Zitronensäure 501 Zitronensaures Eisenoxyd
in den Samen der Erbsen, Bohnen, Wicken.
Außerdem ist Z. ein regelmäßiger Bestandteil
der Kuhmilch (0,2 0/0). Zur Darstellung der Z.
für den Handel dient ausschließlich der Saft der
unreifen Zitronen, der nur zum kleinsten Teile
am Ursprungsorte selbst direkt auf Z. verarbeitet
wird, vielmehr der Hauptsache nach in
konzentriertem Zustande oder in Gestalt von
trockenem Kalziumzitrat in den Handel gelangt,
um dann in England, Frankreich und Deutschland
weiter auf Z. verarbeitet zu werden. Zur
Darstellung des Kalziumzitrats wird der auf die
eine oder andere Weise geklärte Saft in mit
Blei ausgekleideten Bottichen zum Kochen erhitzt
und so lange mit geschlämmter Kreide und
schließlich Kalkmilch versetzt, bis kein Aufbrausen
mehr stattfindet. Die freie Z. verbindet sich
dabei mit dem Kalk zu Kalziumzitrat, das in
siedendem Wasser sehr schwer, in kaltem
jedoch wesentlich leichter löslich ist. Es wird
daher noch heiß auf ein Seihtuch gebracht, mit
kochendem Wasser ausgewaschen und mit so
viel verdünnter Schwefelsäure versetzt, als nötig
ist, um den zitronensauren Kalk in schwefelsauren
zu verwandeln. Die von dem ausgeschiedenen
Kalziumsulfat getrennte Zitronensäurelösung
wird, zur Kristallisation eingedampft, und
die abgeschiedene Kristallmaslse durch Auflösen,
Entfärben mit Tierkohle und nochmaliges Umkristallisieren
gereinigt. Auch synthetisch ist die
Z. schon nach verschiedenen Verfahren hergestellt
worden, und schließlich wird sie fabrikmäßig
auf zymotechniscbem Wege nach einem
Patent von Charles Wehmer in Mühlhausen und
Thann im Elsaß gewonnen. Zu ihrer Darstellung
dienen 3—30 0/0 ige Zuckerlösungen, die jmit Pilzen
(Citromyces Pfefferianus et glaber) geimpft werden
und bei der Gärung in Z. übergehen. — Die
Z. ist eine dreiatomige Säure, CjH^OHXCOOHJj,
und wird chemisch als Oxy trikarbally Isäure
bezeichnet. Sie bildet färb- und geruchlose, sehr
sauer schmeckende, rhombische Prismen, die
an warmer Luft oberflächlich etwas verwittern
und in Wasser sowie Weingeist leicht löslich sind.
Charakteristisch ist das Verhalten der Z. und
ihrer Salze gegen Kalkwasser. Fügt man zu einer
wäßrigen Zitronensäurelösung Kalkwasser bis zur
alkalischen Reaktion, so tritt in der Kälte keine
Trübung ein. Wird diese Flüssigkeit aber gekocht,
so trübt sie sich infolge der Abscheidung
von Kalziumzitrat, das beim Erkalten im verschlossenen
Gefäß vollständig wieder in Lösung
geht. Die zitronensauren Salze verhalten sich
gegen Kalkwasser in gleicher Weise. — Im Handel
unterscheidet man zwischen kristallisierter
Z. (Acidum citricum cristallisatum), reiner Z.
(Acidum citricum purum) und reinster bleifreier
Z. (Acidum citricum purissimum). Letztere
ist die im D. A. B. vorgeschriebene. Infolge
ihrer Bereitungsweise kann die käufliche
Z. außer Blei noch Schwefelsäure und Kalksalze
enthalten, auch wird sie oft mit der billigeren
Weinsäure verfälscht. Auf Blei prüft man mit
Schwefelwasserstoffwasser, das man zu einer wäßrigen,
mit Ammoniak bis zur schwach sauren
Reaktion abgestumpften Zitronensäurelösung hinzusetzt.
