Schweflige Säure
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Schweineschmalz
M
wurde im Jahre 1914 auf 1,6 Millionen Tonnen
geschätzt. Dazu wurden rund 980 000 t Schwefel
kies, 555 000 t Zinkblende und Kupfererze sowie
54 000 t Gasreinigungsmasse verarbeitet, von
denen außer der letzteren nur 109 000 t Schwefel
kies und 411000 t Zinkblende inländischen Ur
sprungs waren. Der aus belgischer Verarbeitung
von Zinkblende entstammenden Einfuhr von
65 000 t stand eine fast ebenso große Ausfuhr
nach Österreich, Holland und der Schweiz gegen
über. Die auf Abschneidung der ausländischen
Rohstoffe gestützten Hoffnungen unserer Feinde
wurden durch die Herstellung von S. aus Gips
vereitelt.
Schweflige Säure (schweflichte Säure,
Schwefeldioxyd, lat. Acidum sulfurosum, frz.
Acide sulfureux, engl. Sulfurous acid), die aus
gleichen Gewichtsteilen Schwefel und Sauerstoff
bestehende chemische Verbindung S0 2 , ist bei
gewöhnlicher Temperatur ein farbloses, stechend
riechendes Gas, das von Wasser leicht gelöst
wird. Das Wasser verschluckt bei,4° das yofache,
bei t6° das 45fache Volumen dieses Gases und
bildet damit eine wäßrige Lösung, die nach S.
riecht und schmeckt und stark sauer reagiert.
Die Darstellung der wäßrigen schwefligen Säure
erfolgt entweder durch Verbrennen von Schwefel
oder Rösten von Schwefelkies, oder auch durch
Erhitzen von Schwefelsäure mit Holzkohle. Im
letzteren Falle entzieht die Kohle der Schwefel
säure ein Drittel ihres Sauerstoffes und bildet
dadurch schweflige Säure, die dann in Wasser
geleitet wird. Die wäßrige S. muß in sehr gut
verschlossenen und ziemlich voll gefüllten Ge
fäßen auf bewahrt werden, da sie durch die Ein
wirkung des Sauerstoffes der Luft nach und
nach in Schwefelsäure verwandelt wird. Nicht
mehr ganz gefüllte Ballone werden daher am
besten in kleinere Gefäße umgefüllt. Durch
Druck verdichtete flüssige schweflige Säure
darf auf der Bahn nur in Behältern aus Schweiß
eisen, Flußeisen, Gußstahl oder Kupfer versandt
werden, die vorher auf 30 Atmosphären Druck
(ohne bleibende Formveränderung) geprüft sein
müssen. Die Druckprüfung ist alljährlich zu
wiederholen. Die Behälter sind in Kisten zu
verpacken. S. dient zum Bleichen von Wolle,
Seide und Strohgeflechten, zum Konservieren
von Wein, zur Füllung von Kältemaschinen und
zur Herstellung von Schwefelsäure und Sulfiden.
Schweineschmalz (Schmer, lat. Axungia porci
seu Adeps suillus, frz. Graisse de porc, engl.
