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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

262 Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft. 
auf seine Studien über die Slaven und Finnen; auch eine kritische Würdigung ist hier 
nicht am Platze. Wir können nur sagen: die Hypothese hat viele Anhänger, aber auch 
erheblichen Widerspruch gefunden; sie erklärt geographische Verschiedenheiten, für die 
bisher kein rechter Schlüssel da war; sie trägt der Stammes- und Volkseigentümlichkeit 
Rechnung, welche man bisher nicht sehr berücksichtigte. Aber sie überspannt vielleicht 
die Bedeutung der verschiedenen Gemütsanlage und Rechtsanschauung der Kelten und 
Germanen, negiert wohl zu sehr den Einfluß der Bodenbeschaffenheit, der Bodengüte und 
Ahnlichem. Sie führt überwiegend auf aristokratische und demokratische Gliederung der 
Kelten und Germanen die verschiedene Siedelung zurück, wobei Zweifel und Fragen aller 
Art offen bleiben. Wir selbst können nach unseren obigen Ausführungen uns Kelten 
und Germanen nicht vorher als reine Nomaden denken; ebensowenig ist es uns leicht 
glaublich, daß die Kelten so früh und allgemein ein Hofsystem sollten ausgebildet haben, 
das doch sonst überwiegend ein Produkt höherer landwirischaftlicher Kultur oder natür— 
licher Nötigung ist. Die Zweifel, welche Henning und Knapp ausgesprochen haben, 
wird Meitzen wohl selbst erneuter Prüfung unterziehen. Am meisten begründet erscheint 
der Einwurf, daß der keltische wie der germanische Üübergang von der Nomadenwirtschaft 
zum Hof- und zum Dorfsystem bei Meitzen zu sehr als eine einmalige rationaliftisch 
ersonnene Maßregel erscheint, während es sich doch wohl um einen Umbildungsprozeß 
von vielen Jahrhunderten handelt. 
Müssen wir so die Darlegung der Siedelungstheorien mit einem „non liquet“ 
abschließen, müssen wir auch konstatieren, daß alle Versuche, aus Stellen von Tacitus 
das Dorf- oder das Hofsystem herauszulesen, vergeblich sind (nur daß die Germanen ihre 
Holzhäuser nicht Mauer an Mauer, wie die Römer ihre Steinhäufer, bauten, sagt er), 
müssen wir zugeben, daß überhaupt über der älteren europäischen Siedelungsgeschichte 
bis ins 10. und 11. Jahrhundert zunächst noch ein gewisser Schleier ruht, — so viel 
scheint mir doch wahrscheinlich, daß kleine Dörser wohl das Älteste waren, daß dann 
vielfach Hofbildungen entstanden, vor allem durch Könige, Große, Klöster und ihre Leute, 
daß dann mit der Zeit der Grundherrschaft, der Städtebildung, der höheren allgemeinen 
Kultur die Dörfer sich erheblich vergrößerten, die Höfe teilweise wieder verschwanden, 
und daß die eigentlich intensive Ausbildung des Hofsystems erst den letzten Jahr— 
hunderten angehöre. Keußler hat auch für Rußland nachgewiesen, daß bis ins 16. Jahr⸗ 
hundert ganz kleine Dörfer und Höfe neben einander vorkommen, dann erst sich etwas 
größere Dörfer bildeten. 
Das Zusammenleben im Dorfe ist in dem Maße für die meisten menschlichen 
Zwecke zuträglicher, als der Verkehr, die Presse und andere Verbindungen nach außen 
fehlen, als die genossenschaftliche Schulung wie das tägliche Sich-helfen und Fördern 
erstes Bedürfnis für die kleinen Ackerwirte ist. Unter fremdem Volkstum bei ungeord⸗ 
neten politischen und rechtlichen Zuständen gelingt ja eine Kolonisation als Einzelsiede⸗ 
lung überhaupt nicht leicht, wohl aber als genossenschaftliche Dorfsiedelung. Die ersten 
agrarischen Kolonien Neuenglands im 17. Jahrhundert konnten nur als geschlosfene 
Dorfanlagen sich halten. Und als im Anfange des 18. Jahrhunderts die preußische 
Regierung ganz Littauen neu besiedelte und die bäuerlichen Verhältnisse dort neu orb— 
nete, einigte man sich nach langer Debatte über Dorf- und Hoffystem doch für das erstere, 
als unentbehrlich. Noch heute ist vielfach im Osten Deutschlands der einzeln lebende 
Bauer auf isoliertem Hof zu schwach; er kann sich da nicht halten, wo das Dorf ganz 
gut gedeiht. Die englische und die deutsche Landflucht in der Gegenwart geht nicht 
sowohl von den Dörfern als von den isoliert oder in zu kleinen Gruppen wohnenden 
Tagelöhnern aus. Einer gewissen Gesellschast bedarf der Mensch. 
All' diesen Gründen steht nun freilich die größere wirtschaftliche Zweckmäßigkeit 
des Hofsystems für den landwirtschaftlichen Betrieb gegenüber. Sie konnte aber, wie 
wir schon bemerkten, doch erst bei höherer Kultur voll und ganz erfaßt werden. Die 
Vereinddung des Hochstifts Kempten gehört dem achtzehnten Jahrhundert an, die Auflösung 
der englischen Doͤrfer in isoliert liegende Pachthöfe der Zeit der Einhegung der Gemein— 
heiten (1780 — 1860). Die isoliert wohnenden Marschbauern Deutschlands stammen auch
	        

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