Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Jod

179

Jodgrün

vom  Meeresboden  losgerissenen  Tange  und  Algen ­
  werden  an  den  Westküsten  von  Irland  und
Schottland,  Frankreich  (Normandie),  Spanien  und
Japan  getrocknet  und  in  Gruben  verbrannt,
wobei  man  eine  sehr  salzhaltige  geschmolzene
Asche  in  Klumpen  erhält,  die  in  Frankreich
Varek,  in  Spanien  Barilla  und  in  England
Kelp  heißt  und  besonders  bei  Verwendung  von
Laminarien,  weniger  von  Fucusarten  ziemlich
reich  an  Jod  ist.  24—30000  kg  trockener
Tange  liefern  etwa  Jtooo  kg  Asche  mit  5—10  0/0
Jod.  Neuerdings  zieht  man  es  zur  Vermeidung
von  Jodverlusten  vor,  die  Seepflanzen  nicht  einzuäschern, ­
  sondern  nur  zu  verkohlen.  Die  Asche
bzw.  der  verkohlte  Rückstand  wird  mit  Wasser
ausgezogen  und  die  gewonnene  Lauge,  die  außer
Soda  noch  Schwefelsäure  und  unterschwefligsaure ­
  Salze  sowie  Chlor-,  Brom-,  Jod-  und
Schwefelverbindungen  des  Kaliums  und  Natriums
enthält,  durch  wiederholtes  Eindampfen  und
Erkaltenlassen  l  von  den  schwerlöslichen  Salzen
befreit,  während  die  leichtlöslichen  Brom-  und
Jodverbindungen  in  der  Mutterlauge  verbleiben.
Nach  der  Neutralisation  mit  Schwefelsäure  läßt
man  die  Sulfate  auskristallisieren  und  destilliert
die  schließlich  erhaltene  jodnatriumhaltige  Lauge
in  eisernen,  halbkugelfönmigen  Kesseln  mit  Braunstein ­
  und  Schwefelsäure.  Die  sich  entwickelnden ­
  Joddämpfe  gelangen  in  eine  Reihe  miteinander ­
  verbundener  Glasgefäße,  in  denen  sich  das
J.  in  kleinen  Kristallen  ansetzt.  Das  auf  diese
Art  erhaltene  Rohjod  wird  englisches  Jod  genannt. ­
  In  den  französischen  Fabriken  bewirkt
man  die  Abscheidung  des  Rohjods  aus  der
Mutterlauge  durch  vorsichtiges  Einleiten  von
Chlorgas,  wobei  das  Chlor  die  Jod  Verbindungen
in  Chlornatrium  überführt,  während  das  J.  als
schwarzer  pulveriger  Niederschlag  ausfällt.  Bei
Verarbeitung  der  Mutterlaugen  des  Chilesalpeters
reduziert  man  das  in  ihm  enthaltene  jodsaure
Natrium  mit  schwefliger  Säure  oder  mit  Natriumsulfat ­
  zu  Jodnatrium,  wandelt  letzteres  durch
Behandlung  mit  Kupfer  und  Eisenvitriol  in
Kupferjodür  um  upd  destilliert  nach  Zusatz  von
Braunstein  und  Schwefelsäure  das  freie  J.  ab.
Das  nach  der  einen  oder  anderen  Methode  dargestellte ­
  Rohjod  ist  zwar  Handelsware,  aber  noch
nicht  zu  medizinischen  Zwecken  verwendbar,
sondern  wird  durch  Trocknen  und  Sublimation
in  eine  reinere,  das  sog.  resublimierte  J.  übergeführt. ­
  Chemisch  rein  erhält  man  das  J.,  wenn
man  das  resublimierte  J.  mit  dem  zehnten  Teil
seines  Gewichts  Jodkalium  zerreibt,  um  etwa
anhängendes  Brom  und  Chlor  zu  binden,  und
nun  sehr  vörsichtig  sublimiert.  Die  gewonnenen
Kristalle  werden  zur  Entfernung  der  letzten
Spuren  von  Wasser  und  Jodwasserstoff  über  Ätzkalk ­
  aufbewahrt.  Das  Rohjod  stellt  ein  dunkles,
feucht  aussehendes,  grob  kristallinisches  Pulver
dar.  Das  resublimierte,  wie  das  chemisch  reine
7-  ist  ein  trockener,  blätterig  kristallinischer  Körper, ­
  sebwarzgrau  und  von  metallischem  Glanze.
-Es  hat  ein  spez.  Gew.  von  4,950,  verflüchtigt
sich  schon  bei  gewöhnlicher  Temperatur  und
entwickelt  dabei  einen  starken,  die  Schleimhäute
geizenden  Geruch,  der  dem  des  Chlors  etwas
ähnelt.  Der  Geschmack  ist  scharf  und  herb.  Auf
den  Organismus  wirkt  das  J.,  eingenommen  oder
e 'ngeatmet,  giftig.  Es  schmilzt  bei  115 0  C  und

