Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

. ,1 ■ 
Zitronenholz 
500 
Zitronensäure 
Zitronenholz nennt man i. das Holz des_Zi- 
tronenbaumes, ein sehr dichtes und weißes 
Holz, das nicht in unseren Handel kommt, und 
2. ein gelbes Holz von unbekannter Abstammung 
mit schwachem, zitronenartigem Geruch. Das 
letztere ist sehr fein, dicht und ziemlich schwer, 
nimmt eine Schöne Politur an und stammt aus 
Westindien. 
Zitronenöl (Limonenöl, lat. Oleum citri, 
Oleum limonis, Oleum de cedro, f.rz. Essenee de 
citron, engl.Lemon oil) wird auf Sizilien sowie im 
südlichen Teile von Kalabrien aus den Frucht 
schalen der Zitrone oder Limone (Citrus 
limonum R.) gewonnen. Zu seiner Darstellung 
verfährt man folgendermaßen: Die Zitrone wird 
halbiert und das Fruchtfleisch mit einem löffel 
artigen Instrument entfernt, oder die Schale wird 
in drei Längsstreifen von der Frucht herunter 1 
geschnitten. Die Schale , wird dann fest gegen 
einen Schwamm gepreßt, wobei die ölhaltigen 
Zellen platzen und ihr öl an den Schwamm 
abgeben, der von Zeit zu Zeit ausgepreßt wird. 
Nach dem Absitzen des Wassers klärt man das 
oben schwimmende Öl durch Filtrieren. Die 
ausgepreßten Schalen werden dann noch mit 
Wasser destilliert, da sich nicht alles Öl aus 
pressen läßt. Das so gewonnene, destillierte 
Z. gelangt, mit gepreßtem vermischt, als ge 
ringere Sorte in den Handel. Im halbreifen Zu 
stande, November und Dezember, sind die Zi 
tronen am ölreichsten. Das durch Pressen ge 
wonnene Z. äst eine hellgelbe Flüssigkeit von dem 
angenehmen Geruch der frischen Zitronen und 
aromatischem, hinterher etwas bitterem Ge 
schmack, die bei längerem Stehen häufig einen 
gelblichweißen Bodensatz abscheidet. Das spez. 
Gew. schwankt zwischen 0,856 und o,86i. Z. ist 
rechtsdrehend und löst sich in absolutem Alko 
hol, Äther, Chloroform, Benzol und Amylalkohol 
in jedem Verhältnis. In (6—8 Teilen) 900/oigem 
Alkohol ist es wegen der wachsartigen und schlei 
migen Bestandteile meist nicht klar löslich. Den 
Hauptbestandteil bildet das Rechtslimonen, wäh 
rend der Geruch durch den Aldehyd Zitral be 
dingt wird, obgleich dieser nur in einer Menge 
von etwa 4—6°/o darin enthalten ist. Das ge 
preßte Z. wird am häufigsten durch Verschneiden 
mit destilliertem Z. verfälscht. Der Nachweis 
dieser Verfälschung ist nur durch den Geruch 
ausführbar, während Pomeranzenschalenöl und 
Terpentinöl sich durch das verschiedene optische 
Drehungsverrnögen erkennen lassen. Zusätze von 
Spiritus und fetten ölen verraten sich durch das 
spez. Gew., das durch ersteren herabgesetzt, durch 
letztere erhöht wird. Das Z. ist eines, der be 
liebtesten Gewürzöle zum Backen und findet 
auch in der Parfümerie, sowie für Liköre und 
Limonaden ausgedehnte Verwendung. Für die 
letzteren Zwecke wird meist sog. terpen 
freies Zitronenöl benutzt, d. h. ein Zitronenöl, 
aus dem die Kohlenwasserstoffe ganz oder teil 
weise entfernt worden sind. Die Aufbewahrung 
des Z. erfordert ganz besondere Sorgfalt, da es 
durch Zutritt von Licht, und Luft sehr schnell 
verdirbt und einen dicken, schmierigen Boden 
satz abscheidet. Man hebt es infolgedessen in 
kleinen, ganz angefüllten Flaschen, vor Licht 
geschützt, auf. Lösungen von Zitronenöl in Al 
kohol werden als Zitronenessenz in den Han 
del gebracht, der bisweilen beobachtete Verkauf 
als Zitronenöl ist selbstredend unzulässig. 
