Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Verbandstoffe

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Vichy

Kochen  in  einer  Harzseifenlösung,  darauf  in
einer  Sodalauge  und  Spülen  in  reichlichem
Wasser  folgt  die  Bleiche  durch  Einwirkung  von
schwacher  Chlorkalk-  oder  Chlornatriumlösung,
die  Zerstörung  der  unterchlorigen  Säure  durch
längere  Lüftung  und  die  Entfernung  des  Kalks
durch  schwache  Salzsäure.  Schließlich  wird  die
Baumwolle  entweder  direkt  gespült  und  getrocknet, ­
  meist  aber  vorher  mit  Antichlor  (unterschwefligsaurem ­
  Natron)  und  einer  geringen
Menge  Stearinseife  behandelt.  Aus  letzterer
macht  die  noch  vorhandene  Salzsäure  Stearinsäure ­
  frei,  welche  in  dieser  kleinen  Menge  das
so  beliebte  Knirschen  verursacht.  Neuerdings
wird  auch  vielfach  die  elektrische  Bleiche  angewandt, ­
  welche  darauf  beruht,  daß  aus  Chlorverbindungen ­
  (Kochsalz)  durch  den  elektrischen
Strom  Chlor  freigemacht  wird.  Die  ganz  trokkene
  Baumwolle  wird  endlich  auf  der  Wattekrempel ­
  zu  einem  Vlies  verarbeitet,  das  70  bis
loo  cm  breit,  180—250  cm  lang  und  250—500  g
schwer  ist.  —  Die  an  den  Kapseln  der  Baumwollsamen
  nach  dem  Entkörnen  sitzengebliebenen ­
  kurzen  Baumwollfasern  werden  durch
besondere  Maschinen  von  den  Kapseln  getrennt
und  kommen  unter  dem  Namen  Linters  in
Ballen  von  250  kg,  meist  stark  durch  Samenschalen ­
  u.  a.  verunreinigt,  in  den  Handel.  Sie
finden  zwar  meist  Verwendung  zu  Schneiderund ­
  Polsterwatten  sowie,  teils  roh,  teils  gebleicht, ­
  als  Füllmittel,  zum  kleineren  Teile  aber
auch  zu  geringwertigen  Verbandwatten.  —'Gebleichter ­
  hydrophiler  Mull,  der  dieselbe
Entfettung  und  Bleichung  durchzumachen  hat
wie  die  medizinische  Verbandwatte,  wird  ebenfalls ­
  zu  verschiedenen  Verbandstoffen  weiterverarbeitet. ­
  —  Appretierte  Gaze  zu  Verbandzwecken ­
  ist  gekleisterter,  in  gespanntem  Zustande ­
  getrockneter  und  gebleichter  Mull,  bei
dem  nur  die  Fäden  gekleistert,  die  Maschen
aber  kleisterfrei  sind.  Eine  besonders  dichte,
appretierte  Gaze,  bei  der  nicht  nur  die  Fäden
gekleistert,  sondern  auch  die  Zwischenräume
mit  Kleistermasse  ausgefüllt  sind,  sog.  Organdingaze, ­
  dient,  genäßt,  zur  Anfertigung  von
Kleisterverbänden,  als  Ersatz  der  Gipsverbände.
■—  Lint,  früher  unter  dem  Namen  englische
Scharpie  gehandelt,  ist  ein  dichtes  weiches,
auf  einer  Seite  gerauhtes  Baumwollgewebe.  Mit
Borsäure  impägniert,  allgemein  als  Borlint  bekannt, ­
  dient  es  zu  Verbandzwecken.  —  Schließlich ­
  findet  als  Verbandstoff  ein  baumwollenes
Kambrikgewebe  Verwendung,  dessen  Kettfäden ­
  gewöhnlich  die  Stärke  der  Mullfäden
haben,  während  die  Schlußfäden  aus  stärkeren
Garnen  mit  geringem  Draht  hergestellt  werden.
Das  Kambrikgewebe  kommt  gemangelt  in  den
Handel,  wodurch  die  dickeren  Schußfäden  plattgedrückt ­
  sind,  so  daß  sie  die  Maschen  mitunter
ganz  ausfüllen.  —  Infolge  des  Mangels  an
Baumwolle  mußte  während  des  Krieges  dazu
übergegangen  werden,  auch  die  Verbandstoffe,
■wie  Watten,  Binden  usw.,  aus  Ersatzstoffen
herzustellen.  Für  die  Watten  wurde  Zellstoffwatte ­
  angefertigt,  für  Bindenstoff  e  griff
man  zu  Papiergeweben.  Letztere  haben  sich
aber  nicht  besonders  eingeführt,  es  lag,  dies
tum  Teil  daran,  daß  für  einzelne  Zwecke  die
^apierbinden  sich  infolge  des  Aufweichens  bei

