§ 2. Prüfung der angeführten Gründe
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fo rafch verfchwinden; aber deshalb ift noch keine Hausinduftrie unbedingt
notwendig. Jene Maffenartikel können auch durch die Fabrik erzeugt werden,
wenn auch vielleicht mit geringerer Anwendung technifch hoch [teilender
Arbeitsmittel, wenn auch vielleicht mit geringerer Gewinnquote.
Es wäre zudem kein Nachteil für unfer Volk, wenn die Herftellung folcher
Waren an andere Nationen überginge, die für eine billigere Produktion die natürlichen
Bedingungen befitzen. A. Weber glaubt fogar, da(z eine folche internationale
Arbeitsteilung bald eintreten werde. „Für die Herftellung minderwertiger
und ganz einfacher Waren“, fo fagt Weber, „gibt im Konkurrenzkampf
der Völker die abfolute Billigkeit der menfchlichen Arbeitskräfte den
Ausfchlag, wenigftens folange fie hausinduftriell hergeftellt werden und der
Hauptbetrag der Produktionskoften alfo der Lohn ift. ln der abfoluten Billigkeit
menfchlicher Arbeit aber find uns die allmählich hinter uns in den Konkurrenzkampf
eintretenden „neuen“ Völker in jedem Falle überlegen. Alle
auf diefer Billigkeit beruhenden Induftrien find daher in diefem Kampfe für uns
verlorene Poften. Sie werden, foweit fie Ausfuhrinduftrien find, einfach verfchwinden,
und wir werden fie auch für den innern Markt gegen zehnmal
fo billige Arbeitskräfte, wie die der Chinefen, durch keinen Zollfchutz zu halten
vermögen. — Die Zerftörung diefer Induftrien ift fchon im Gange. 1893 waren
in Deutfchland noch etwa 20 000 hausinduftrielle Stroh flechterinnen beschäftigt.
Heute find fie durch die chinefifche Konkurrenz auf weniger als 6000 zufammengefchmolzen.
Der Chinefe ftellt dasfelbe Geflecht für 10 Pf. Tagelohn her, für
das die befcheidenfte deutfehe Frau, um das blanke Leben zu friften, immerhin
I Mark braucht. Die gleiche Entwicklung werden wir, fürchte ich, in der Korbflechterei,
der Herftellung billiger Kleider und den meiften übrigen heutigen
Hausinduftrien eines Tages erleben.“
Wie weit Weber hier richtig vorausgefehen, und ob aus den hier angeführten
geringen Anfätzen auf eine das ganze Gebiet der Hausinduftrie erfaffende Entwicklung
gefchloffen werden darf, mufz die Zukunft lehren. Mag aber auch
die Herftellung billiger Maffenartikel unferer Volkswirtfchaft verbleiben,
für das Verbleiben der Hausinduftrie ift fie kein hinreichender Grund.
Ift die Vorausfagung Webers auch nur einigermaßen richtig, fo ergibt
fich fchon, daß auch die Billigkeit der Arbeitskräfte das Beftehenbleiben
der Hausinduftrie volkswirtfchaftlich
gar nicht erwünfeht macht. Die Induftrie, die vornehmlich
auf billigen Arbeitskräften beruht, fteht nicht auf gefunder Bafis im Konkurrenzkämpfe
mit Völkern, die wegen natürlicher Anfpruchslofigkeit und
') Alfred Weber, Die volkswirtfchaftliche Aufgabe der Hausinduftrie 403.