— 135 —
nossenschaft bekleideten, sehr häufig sogar diejenige eines Aufsichts
ratsmitglieds. Ja, in kleinen Vereinen ist es häufig vorgekommen
und kommt heute noch vor, daß der früher ehrenamtlich tätige Ge
schäftsführer zum Lagerhalter ernannt wird. Wenn also auch die
Lagerhalter keine dreijährige Lehrzeit hinter sich haben, so haben sie
sich doch meist, ehe sie zu Lagerhaltern berufen werden, einige fach
männische Kenntnisse angeeignet. Im übrigen läßt sich ja der Wert
der kaufmännischen Lehrzeit, wie sie heute häufig anzutreffen ist, sehr
anzweifeln.
Man kennt in den Konsumgenossenschaften neben männlichen
auch weibliche Verteilungsstellenleiter; die ersteren überwiegen aber in
den ineisten größeren Vereinen, doch ist es in einzelnen ebenfalls
großen Konsumvereinen umgekehrt, in anderen sind die Zahlen an
nähernd gleich. In Verteilungsstellen mit kleinerem Umsatz hat man
in der Regel eine Abgabestellenleiter i n. Handelt es sich dagegen um
große Verteilungsstellen, die allgemein mehr Umsicht und Anstrengung
erfordern, so nimmt man männliche Lagerhalter. Für die Anstellung
von männlichen Personen lassen sich folgende Gründe anführen:
Bei den männlichen Abgabestellenleitern ist der Stellenwechsel
nicht so groß als bei weiblichen, die ihren Posten nur als eine vor
übergehende Erscheinung betrachten, um dann zu heiraten; ferner —
und das ist eine Folge des eben Angeführten — ist die Auswahl
unter weiblichen Personen gesetzten Alters nicht so groß wie unter
männlichen;
die zur Verteilung gelangenden Güter verlangen oft größere
körperliche Anstrengungen, für die die Frau zu schwach ist;
man rühmt den männlichen Lagerhaltern mehr Intelligenz und
größere Zuverlässigkeit nach;
zuweilen sind die Verteilungsstellen sehr abgelegen, zum Teil
in mehr oder weniger unsicheren Gegenden, wo sich ebenfalls ein
Lagerhalter besser eignet als eine Lagerhalterin;
vielleicht ist das Ueberwiegen der männlichen Lagerhalter auch
auf die engen Beziehungen der Konsumvereine zu den Gewerkschaften
zurückzuführen?)
Wie steht es nun mit den Lohn- und Arbeitsverhält
nissen der konsumgenossenschaftlichen Filialleiter? Es ist der Zweck
4) Wie sehen allerdings später, daß das Hilfspersonal trotz der Be
ziehungen zu den Gewerkschaften sich hauptsächlich aus weiblichen Personen
zusammensetzt.