Full text : Sozialismus und Regierung

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komitee  Hilfe  spendet,  ist  genau  so  berufen,  über  die  Folgen  der  bestehenden ­
  Ordnung  für  die  Menschheit  ein  Urteil  zu  fällen,  als  der  erfolgreiche ­
  Arbeitgeber.  Gelingen  und  Mißerfolg  müssen  in  der  Staatspersönlichkeit ­
  zu  gleichem  Recht  vertreten  sein,  der  Unglückliche  und
der  Gesegnete  müssen  beide  auf  dem  Richterstuhle  sitzen.
Beunruhigen  könnte  von  meinem  Standpunkt  nur  der  Gedanke,  wie
man  sich  gegen  die  Demoralisation  des  Esaus  der  Gesellschaft  wappnen ­
  soll,  der  täglich  gewillt  ist,  sein  Geburtsrecht  für  ein  Linsengericht
zu  verkaufen.  Um  aber  die  Gefährlichkeit  unserer  Esaue  gründlich  zu
erkennen,  müssen  wir  die  Gemeinschaft  der  politisch  Verkommenen
bis  in  die  Wurzeln  durchforschen.  Wohl  mag  der  Preis  des  Armen  ein
verächtliches  Linsengericht  sein,  aber  das  Übel  liegt  nicht  in  dem  unbedeutenden ­
  Preise,  sondern  daß  der  Arme  überhaupt  verkäuflich  ist.
Es  gibt  eine  Entsittlichung,  die  Folge  ist  sowohl  des  Nichtstuns  und  der
Abhängigkeit  von  bestehenden  Gebrechen  —  z.  B.  von  Einkünften  aus
dem  Alkoholkonsum  und  anderen  Dingen,  die  eine  reiche  Ernte  sozialer
Degradation  bringen  —  als  auch  der  Armut.  Des  Reichen  Anhänger
sind  illegitimen  Einwirkungen  in  demselben  Grade  ausgesetzt,  als  der
Landstreicher  auf  den  Heerstraßen  oder  der  Zechbruder  in  den  Gasthäusern. ­
  Politische  Unfähigkeit,  geistige  Schlaffheit  und  moralische
Entgleisungen  sind  unter  den  Wohlhabenden  Großbritanniens  gerade
so  häufig  wie  bei  den  Armen.  Man  begeht  den  Fehler,  Kleidung,  Kultur ­
  des  Benehmens  und  des  Bankiers  Bilanzen  mit  Weisheit  und  Bildung ­
  zu  verwechseln.  Auch  kann  man  diese  Sittenverderbnis  nicht
einfach  aus  den  politischen  Einflüssen  sondern,  wie  man  Spreu  vom
Weizen  scheidet,  da  die  Krankheit  nicht  etwa  durch  eine  Mischung
von  Spreu  und  Weizen,  sondern  durch  eine  schlechte  Weizenart  verursacht ­
  wird.  Hier  handelt  es  sich  um  eine  organische  Schwäche  des
politischen  Körpers,  die  nur  durch  ein  Stärkungsmittel  gehoben  werden ­
  kann,  wie  eine  Erziehungsmethode  es  bietet,  die  die  Staatsbürger
für  hohe  soziale  Gesichtspunkte  empfänglich  macht  und  sie  lehrt,
hauptsächlich  für  den  allgemeinen  Nutzen  zu  wirken  und  zu  schaffen.
Könnten  die  kranken  Teile  abgetrennt  werden,  so  wäre  ich  damit  einverstanden, ­
  aber  die  bis  jetzt  vorgeschlagenen  Mittel  sind  dazu  ungeeignet. ­
  Der  unzweckmäßigste  Prüfstein  wäre  jedoch  der  Besitz;  denn
er  konservierte  im  politischen  Körper  nicht  allein  die  Krankheitsformen, ­
  sondern  würde  ihren  Einfluß  noch  vermehren.
            
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