Full text: Die deutsche Hausindustrie

§ 4- Lohnämter 
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nähme ab. x ) Er ift der Anficht, daß die untüchtigen Arbeiter bei dem Syftem 
der Bewilligungen immer noch höhere Löhne bekommen, als fie ohne die 
Exiftenz eines Mindeftlohns bekämen. Ihm fei nicht ein einziger Fall bekannt, 
wo ein alter, langfamer oder gebrechlicher Arbeiter infolge der Lohnamts, 
entfcheide keine Arbeit gefunden habe. 
Diefe Ausführungen mögen genügen, um die viktorianifche Lohngefetz- 
gebung in ihren Grundzügen kennen zu lernen. Durchführung und Erfolge 
wird man aber erft richtig verftehen, wenn man auch die wirtfchaft- 
liehe und handelspolitifche Unterlage einigermaßen kennt, 
auf der die Gefetzgebung entftanden ift und Leben gewonnen hat. 
Viktoria hat einen Flächeninhalt von 87 884 Quadratmeilen und zählt 
(1909) 1 248 095 Einwohner. Auf die Quadratmeile kommen 14,46 Perfonen, 
während in Deutfchland auf einer Quadratmeile durchfchnittlich 290,46 Per 
fonen wohnen. Wie im ganzen auftralifchen Staatenbund bildet auch in 
Viktoria die Urproduktion den weitaus wichtigften und umfangreichften 
Erwerbszweig. Viehzucht, vor allem Schafzucht, Getreidebau, Obft- und 
Weinbau ernähren einen großen Teil der Bevölkerung. Auch der Bergbau 
ift von Bedeutung. Gold-, Silber- und Kupferminen liefern reichen Gewinn. 
Der Urproduktion fteht in Auftralien ein langfam fich entwickelndes 
Gewerbe zur Seite, das in Viktoria verhältnismäßig noch am weiteften voran- 
gefchritten ift. 1906 gab es hier 4360 gewerbliche Betriebe mit 85 229 Ar 
beitern. Die allermeiftcn Gewerbe find mit der wirtfchaftlichen Exiftenz des 
eignen Landes verbunden, es find notwendige Gewerbe, die die Urprodukte 
des Landes für die hcimifchc Bevölkerung verarbeiten. Mit verfchwindenden 
Ziffern ftehen daneben die Riefen echter Induftrieftaaten: Eifen- und 
Tcxtilinduftrie. 
Der Export bcfchränkt fich vorwiegend auf die Landprodukte: Gold, 
Wolle, Vieh, Leder, Zucker, Tee, gefrorenes Fleifch. Das einzige induftrielle 
Erzeugnis, das in größerm Maße exportiert wird, ift fertige Konfektionsware. 
Der Import ift ebenfalls unbedeutend; hohe Zollfchranken ftehen einer Maffen- 
cinfuhr entgegen. Viktoria bekannte fich ftets zum Schutzzollfyftem, feitdem 
überhaupt die auftralifchen Kolonien felbftändige Handelspolitik treiben 
durften. Dann kam 1901 der Zufammenfchluß der auftralifchen Staaten zum 
Common Wealth of Australia. Die Zollfchranken gegenüber den einzelnen 
Gliedern des Bundes fielen, der lnlandsmarkt wurde erweitert und verftärkt. 
Gegenüber dem Ausland aber wurden von dem gefamten Bunde um fo 
höhere Schranken errichtet. Bei jeder Revifion des gemeinfamen Zolltarifs 
Q Boehringera. a. O. S66. 
Koch 2 , Die deutfehe Hausinduftrie 
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