Zitronensaft (lat. Succus citri, frz. Jus de ci- 
trons, engl. Lemon-juice) wird durch Aüspressen 
der geschälten und ihrer bitter schmeckenden 
Kerne beraubten Zitronen dargestellt. Man über 
läßt die ablaufende trübe Flüssigkeit meist einer 
freiwilligen Gärung zur Zerstörung der geringen 
Zuckermengen, filtriert dann, unter Umständen 
nach Zusatz von Alkohol oder Specksteinpulver, 
und macht den in kleine Flaschen gefüllten Saft 
schließlich durch Erhitzen keimfrei. Der auf 
diese Weise erhaltene Z. ist eine farblose bis 
schwach gelbliche Flüssigkeit von stark saurem 
Geschmack und eigenartigem, aber nicht an Zi 
tronenöl erinnerndem Aroma. Er hat im ent- 
geisteten Zustande ein spez. Gew. von ungefähr 
1.033—1,041 und enthält in 100 ccm s—7 g Zitro 
nensäure, o—1 g Zucker, 0,4—0,6 g Asche, 0,02 bis 
0,03 g Phosphorsäure und 0,04—0,07 g Stickstoff. 
Der Z. nimmt unter den Fruchtsäften des Han 
dels insofern eine gewisse Ausnahmestellung ein, 
als er nicht nur zu Genußzwecken (Limonade), 
sondern gleichzeitig als eine Art Heilmittel (zu 
Z.-Kuren) Anwendung findet. Schon seit alters 
her wird er von den Schiffern als ein nie ver 
sagendes Heilmittel gegen den gefürchteten Skor 
but geschätzt und besonders in letzter Zeit in 
folge der Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs 
in steigendem Maße in den Verkehr gebracht. 
Allerdings war bis vor kurzer Zeit ein großer 
Teil des im Handel befindlichen Z. verfälscht 
oder gar völlig künstlich hergestellt. Einfache 
Auflösungen von Zitronensäure in Wasser wur 
den vielfach als Natursäfte verkauft, und ver 
schiedene Fabriken stellten sogar zur Täuschung 
der überwachenden Nahrungsmittel Chemiker auf 
Grund chemischer Analyse kunstvolle Nachahmun 
gen her. Heutzutage kann der Käufer im all 
gemeinen, dank der unermüdlichen Bekämpfung 
der Verfälschungen, annehmen, daß er als Z. 
auch einen reinen Natursaft erhält. Zusätze von 
Konservierungsmitteln, wie Salizylsäure, Ameisen 
säure und Benzoesäure, die zur Erhöhung der 
Haltbarkeit bisweilen gemacht werden, sind in 
der Aufschrift deutlich anzugeben. Als geeignet 
stes Konservierungsmittel ist der Alkohol zu be 
zeichnen, der auch in § 22 der Anleitung zur Ge 
sundheitspflege an Kauffahrteischiffen erlaubt 
wird und in Höbe von 8—10 Vol.-°/o ohne Dekla 
ration benutzt werden darf. Ein durch geringe 
Mengen Zucker, die zur Konservierung nicht 
ausreicben, versüßter Z. hat im allgemeinen als 
verdächtig zu gelten. Hingegen bildet der aus 
40 Teilen Z. und 64 Teilen Zucker eingekochte 
Zitronensirup eine reelle Handelsware. 
Zitronensäure (lat. Acidum citricum, frz. 
Acide citrique, engl. Citric acid), eine zuerst von 
Scheele im Jahre 1784 in Kristallform dargestellte 
organische Säure, findet sich frei und an Basen 
gebunden, oft zugleich mit anderen organischen 
Säuren, sehr verbreitet in der Natur. Frei kommt 
sie hauptsächlich in Früchten vor, besonders 
reichlich in den noch nicht völlig reifen Zi 
tronen, in den Johannis- und Preiselbeeren 
usf. An Kalium und Kalzium gebunden, findet 
sie sich in den Tabakblättern, im Schöllkraut, i n 
den Knollen der Kartoffel, in den Runkelrüben, 
in der Rinde der Kastanie, in den Eicheln und
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.