Full text: Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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Frevel selbst zu richten 1 ). Als Gossembrot die Freilassung 
Nagels auf diesem Wege nicht erreichen konnte, rief er und 
seine Partei den Herzog Albrecht III. von Bayern-München 
um Schutz an 2 ). Hans Arzt seinerseits wandte sich hierauf 
an Herzog Ludwig den Reichen von Bayern-Landshut, um die 
Bestrafung Nagels durchzusetzen. 
Damit war aus dem privaten Streit ein politischer Handel 
von folgenschwerer Bedeutung geworden. Die um Beistand 
angerufenen Fürsten übten nämlich jetzt im Namen ihrer 
Schutzbefohlenen auf Nürnberg einen Druck aus und griffen 
zu dem alterprobten Mittel, den Nürnberger Kaufleuten in 
ihren Ländern die Handelschaft zu verbieten und ihnen ihre 
Warenzüge aufzuhalten. Die Stadt war damit an ihrem wun 
desten Punkte getroffen und musste danach trachten, eine 
Einigung herbeizuführen. Im Jahre 1453 begaben sich zu 
diesem Zweck im Auftrag der Nürnberger Konrad von Heideck, 
Werner von Parsberg und Gregor Heimburg an den Hof Lud 
wig des Reichen. Nach langen Verhandlungen brachten sie 
eine Aussöhnung zustande — die sogenannte Landshuter 
Richtung. Danach sollte Anna Arzt — die Witwe des in 
zwischen verstorbenen Hans Arzt — als Entschädigung für 
den ihrem Mann zugefügten Schaden 28 700 fl erhalten, für 
deren richtige Bezahlung sich die Stadt Nürnberg verbürgte 3 ). 
Nach der Rückkehr der Gesandten — die Landshuter Richtung 
kam am 15. April 1453 zustande — wandte sich der Rat an 
Anton Paumgartner und seinen Vater, um von ihnen die Be 
zahlung zu erlangen, da die anderen ehemaligen Teilhaber 
der Gesellschaft nicht mehr in Nürnberg weilten. Anton Paum 
gartner erklärte nun zwar, dass er mit der ganzen Angelegen 
heit nichts zu tun habe, da nur seine Frau ihr Heiratgut in 
*) Kreisarchiv Nürnberg: D 1773. 
a ) Chroniken der deutschen Städte X S. 197 mit Anm. 
3 ) Die Landshuter Richtung, die sich im Wortlaut in dem oben 
erwähnten Aschaffenburger Kodex erhalten hat, bestimmte, dass diese 
Summe an Anna Arzt bezahlt werden sollte, wenn sich ihre Prozessgegner 
weigerten, die Bücher und Rechnungen der Gesellschaft in Landshut 
zur Einsicht vorzulegen. Als Revisoren dieser Geschäftsbücher wurden 
aufgestellt: Ludwig Meuting und Klaus Grander von Augsburg, Heinrich 
Müllner von Nördlingen, Erhärt Vehlin von Memmingen und Jobst 
* Humpis von Ravensburg, also die Hauptvertreter des oberdeutschen 
Handels in damaliger Zeit.
	        
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