fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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sei auch daran erinnert, daß in belagerten Städten nicht selten die Bürger von 
Staats wegen verpflegt werden; hierzu kommt, daß die Heeresverwaltung ja 
bereits in Friedenszeiten einen großen, wohldurchgebildeten naturalwirtschaft 
lichen Apparat besitzt, der gewissermaßen nur einer Ausdehnung auf die Zivil 
bevölkerung bedarf. Eine derartige naturalwirtschaftliche Organisation dürfte 
zuweilen weit besser wirken als eine ungeordnete Zettelgeldwirtschaft. Rechnet 
man auch gemeinhin mehr mit letzterer als mit ersterer, so hängt das zum 
Teil mit einem allgemein verbreiteten Vorurteil zusammen, welches die Natural 
wirtschaft für prinzipiell primitiver hält und die Geldwirtschaft, wenn irgend 
möglich, aufrecht erhalten will. Man vergißt dabei ganz, daß riesige Staats 
wesen auf hoher Kulturstufe, wie z. B. das alte Ägypten, lange Zeit bei einer 
gut organisierten Großnaturalwirtschaft bestanden haben, die eine Reihe von 
Vorzügen gegenüber unserer Wirtschaft aufweist. Ohne hier auf die einzelnen 
Vorteile einer solchen Wirtschaftsordnung sowie auf die Vorzüge von Naturalien 
girobanken einzugehen, sei jedenfalls hervorgehoben, daß die durch den Krieg 
geschaffenen Verhältnisse eine Annäherung an solche Wirtschaftsformen wohl 
als möglich erscheinen lassen, weshalb es nicht unzweckmäßig wäre, schon in 
Friedenszeiten auch diesem Fhinkte eine erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. 
Die ganze Einrichtung des Geldverkehrs ist ja nur eines 
der möglichen (Mittel, um die Zirkulation der Güter zu 
bewirken. Es könnte sich zeigen, daß auch in Friedens 
zeiten die Geldeinrichtung nicht die geeignetste ist; aber 
eine derartige Reform ist für ruhige Zeiten nicht so aktuell 
wie für Kriegszeiten, da im Kriege natural wirtschaftliche 
Organisationen viel näher liegen. 
Die bisher besprochenen Veränderungen im Kriegsfall haben zwar Ver 
schiebungen der Realeinkommen zur Folge, aber im allgemeinen nicht in einer 
bestimmten Richtung; weder die ärmeren noch die reicheren Klassen scheinen 
bei der Erhöhung des Realeinkommens besonders bevorzugt zu werden. Nur 
gewisse Industrien, die eine Art Monopol haben, so z. B. die großen Geschütz- 
und Panzerplattenwerke, Werften usw. vermehren wohl das Realeinkommen 
der Unternehmer stärker als das der Arbeiter. Auch wächst ihr Einkommen 
gegenüber dem Einkommen anderer Unternehmer. Wenn ein Krieg, wie z. B. 
der Amerikanische Bürgerkrieg, infolge verschiedener Umstände die Unter 
nehmungslust anregt und bei steigendem Lohn mehr produziert wird und gleich 
zeitig der Konsum steigt, so können alle Klassen der Gesellschaft an der Mehr- 
prockktion teilhaben. Einen entscheidenden Einfluß in ganz bestimmter Rich 
tung übt auf die Einkommenverteilung die Geldbeschaffung durch den 
Staat aus, je nachdem, ob dieselbe mit Hilfe von Anleihen oder Steuern 
erfolgt. 
Im Altertum wurden die Kriege ursprünglich ohne Schätze und ohne 
Steuern geführt. Da jeder sich selbst ausrüsten mußte, fand eine Verteilung 
der Kriegslasten insofern statt, als in vielen Staaten die Ärmeren billigere 
Rüstungen als die Reichen hatten, die überdies häufig die Pferde der Kavallerie 
oder die Schiffe beistellten. Waren dann Geldmittel nötig, so schritt man in 
der römischen Republik zu einer Art Zwangsanleihe, die eingehobenen Gelder 
wurden nach einem siegreichen Krifeg wieder zurückgezahlt. Derartige Zwangs 
anleihen verteilten sich ähnlich wie eine Steuer auf alle Bürger, und es wäre 
wohl erwägenswert, auch bei uns nach siegreichen Kriegen wenigstens einen 
Teil der Steuern zurückzuerstatten.ß^) Sowohl die Kriegführung mit Hilfe solcher 
Kriegssteuern oder Zwangsanleihen, als auch mit Hilfe angesammelter Schätze —- 
Perikies verwendete zum Beispiel mit großem Erfolg den Tempelschatz des 
Athenetempels — ist nicht geeignet, die Ungleichheit der Einkommen zu 
erhöhen, wohl aber trug die ungleiche Ausnützung des Krieg^rwerbs, die wir 
oben kennen gelernt haben, dazu bei. Sowohl die Okkupation weiter Land 
strecken durch die Reichen, als auch die nur ihnen zugängliche Auswucherung 
der Provinzen, besonders in der Zeit der Republik, erhöhte in Rom diese Ungleich 
es) Steuernachlässe nach dem Krieg kommen vor.
	        
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