kommt  bei  180°  C  ins  Sieden.  Die  Dämpfe
haben  eine  prachtvoll  violettblaue  Färbung
und  legen  sich  an  kälteren  Körpern  wieder  zu
Kristallen  an.  Organische  Substanzen,  wie  Haut
und  Papier,  werden  von  J.  braungelb,  Stärkelösungen ­
  und  -körner  blau  gefärbt.  J.  löst  sich
in  annähernd  5000  Teilen  Wasser  mit  bräunlichgelber, ­
  in  10  Teilen  Weingeist  mit  brauner  Farbe.
Die  Jodtinktur  des  D.  A.  B.  ist  eine  Lösung  von
einem  Teil  J.  in  zehn  Teilen  90  °/o  igem  Weingeist.
In  Äther  und  verschiedenen  Salzlösungen  ist  das  J.
mit  brauner,  in  Chloroform  und  Schwefelkohlenstoff ­
  mit  violetter  Farbe  löslich.  Eine  Lösung
von  Jodkalium  nimmt  eine  beträchtliche  Menge
von  J.  auf,  und  zwar  um  so  mehr,  je  größer
der  Jodkaliumgehalt  der  Lösung  ist.  Beim  Zusammenhängen ­
  von  J.  mit  Ammoniak  ist  größte
Vorsicht  geboten,  da  unter  Umständen  Bildung
des  explosiven  Jodstickstoffs  erfolgt.  In  seinem
chemischen  Verhalten  zeigt  J.  die  größte  Ähnlichkeit ­
  mit  Chlor  und  Brom.  Die  Verbindungen
mit  Metallen  werden  als  Jodüre  oder  Jodide
bezeichnet,  je  nach  der  Menge  des  darin  gebundenen ­
  J.  Das  resublimierte  J.  des  D.  A.  B.
soll  sich  beim  Erhitzen  ohne  Rückstand  verflüchtigen, ­
  in  zehn  Teilen  90%  igem  Weingeist
vollständig  lösen,  kein  Zyanjod  oder  Chlorjod
und  nicht  mehr  als  i°/o  Feuchtigkeit  enthalten.
Das  J.  gelangt  in  den  Handel  entweder  als  englisches ­
  J.  (Jodum  anglicum)  oder  als  resublimiertes
  J.  (Jodum  resublimatum).  Aus  Südamerika
wird  es  auch  als  Jodkupfer  nach  Europa  eingeführt. ­
  Die  Gesamtausfuhr  aus  Südamerika
beläuft  sich  auf  etwa  500000  kg  jährlich.  Dazu
kommen  noch  rund  100000  kg  japanisches  Jod
aus  Seepflanzen,  von  dem  Vs  ausgeführt  wird.
Die  Einfuhr  nach  Europa  beträgt  ungefähr
300  dz.  Die  Preise  1  des  J.  sind  sehr  bedeutenden ­
  Schwankungen  unterworfen  und  werden  von
Zeit  zu  Zeit  durch  die  Rohjodkonvention  festgesetzt, ­
  bisweilen  auch  zur  Lahmlegung  von
„Outsiders“,  besonders  japanischer,  stark  erniedrigt. ­
  Die  Preisberechnung  erfolgt  bei  uns  nach
Kilogramm,  in  England  dagegen,  selbst  im  Großhandel, ­
  nach  der  Unze,  bei  dem  amerikanischen
Jod  nach  spanischen  Pfunden  bzw.  Zentnern.  —  Die
hauptsächlichste  Verwendung  finden  J.  und  seine
Verbindungen  in  der  Pharmazie,  Photographie
und  Teerfarbenherstellung.  In  der  Photographie
benutzt  man  verschiedene  Jodpräparate  zur  Erzeugung ­
  von  lichtempfindlichem  Jodsilber  (neben
Bromsilber)  auf  photographischen  Papieren  und
Glasplatten.  Medizinisch  wird  es  als  Tinktur
oder  Salbe  äußerlich  gegen  Kropf,  Hautübel,
Frostballen,  zur  Zerteilung  von  Geschwüren  usw.
angewandt.  Auch  das  bekannte  Kropfmittel,  gebrannter ­
  Badeschwamm,  wirkt  nur  durch  seinen
Jodgehalt.  Von  den  Jodverbindungen  werden
besonders  Kaliumjodid  (s.  d.)  und  Jodoform  (s.  d.)
medizinisch  verwandt.  Die  in  chemischen  Laboratorien ­
  hergestellten  zahllosen  organischen  Jodverbindungen ­
  haben  nur  wissenschaftliches  Interesse. ­
  Die  Aufbewahrung  des  J,  geschieht  in
Flaschen  mit  eingeriebenem  Glasstöpsel,  und
zürar  an  einem  kühlen  Orte.
Jodgrün  (Nachtgrün,  Metternichsgrün,
Vert  lumiöre)  wird  durch  Erhitzung  von  Chlormethyl ­
  oder  Jodmethyl  mit  essigsaurem  Rosanilin
und  Methylalkohol  im  Autoklaven  auf  ioo°  er ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.