Zutritt  von  Feuchtigkeit  unbrauchbar  zeigten,
ferner  aber  auch  Verbände,  z.  B.  bei  Fingerverletzungen, ­
  sich  nur  sehr  schlecht  herstellen
lassen.  Ein  weiterer  Mißstand  war  der  unverhältnismäßig ­
  hohe  Preis,  der  für  die  Papiergarngewebe ­
  gefordert  wurde.
Verbenaöl.  Das  echte  Verbenaöl  wird  aus
den  Blättern  der  in  Spanien,  Südfrankreich  und
Amerika  vorkommenden  strauchartigen  Verbene,
  Lippia  citriodora  (Verbena  triphylla,
Alsysia  citriodora),  bereitet,  ist  aber  kein
regelmäßiges  Handelsprodukt.  Es  kann  in  den
meisten  Fällen  durch  das  viel  billigere  Lemongrasöl,
  das  deswegen  auch  ostindisches  Verbenaöl ­
  genannt  wird,  ersetzt  werden.
Veronal  (Diäthylbarbitursäure,  Diäthylmalony
  Iharnstoff,  lat.  Acidumdiaethylobarbituricum,
  frz.Vdronal,  engl.Veronal),  ein  weißes,
schwach  bitter  schmeckendes,  in  heißem  Wasser,
Alkohol  und  Äther  leicht  lösliches  Kristailpulver,
(C 2 H 5 ) 2 C(CO  .  HN) 2 CO,  wird  als  ein  vortreffliches ­
  Schlafmittel  verordnet.  Es  erzeugt  wie
Alkohol  einen  mit  Behaglichkeit  und  Gleichgültigkeit ­
  verbundenen  Rauschzustand.  Die  Abgabe ­
  ist  in  den  Apotheken  nur  gegen  ärztliche
Verordnung  gestattet,  was  bei  den  beobachteten
schädlichen  Nebenwirkungen  des  V.  begründet
erscheint.
Verrin,  eines  der  neueren  Kehrmittel,  die  in
öffentlichen  Gebäuden,  besonders  Schulen,  an
Stelle  des  früher  viel  benutzten  feuchten  Sägemehls ­
  zur  Verhinderung  des  Aufwirbelns  von
Staub  ausgestreut  werden,  besteht  aus  70  0/0  Koniferenholzschliff ­
  mit  30  0/0  Talkpulver.  Ein  ähnlich ­
  wirkendes  Gemisch  von  Sand  und  Kreide
mit  10  0/0  Schmieröl  wird  als  Bronil  in  den  Verkehr ­
  gebracht.
Vesuvin,  ein  dem  Bismarckbraun  sehr  nahestehender ­
  Farbstoff,  soll  aus  salzsaurem  Triamidoazobenzol
  bestehen.
Vetiverwurzel  (Kuskus,  Iwaranchusa,  lat.
Radix  ivaranchusae  seu  vetiveris,  frz.  Racine  de
vetiver,  engl.  Vetiver  root).  Das  ostindische
Gras  Vetiveria  zizanioides  (Andropogon  muricatus
  s.  squarrosus)  treibt  aus  einem  kurzen
Wurzelstock  eine  Menge  langer,  dünner,  vielfach ­
  verästelter  Wurzeln,  deren  sehr  dünner
Holzkörper  von  einer  schwammigen  Rinde  umgeben ­
  ist.  Die  in  der  Mitte  der  letzteren  liegenden ­
  Drüsen  enthalten  ein  sehr  kräftig  und  angenehm ­
  riechendes,  dickflüssiges  ätherisches  öl
von  dunkelblonder  bis  dunkelbrauner  Farbe.
Die  getrockneten  Wurzeln  werden  namentlich
über,  Kalkutta  ausgeführt  und  in  Indien  selbst
zur  Herstellung  von  Matten,  Fensterschirmen  u.
dgl.  benutzt,  die  in  der  heißen  Jahreszeit,  mit
Wasser  besprengt,  Wohlgeruch  verbreiten.  Die
Wurzel  wird  wegen  ihres  anhaftenden  Geruchs  bei
uns  in  der  Parfümerie  und  als  mottenvertreibendes
Mittel  angewandt.  Das  Öl  (lat.  Oleum  vetiveris
s.  ivaranchusae,  frz.  Essence  de  vetiver,  engl.
Oil  of  vetiver  root)  findet  in  der  Parfümerie  nur
als  Zusatz  Verwendung.  Es  hat  ein  spez.  Gewvon
  0,990—1,040,  löst  sich  in  1—2  Teilen  800/0-igem
  Alkohol  und  dreht  die  Polarisationsebene
ziemlich  stark  nach  rechts,  a D =  +  22  bis  -(-  38°.
Vichy,  ein  alkalisch-muriatischer  Säuerling,
enthält  in  1  kg:  Bikarbonate  des  Natriums
4)883  g,  Kaliums  0,3-520  g,  Ammoniums  0,352  g.
            
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