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Die Entwicklung der Weißgerberei

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Bibliographic data

fullscreen: Die Entwicklung der Weißgerberei

Monograph

Identifikator:
883887894
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-6560
Document type:
Monograph
Author:
Ebert, Georg
Title:
Die Entwicklung der Weißgerberei
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
A. Deichert'sche Verlagsbuchhandlung
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XL, 408 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
2.Teil. Die Produktionsprinzipien
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Entwicklung der Weißgerberei
  • Title page
  • Contents
  • 1.Teil. Die Rohstoffe
  • 2.Teil. Die Produktionsprinzipien
  • 3.Teil. Die ökonomische Gestaltung der Weißgerberei
  • 4.Teil. Die topographischen und hygienischen Verhältnisse der Weißgerberei
  • 5.Teil. Der Markt

Full text

109 
schaff dient sie dem Lederbereiter, um die Fasern der von Blut und 
Fett gereinigten Häute dichter und sester zu machen. Ebensalls nutzt 
sie aber der Färber, wenn er die Farbeteilchen durch Verengung der 
Öffnung, durch welche er sie hat eindringen lassen, fester, dauerhafter 
machen, oder sie gleichsam darin verschließen will." x ). Man war in 
einem rein mechanischen Gleichnis gelandet, und der letzte Schluß 
daraus war die Anwendung auf die Sämischgerberei. „Durch Zusätze 
von zusammenziehenden Mitteln oder auch durch Walken werden die Fasern 
dichter ineinander gebracht." 2 ) Man hatte also den histologischen 
Charakter des Leders als aus Fasern bestehend erkannt, und diese Fasern 
werden durch zusammenziehende Mittel näher aneinander gebracht; 
der gleiche Effekt aber wird auch erzielt durch Klopfen des Leders mit 
Hämmern, nämlich durch Walken. So wird es verständlich, daß in 
den um diese Zeit entstehenden Technologien die systematische Stellung 
der Gerberei unter die Rubrik „Filzbereitung" 8 ) fällt, wo beim bloß 
mechanischen Vorgang des Walkens des Sämischleders dieses gegerbt 
oder „gefilzt" * 4 * 6 * ) wird, wo das Walken also auf Tuche und Felle die 
gleiche Wirkung ausübt, wie die zusammenziehenden Stoffe auf die 
Haut, wo der Tran für die Sämischgerberei überhaupt keine wesentliche 
Bedeutung mehr besitzt. 
Noch weit hinein in den Anfang des neuen Jahrhunderts können 
wir diese Theorien verfolgen; sie treten, wenn natürlich auch in gemilderter 
Form zutage, noch 1807 bei Hermstädt °), 1820 bei Keeß«), 1822 bei 
Kölle'), 1824 bei Gall 8 ), 1837 sogar noch bei Poppe 8 ). 
Poppe hatte sogar auch dem Rauch bei der Rauchgerbung zusammen 
ziehende Eigenschaften zugesprochen, und damit war alles, was irgendwie 
zu Leder oder Gerberei gehörte, unter einen wissenschaftlichen Hut 
gebracht; die zwei Kategorien, welche wir noch für 1744 kennen 
gelernt hatten, waren unter dem einen, auch den übrigen Methoden 
gemeinsamen Titel „Verfilzung" vereinigt, und die Anschauung war, 
wie die zitierten Namen illustrieren mögen, Gemeingut der gebildeten 
Welt geworden. So weit ins 19. Jahrhundert hereinreicht und so fest 
gegründet ist eine Ansicht, welche Jahrtausende vorher auf dem primitiven 
Reagens des Geschmackes gegründet wurde. Damit sind wir aber eingetreten 
in eine neue Epoche der Gerbetheorien, vor deren Betrachtung wir noch 
Beckmann 1794, Bd. I, S. 363. 
2 ) Krünitz 1795, Bd. LXVIII, S. 11. 
’) Jung 1794, S. 588 und Inhaltsverzeichnis. *) Jung 1794, S. 600. 
6 ) Hermbstädt 1807, Bd. II, S. 200. «) Keeß 1820, S. 15. 
') Koelle 1822, S. 219. «) Gall 1824, S. 21. 
”) Poppe, G. 1837, Bd. I, S. 507—508, vgl. hier bes. den Zusammenhang, 
in welchem die Gerberei auftritt.
	        

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