließt  der  Brief  mit  folgenden  Worten:
„Kein  Gedanke  konnte  mir  kommen,  daß  ich  mich  würde  zu  rechtfertigen  haben,  da  ich
ja  alles  beobachtet  habe,  was  Allerhöchstdieselbe  veranlaßte.  Daß  ich  mir  durch  alle
meine  Bemühungen,  Anstrengungen  und  Opfer,  die  ich  dem  „Inland"  seit  ferner  Begründung ­
  widmete,  daß  ich  für  all  den  Verdruß,  den  es  mir  zuzog,  für  alle  die  getäuschten ­
  Erwartungen  —  mir  noch  die  Ungnade  Eurer  Königlichen  Majestät  saute
zugezogen  haben,  das  konnte  ich  mir  nicht  vorstellen,  ja  das  darf  ich  selbst  mcht
glauben,  wenn  es  gleich  der  Freiherr  von  der  Tann  auf  Allerhöchsten  Befehl  ausrichtete. ­
  Ich  darf  es  nicht  glauben,  weil  ich  fönst  an  Allerhöchst  Ihrem  gerechten
Sinn,  an  der  ersten  Regententugend  und  -Pflicht  und  an  allem  dem  Irrewerden  müßte,
was  ich  als  das  Ausgezeichnetste  Ihres  Charakters,  als  den  stärksten  Grundpfeiler
gegen  alle  Anfechtungen,  als  die  sicherste  Bürgschaft  für  alle,  welche  sich  mrt  Redlichkeit ­
  Ihrem  Dienste  weihen,  und  als  den  unwandelbarsten  Leitstern  Ihrer  Handlungen ­
  mit  Mund  und  Herz  aussprach.  Nein!  Allerhöchstdieselben  können  nn  Irrtum, ­
  aber  Sie  können  nicht  ungerecht  sein.  Sie  werden  Gerechtigkeit  auch  gegen  mich
beachten,  Sie  werden  mir  selbst  Genugtuung  für  die  Unbill  verschaffen."
Cotta,  damals  67  Jahre  alt,  spricht  fast  noch  wie  Marqms  Pofa.  Ob  er  für
die  bittere  Eriahrung  die  er  mit  dem  liberalen  Kronprinzen  und  Anfangstoruge
gemacht,  wirklich  Genugtuung  erhalten  hat,  ist  aus  den  hinterlassenen  Papieren  mcht
zu  ersehen.  ,  .  .  _  ,,
Wir  haben  die  obigen  Stellen  nur  deshalb  abgedruckt,  um  zu  zeigen,  wie  Cotta
immer  und  überall  ein  Mann  gewesen  ist  und  vor  Königsthronen  sein  Ehr-  und
Selbstgefühl  gewahrt  hat.

7.  Ernst  Wilhelm  Arnoldi.
Von  Arwed  Emminghaus.

Emminghaus,  Ernst  Wilhelm  Arnoldi.
Kaufmanns.  Weimar,  Hermann  Böhlau,  1878.
.  öuU  362.

Leben  und  Schöpfungen  eines  deutschen
S.  346—349,  S.  352—354,  6.  356  und

Arnoldi  war  von  großem  und  schlankem  Wüchse,  regelmäßig  und  kräftig  gebaut.
Sein  Antlitz  war  edel  und  frei.  Eine  hohe,  schön  gewölbte  Stirn,  eme  fern  gebogene
Nase,  ein  durchaus  edel  geformter  Mund  mit  wenig  hervortretenden  Lippen,  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.