Färbt sich hierbei die Flüssigkeit dunkel,
so ist Blei vorhanden. Schwefelsäure erkennt
man an dem weißen Niederschlag, der in einer
wäßrigen Lösung von Z. durch Chlorbarium,
Kalksalze an der weißen Trübung, welche in
der wäßrigen Löspng durch oxalsaures Ammonium
hervorgerufen wird. Zum Nachweis von
Weinsäure wird eine Mischung aus I g Z. und
10 ccm Schwefelsäure, die in einem mit Schwefelsäure
gereinigten Mörser bereitet worden ist, in
einem Probierrohr eine Stunde lang im Wasserbade
erwärmt (auf 80—90 °), worauf bei Anwesenheit
von Weinsäure Braunfärbung Eintritt. Außerdem
kann Weinsäure auch durch essigsaures
Kalium erkannt werden, dessen konzentrierte
Lösung man mit der zu prüfenden konzentrierten
Zitronensäurelösung mischt und dann mit dem
dreifachen Volumen Alkohol versetzt. Falls Weinsäure
vorhanden ist, entsteht beim Schütteln ein
fein kristallinischer Niederschlag von saurem
weinsauren Kali. Auf optischem Wege läßt sich
die Gegenwart von Weinsäure an ihrer Rechtsdrehung
erkennen. —- Die Einfuhr von Z, bzw.
Kalziumzitrat und konzentriertem Zitronensaft in
Deutschland betrug jährlich ungefähr 6000 dz,
die deutsche Ausfuhr von Z. 3000 dz. Die Verwendung
der Z. ist sehr vielseitig. Technisch
wird sie hauptsächlich in der Kattundruckerei sowie
als Fleckenreinigungsmittel und in der Photographie
benutzt. In der Nahrungsmittelindustrie
und im Haushalt findet sie wegen ihres angenehmen
Geschmackes vielfache Verwendung als Zusatz
zu Limonaden, als Essigersatz usw. Medizinischen
Gebrauch finden sowohl die Säure selbst
als durstlöschendes, kühlendes Getränk bei Fieber,
als Mittel gegen den Skorbut der Schiffer
usw., wie auch einige ihrer Salze (zitronensaures
Chinin, zitronensaure Magnesia usf., s. d.). Die
Aufbewahrung der Z. hat in gut geschlossenen
Gefäßen an einem kühlen Orte zu erfolgen.
Zitronensaures Chinin (Chininzitrat, lat.
Chininum citricum, frz. Citrate de quinine, engl,
Citrate of quinia) stellt weiße lockere Kristallnadeln
dar, die intensiv bitter schmecken und
in goo Teilen kalten oder 30 Teilen siedenden
Wassers löslich sind. Das zitronensaure Chinin
findet beschränkte medizinische Verwendung.
Zitronensaures Eisenchinin (Chinineisenzitrat,
lat. Chininum ferro-citricum, frz. Citrate
de fer de quinine, engl. Citrate of iron and
quinia) bildet glänzende, durchschimmernde, dunkelrotbraune
Blättchen von eisenartigem und bitterem
Geschmack, die in Wasser langsam, aber
in jedem Verhältnis löslich sind. Das Eisenchininzitrat
wird häufiger medizinisch angewandt
als das vorhergehende Salz und findet sich auch
im D. A. B. aufgeführt.
Zitronensaures Eisenoxyd (Eisenoxydzit rat,
Ferrizitrat, lat. Ferrum citricum oxydatum,
frz. Citrate de fer. engl. Citrate of iron) erhält
man durch Auflösen von frisch gefälltem Eisenhydroxyd
in wäßriger Zitronensäurelösung, vorsichtiges
Eindampfen der klaren Flüssigkeit bis
zur Sirupdicke und Trocknen des auf Glasplatten
ausgestrichenen Rückstandes. Das Ferrizitrat
bildet dünne, durchscheinende Blättchen
von rubinroter Farbe und schwachem Eisengeschmack,
die in siedendem Wasser leicht, in
kaltem Wasser langsam, aber vollständig löslich
sind. Die gelbe Lösung reagiert schwach sauer.
Wegen seines schwachen Eisengeschmacks
wird das Ferrizitrat, das für medizinische