Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Photographische  Apparate  u.  Geräte  334

Photographische  Papiere

Aufnahmegegenstandes  gemäß  den  optischen  Gesetzen ­
  verschiedenen  Abstand  voneinander  haben
müssen,  kann  das  Vorderteil  der  Kamera  (das
sog.  Objektivbrett)  dem  Rückteil  genähert  werden ­
  oder  umgekehrt  (Kameras  mit  veränderlichem ­
  Auszug).  Die  jeweilige  Auszugslänge  (Abstand ­
  der  Bildebene  vom  Objektiv)  wird  mittels
der  Mattscheibe  oder  einer  Skala  gefunden  (Einstellung). ­
  Kameras  mit  festem  Auszug  besitzen
durch  Schnecikengangfassung  gegen  die  Mattscheibe ­
  verstellbare  Objektive.  Um  ohne  Veränderung ­
  des  gewählten  Betrachtungspunktes
(des  Augenpunktes  im  Bilde)  störende  Teile  (z.  B.
zuviel  monotonen  Vordergrund)  auszuschalten,
benutzt  man  die'  senkrechte  und  wagrechte  Verschiebbarkeit ­
  des  Objektives.  —  Nach  ihrer
Bestimmung  unterscheidet  man  als  Haupttypen:
Reproduktions-,  Atelier-,  Stativ-  und  Handapparate. ­
  Letztere  beide,  auch  Amateurapparate  genannt, ­
  sind  die  für  den  Handel  wichtigsten.  Entsprechend ­
  der  weiten  Verbreitung  der  Amateure
werden  in  der  Kamerakonstruktion  vielseitige
Neigungen  und  Geschmacksrichtungen  berücksichtigt. ­
  Dauernd  begehrte  Konstruktionen  sind
die  Apparate  mit  herau&klappbarem  Laufbrett,
die  zum  Teil  äußerst  flach  und  je  nach  Verwendungszweck ­
  hoch,  quer  oder  quadratisch  gebaut
sind.  Sehr  beliebt  sind  seit  längerer  Zeit  die
Weinen  und  kleinsten  Bildformate  6,s:  9  und
4,5  :  6  (besonders  die  sich  selbsttätig  auf  „Unendlich“ ­
  einstellende  Westentaschenkamera  HeagXV
4,5  :6  und  6,5:  9  der  Ernemann-Werke,  A.-G.,
Dresden).  Ferner  die  eigentlichen  Klappkameras
mit  Schlitzverschluß,  die  festen,  kastenförmig  gebauten ­
  Spiegelreflexkameras  und  die  neuzeitlichen, ­
  eng  zusammenklappbaren  Spiegelreflexapparate
  (Ernemann-Klappreflex  mit  doppeltem
Auszug!)  sowie  die  Amateurstativkameras.  Für
Liebhaberzwecke  gelten  als  normale  Bild-  und
Plattenformate  die  Größen  bis  9:12,  vielleicht
auch  noch  10:15,  da  die  besonders  in  Deutschland ­
  hoch  entwickelte  Optik 1  äußerst  scharfe
Bilder  ergibt,  deren  etwaige  Vergrößerung  (Vergrößerungs-
  und  Projektionsapparate,  siehe  Sonderliste ­
  der  Ernemann-Werke  A.-G.,  Dresden)
eine  beliebte  Winter-  und  Abendbeschäftigung
bildet.  Beachtenswert  sind  noch  Reihenbilderapparate, ­
  sog.  Kinematographien  (die  Ernemann-Werke
  liefern  auch  für  Amateurzwecke  hervorragende, ­
  preiswerte  Modelle).  Liier  unterscheidet
man  einen  Aufnahmekinematographen  und  eine
Wiedergabemaschine.  Es  gibt  auch  Spezialmodelle, ­
  die  beides  in  einer  Ausrüstung  vereinigen ­
  (Ernemann-Aufnahme-  und  -Wiedergabekino
  D).  Um  die  Aufnahmen  sichtbar  zu  machen
(d.  h.  ein  Negativ  zu  entwickeln  und  davon  ein
positives  Bild  zu  erhalten),  gebraucht  man  die
sog.  Ausrüstung:  Dunkelkammerlaterne,  Entwicklungs-,
  Fixier-  usw.  Schalen,  Kopierrahmen'  und
die  Chemikalien,  welche  in  Einzelpackungen  geliefert ­
  werden,  ferner  das  Platten-  und  Papiermaterial ­
  und  vielerlei  der  Bequemlichkeit  dienende ­
  Bedarfsartikel.  Unter  den  Platten-  und
Filmarten  werden  die  sog.  farbenempfindlichen
bevorzugt,  welche  die  Farbwerte  in  richtiger
Abstufung  der  Schwärzung  wiedergeben.  Sie  sind
nicht  zu  verwechseln  mit  den  Platten,  welche
die  Farben  als  solche  abbilden.  Die  wichtigste
Quelle  für  alle  photographischen  Apparate  und

