Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Erstarrung,  in  den  durch  lange  Gewohnheit  zuletzt  alle  ihre  gesellschaftlichen
Verhältnisse  übergegangen  waren,  mußte  mit  ungeheuren  Revolutionen  verknüpft ­
  sein,  ln  langwierigen  Kriegen  mußten  die  vernachlässigten  Heiligtümer ­
  der  Menschheit,  Recht,  Sitte,  Freiheit,  wieder  erworben  werden.  Diese
Revolutionen  und  Kriege  mußten  die  Emanzipation  von  Amerika,  d.  h.  eine
Unterbrechung  der  Metallflut  von  Westen  nach  Osten,  herbeiführen.“  Ohne
eine  Prophezeiung  wagen  zu  wollen,  möchte  ich  betonen  :  Manche  Anzeichen ­
  sprechen  dafür,  daß  ein  Weltkrieg  die  Geld-  und
Kreditordnung  in  ihrer  heutigen  Form  wohl  wesentlich
verändern  dürfte,  und  zwar  in  der  Richtung  auf  die  staatlich ­
  kontrollierte  Großnaturalwirtschaft  hin.

9.  Sicherung  des  Realienbedarfs  für  den  Kriegsfall.®
Bisher  haben  wir  eigentlich  nur  die  Organisationsform  als  solche  besprochen ­
  und  zu  zeigen  versucht,  wie  mit  Hilfe  der  Geld-  oder  Naturalwirtschaft ­
  die  vorhandenen  Realienbestände  der  Armee  oder  der  Bevölkerung
zur  Verfügung  gestellt  werden  können.  Nun  müssen  wir  auch  die  Frage  berühren, ­
  wie  denn  dafür  Sorge  getragen  werden  kann,  daß  überhaupt  die
nötigen  Realien  vorhanden  sind.  Was  hilft  die  schönste  Organisation,  was
hilft  das  weitestgehende  Recht,  die  Realien  zu  beschaffen,  wenn  sie  nicht  in
genügender  Menge  vorhanden  sind  !
Die  kriegerische  Stimmung  der  letzten  Jahre  hat  alle  Staaten  dazu  veranlaßt, ­
  mehr  oder  weniger  ausreichende  Berechnungen  darüber  anzustellen,  w  i  e
weit  jedes  Land  im  Kriegsfall  imstande  sein  könnte,  die
erforderlichen  Güter  zu  produzieren  oder  zu  beschaffen.
Es  genügt  aber  nicht,  die  Berechnung  für  das  eigene  Land  anzustellen,  man
muß  auch  alle  jene  Länder  mit  ins  Kalkül  ziehen,  von  denen  wir  im  Kriegsfall ­
  Realien  zu  erwarten  haben,  oder  denen  wir  Realien  liefern
müssen.  Was  hilft  es  z.  B.  den  Engländern,  wenn  sie  in  einem  Krieg  gegen
Deutschland  für  sich  genug  Getreide  beschafft  haben,  aber  die  mit  ihnen
verbündeten  Franzosen  im  Vorrücken  gehemmt  sind,  weil  sie  an  Getreide
Mangel  leiden.  Die  Engländer  müßten  daher  den  Franzosen,  um  die  Erreichung ­
  des  Kriegszieles  zu  ermöglichen,  einen  Teil  ihres  Getreides  abgeben,
wodurch  ihr  ganzer  Verpflegsplan  für  die  Zivil-  und  Militärbevölkerung  in
Unordnung  geraten  kann.  Es  dürfte  sich  daher  empfehlen,  alle  derartigen
Pläne  auf  die  verschiedenen  Bündnisfälle  zu  beziehen.  Es  finden  ja  gelegentlich
über  derartige  Punkte  diplomatische  Verständigungen  zwischen  verbündeten
Staaten  wohl  statt,  doch  scheinen  sie  über  gelegentliche  Erörterungen  noch
nicht  hinauszugehen.
Es  genügt  auch  nicht,  etwa  die  Realien  als  solche  ins  Auge  zu  fassen,
man  muß  auch  auf  die  Transportmittel  und  Magazine  bei  diesen
Berechnungen  Rücksicht  nehmen,  insbesondere  dann,  wenn  man  feststellen  will,
innerhalb  welcher  Zeit  z.  B.  eine  bestimmte  Menge  von  Nahrungsmitteln  an
die  Konsumorte  gebracht  werden  kann.  Man  muß  z.  B.,  wenn  man  Rumänien
als  Getreideland  des  Dreibundes  betrachtet,  die  Molos  in  Rechnung  stellen,
welche  etwa  in  Deutschland  zur  Entladung  von  Getreideschiffen  längs  der
Donau  zur  Verfügung  stehen.
Die  Berechnungen  über  die  Möglichkeit,  einen  Staat  oder  einen  Staatenbund
  während  eines  Krieges  mit  Realien,  insbesondere  mit  Nahrungsmitteln
zu  versorgen,  sind  weit  schwieriger  anzustellen,  als  man  auf  den  ersten  Blick
meinen  sollte.  Auf  ein  und  die  andere  Schwierigkeit  werde  ich  noch  Hinweisen. ­
  Vorweg  sei  festgestellt,  daß  die  Ergebnisse  wede!r
für  Deutschland,  noch  für  Österreich-Ungarn  sehr  günstig
zu  sein  scheinen.  Für  Deutschland,  im  Falle  eines  Krieges,
ist  Ballod  bei  seinen  Betrachtungen  zu  recht  unerfreulichen  Resultaten ­
  gekommen.  Wie  weit  sich  Deutschland  in  günstigen  Jahren  auf  Österreich-Ungarns ­
  Hilfe  verlassen  kann,  müßte  noch  genau  festgestellt  werden.
Man  kann  die  normale  Realienverwertung  nicht  ohne  weiters  in  Rechnung
            
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