Full text : Sozialismus und Regierung

Systems,  als  sie  so  wacker  darauf  bestanden,  daß  die  Elite  der  Nation
durch  die  Elite  vertreten  sein  sollte  —  als  sie  hervorhoben,  daß  die  Verhältniswahl ­
  neben  der  Vertretung  der  Massen  auch  für  eine  Vertretung
der  Individualitäten  sorge.  Doch  könnten  weder  diese  Elite  noch  ihre
Kandidaten  die  Leistungsfähigkeit  des  Staates  erhöhen.  Hielten  wir
nach  Bedingungen  der  Wahlfähigkeit  Umschau,  die  die  Wählerschaft
der  Zahl  nach  beschränken  könnten,  ohne  ihre  politische  Tüchtigkeit
zu  schwächen,  so  wäre  eine  der  Voraussetzungen,  ob  der  Wähler
zu  einer  kleinen  Minorität  gehöre,  die  wohl  hätte  wachsen  können,
aber  nicht  gewachsen  ist,  die  Parteien  hätte  beeinflussen  können,  es
jedoch  nicht  vermocht  hat,  die  orientierend  hätte  sein  können  und  es
nicht  gewesen  ist,  die  den  nationalen  Fortschritt  hätte  beschleunigen
können  und  es  nicht  getan  hat.  Anders  ausgedrückt,  dienichtpolitischen
Kreise  des  Staates  können  mit  Ausnahme  von  unpraktischen  Kritiken
und  Ratschlägen  ihm  nur  wenig  Diskussionsstoff  liefern.  Es  ist  eine
falsche  Auffassung  vom  Wesen  des  Repräsentativsystems,  wenn  man
meint,  es  habe  jenen  Gruppen  die  parlamentarische  Vertretung  besonders ­
  zu  erleichtern.
Minoritäten,  die  im  politischen  Leben  der  Gesellschaft  etwas  gelten,
wie  die  Sozialisten,  schließen  sich  entweder  zu  Parteien  zusammen,  die
sich  unter  irgendwelchen  Bedingungen  einen  Platz  in  der  Legislative
zu  erobern  haben,  oder  sie  bilden  die  Flügel  von  schon  vorhandenen
Parteien,  um  auf  diese  Weise  die  Gesetzgebung  zu  beeinflussen.  Minoritäten, ­
  die  relativ  klein  bleiben,  aber  äußerst  lebenspendend  sind,
weil  sie  die  öffentliche  Meinung  durch  eine  Bildungs-  und  Erziehungsarbeit ­
  formen  und  die  Axiome  des  öffentlichen  Denkens  verändern,
können  zwar  eine  Vertretung  beanspruchen,  aber  sie  erfreuen  sich  bereits ­
  einer  solchen  dadurch,  daß  ihre  Tätigkeit  allen  Parteien  eine  bestimmte ­
  Politik  aufzwingt,  und  durch  Mitglieder  bestimmter  Parteien,
die  besonders  mit  den  Bestrebungen  dieser  Minorität  sympathisieren 1 .
Ihre  eigenen  Vertreter  senden  diese  Minoritäten  nicht  in  das  Haus  der
Gemeinen,  aber  sie  machen  es  anderen  Parteien  unmöglich,  sie  nicht  zu
vertreten.  Die  toten  oder  gestrandeten  Minoritäten  haben  sich  kein
Recht  auf  Parlamentssitze  erworben;  wollte  man  es  ihnen  zugestehen,
so  könnten  ihre  Abgeordneten  nur  die  Unfruchtbarkeit  und  politische
1  Dies  ist,  wie  ich  glaube,  die  Verteidigung  der  von  den  Fabiern  verfolgten  Politik
der  Durchdringung,  die  davon  absieht,  irgendeine  neue  Partei  als  Träger  der
sozialistischen  Gesetzgebung  ins  Leben  zu  rufen.
86
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.