Bedarfsartikel  ist  zweifellos  die  deutsche  photographische ­
  Industrie,  als  deren  Zentrum  Dresden
gilt.
Photographische  Papiere.  Unter  photographischen ­
  Papieren  versteht  man  lichtempfindlich
gemachte  Papiere,  die  dazu  dienen,  von  einem
Negativ  Abdrücke  =  Positive  herzustellen
=  Kopier  verfahren.  Die  Lichtempf  indlichkeit
  kann  mit  verschiedenen  Mitteln  hergestellt ­
  werden,  und  zwar  verwendet  man  hauptsächlich; ­
  Silber-  und  Platinsalze,  Ammoniumferrizitrat
  und  Ferrizyankalium  (beim  Blaudruckverfahren), ­
  Chromsalze  usw.  Diese  Arbeit  nennt
man  das  Sensibilisieren.  Nach  der  Art  des
Kopierverfahrens  werden  unterschieden:  1.  Auskopierpapiere, ­
  die  ohne  Entwicklung  das  Positiv ­
  schon  sichtbar  werden  lassen.  Diese  Papiere
werden  bei  Tageslicht  verarbeitet.  2.  Entwicklungspapiere, ­
  d.  h.  solche,  bei  denen  das  Bild
durch  das  Kopieren  entweder  nur  wenig  oder
gar  nicht  sichtbar  wird,  sondern  erst  durch
Entwicklung  hervorgerufen  werden  muß.  Die
Entwicklungspapiere  trennt  man  wieder  in:
geringempfindliche  und  hochempfindliche ­
  Papiere.  Die  geringempfindlichen  P.
werden  bei  gedämpftem  Tageslicht  oder  gelbem
Licht  entwickelt;  die  hochempfindlichen  P.  sind
nur  bei  gelbem,  grünem  oder  rotem  Licht  zu  verarbeiten. ­
  —  Der  Ton  der  Positive  richtet  sich
bei  manchen  dieser  Papiersorten  nach  der  Art  des
Entwicklers  bzw.  der  Zeitdauer  der  Belichtung.
Bei  den  Auskopierpapieren  wird  der  Ton
hingegen  durch  sog.  Tonbäder  (s.  d.)  hergestellt. ­
  —  Eine  andere  Art  Positive  erzeugt  man
durch  den  Pigmentdruck,  welcher  auf  der
Eigenschaft  von  Gelatine  und  Leim  beruht,  nach
Zusatz  von  Chromaten,  z.  ß.  Kaliumdichromat,
durch  Belichtung  ihre  Löslichkeit  zu  verlieren.
Man  hat  diese  Erfahrung  auf  den  Positivprozeß
übertragen,  indem  man  gelatinierte  Papiere  mit
einem  Farbstoff  =  Pigment  versetzt  und  mit
Kaliumdichromatlösung  sensibilisiert.  Nach  erfolgter ­
  Belichtung  lassen  sich  die  unbelichteten
Stellen  durch  warmes  Wasser  abspülen  =  entwickeln, ­
  während  die  belichteten  Teile  stehen
bleiben  und  ein  positives  'Bild  ergeben.  —-  Das
Gummidruckverfahren  beruht  auf  dem  gleichen ­
  Prinzip,  nur  werden  die  Positive  mehrere
Male  kopiert  (gedruckt),  das  Bild  entwickelt,
von  neuem  mit  Farbstoff  versehen,  abermals
belichtet  und  entwickelt,  und  diese  Arbeit  so  oft
fortgesetzt,  bis  eine  genügende  Dichte  des  Positivs ­
  erreicht  ist.  —  Von  den  vorher  genannten
Papiersorten  sind  folgende  besonders  zu  erwähnen: ­
  1.  Auskopierpapier.  —  Albumatpapier
  (Mattalbuminpapier)  ist  ein  lichtempfindliches ­
  Kopierpapier,  das  sich  lange  Zeit  gebrauchsfähig ­
  erhält  und  besonders  zur  Herstellung ­
  vornehm  wirkender,  photographischer  Kopien ­
  benutzt  wird.  Es  'ist  in  verschiedenen  Stärken ­
  und  Rauheiten  des  Rohstoffes  erhältlich
und  hat  eine  stumpfe  Oberfläche.  Die  lichtempfindliche ­
  Schicht  ist  durch  Einwirkung  einer
Silbernitratlösung  auf  die  vorher  gesalzene  Papierfläche ­
  erzeugt  und  besitzt  infolgedessen  eine
absolute  Unverletzlichkeit.  Kopien  auf  solchem
Papier  werden  bis  zur  vollen  Kraft  auskopiert,
durch  Wasser  von  allem  löslichen  Silbersalz  befreit, ­
  im  Platinbade  getont  und  hierauf  in  Na-
            
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