Axonge), das aus fettreichen Teilen geschlachte
ter Schweine ausgeschmolzene Fett, wird in
Deutschland meist aus dem im Innern des Tier
körpers befindlichen Fettgewebe, vor allem dem
Bauchwandfett «(Liesen, Flomen, Lünte,
Schmer, Wammenfett),demGekröse- (Micker-)
Fett und dem Netzfett, seltener dem Rückenspeck,
in Amerika aus allen Teilen gewonnen. In
Deutschland erfolgt das Ausschmelzen in der
Regel über freiem Feuer, in Amerika mit Hilfe
von Wasserdampf. Je nach der Bereitungsweise,
Güte und Herkunft unterscheidet man: Roh-
schmalz, Dampfschmalz, Neutralschmalz, raffi
niertes S., deutsches und amerikanisches S. Das
amerikanische S., das in ungeheuren Mengen
zur Einfuhr gelangt, zerfällt meist in folgende
Handelssorten: Neutral Lard, die beste Sorte,
wird durch Auslassen von Netz- und Eingeweide- I
fett im Wasserbade gewonnen und stellt eine 1
rein weiße, mild schmeckende Masse dar. Neu- 1
tral Lard Imitation wird in ähnlicher Weise
wie die vorige Sorte, aber aus Speck hergestellt I
und unterscheidet sich nur durch die etwas '
weichere Konsistenz. Choice Lard und Prime ,|
Steam Lard werden aus den Rückständen der 3
Neutral-Lard-Gewinnung sowie aus allen ver- ;
wendbaren Teilen des Schweines durch direkten I
Dampf bei 21/3—3 Atmosphären ausgelassen. Das j
letztere hat eine körnige Beschaffenheit und
meist einen Stich ins Grünliche, Gelbliche oder
Graue. Da es für den direkten Gebrauch zu
weich und ölig ist, wird es noch einer besonderen
Raffination unterworfen und durch Abpressen
bei niedriger Temperatur in das flüssige Speck
oder Schmalzöl (Lard oil) und das feste I
Schmalz- oder Solarstearin (Lard Stearin) 1
getrennt. Das erstere wird als Schmieröl, Brennöl
oder zu Speisezwecken benutzt, das letztere meist 1
durch Mischung mit weicherem Dampfschmalz !
in das hauptsächlichste Speisefett (Refined Lard)
übergeführt. Nur für technische Zwecke bestimmt |
sind: Sead hog grease und white grease, 1
brown grease von erstickten oder erfrorenen
Tieren, Yellow greasö aus Abfällen der Pack
häuser und Pigs-foot grease aus Schweine- j:
füßen. — Das Schweineschmalz ist in chemi- |
scher Hinsicht ein Gemenge von Glyzeriden der I
Öl-, Palmitin- und Stearinsäure und soll bisweilen '
auch Linolsäure enthalten. Seine Zusammen- :
setzung wird durch Rasse und Fütterung der
Tiere, klimatische Verhältnisse und die Körper
teile, denen es entstammt, beeinflußt und unter- ■!
liegt demnach außerordentlichen Schwankungen.
Das spez. Gew. bei ioo° beträgt im Mittel 0,861,
der Schmelzpunkt liegt meist bei 38—42 °, die
Verseifungszahl bei 196—198. Die Refraktion
bei 40 0 liegt für deutsches und ungarisches S. I
zwischen 48 und 49, die Jodzahl meist zwischen
48 und 54. Bei amerikanischem S. sind die §
entsprechenden Zahlen 50—51 und 60—66, doch
kommen nach oben und unten erhebliche Ab
weichungen vor. Das für Speisezwecke benutzte
reine S. ist eine weiße, geruchlose oder, bei
deutschen Sorten, schwach angenehm riechende
Masse von mildem Geschmack und salbenartiger,
aber nicht schmieriger Konsistenz. Das unga- i |
rische S. ist meist etwas rötlich und körnig, das
amerikanische vielfach schmierig. Von den zahl
reichen Verfälschungen kommen besonders
Zusätze von Schmalzstearin und Schmalzöl.
Rindstalg, Baumwollenstearin, Baumwollsamenöl,
Kokosöl und anderen billigeren Fetten in Be
tracht. Ihr Nachweis erfolgt nach den Ver
fahren der Fettanalyse, ist aber nicht immer
mit Sicherheit zu führen. Ein vorläufiges Ur
teil gewährt die Schmelzprobe, bei welcher der
charakteristische Geruch gewisser Öle hervortritt.
Die in neuerer Zeit beliebte Beimischung von
Wasser erkennt man daran, daß das S. beim
Schmelzen über offener Flamme knistert. Be
sonders bezeichnend für reines S. ist auch die
Art des Erstarrens, indem es nach dem Schmelzen
in einer Porzellanschale mit matter faltiger Ober
fläche erstarrt, in deren Mitte sich eine starke,
scharf abgesetzte Vertiefung bildet. Doch ist
dieses Kennzeichen mit Vorsicht zu verwenden.