Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  1.  Gewerk  vereine

die  übrigen  wenig  oder  gar  nicht,  fo  daß  die  Gefamtzahl  der  in  den  chriftlichen
Gewerkfchaften  organifierten  Heimarbeiter  (einfchliefzlich  des  Gewerkvereins
der  Heimarbeiterinnen)  fich  ungefähr  auf  13  000  beläuft.
Seitens  der  freien  Gewerkfchaften  liegen  keine  Erhebungen  vor.
Nach  den  ftarken  Mitgliederbeftänden  zu  urteilen,  ift  es  ficher  nicht  zu  hoch
gegriffen,  wenn  20-  bis  25  000  freigewerkfchaftlich  organifierte  Heimarbeiter
angenommen  werden.  Sehr  viel  Heimarbeiter  find  in  dem  Tabakarbeiterverband
anzutreffen.  Im  Deutfchen  Metallarbeiterverband  find  von  den  Heimarbeitern
der  Solinger  Kleineifeninduftrie  2500  bis  5000  organifiert.  Im  Holzarbeiterverband ­
  find  Gewerbe  organifiert,  die  viel  Heimarbeit  enthalten:  Knopfdreherei,
Spielwarenfabrikation,  Korbmacherei,  Korkfehneiderei  u.  a.  Zum  großen
Teil  aus  Heimarbeitern  und  Heimarbeiterinnen  fetzt  fich  der  Verband  der
Blumenarbeiter  zufammen,  der  allerdings  noch  klein  an  Zahl  ift.  Endlich
ftecken  ficher  in  den  Zahlen  der  Schneider,  Schuhmacher,  Lederarbeiter
und  Portefeuiller  viele  Heimarbeiter,  die  auch  oft  in  die  Tarife  einbezogen
find.
Der  VerbandderkatholifchenArbeitervereinefSitz
Berlin),  dem  bekanntlich  die  Fachabteilungen  eingegliedert  find,  zählt
mehrere  taufend  Hausweber  unter  feinen  Mitgliedern  in  Schlefien,  Thüringen
und  Sachfen,  außerdem  eine  Anzahl  Zigarrenarbeiter  auf  dem  Eichsfelde.
Wie  viele  von  diefen  in  den  Fachabteilungen  organifiert  find,  war  nicht  zu  ermitteln. ­
  Es  dürften  nach  der  fehr  geringen  Zahl  der  Fachabteilungsmitglieder
überhaupt  nur  außerordentlich  wenige  fein.  Der  Verband  hat  fich  redlich
bemüht,  der  fehr  gedrückten  Lage  der  Hausweber  aufzuhelfen,  teils  durch
Infzenierung  von  Lohnbewegungen,  teils  durch  Eingaben  bei  der  Regierung,
und  hat  auch  Erfolge  erzielt,  wie  in  Katfcher  und  Reichenbach.
Die  verfchiedencn  Berufsorganifationen,  die  Heimarbeiter  in  ihren  Reihen
zählen,  haben  im  Laufe  der  Jahre  energifch  nach  einer  Regelung  und  Befferftellung
  der  Arbeiterverhältniffe  geftrebt  und  beachtenswerte  Erfolge  erzielt,
namentlich  durch  T  a  r  i  f  v  e  r  e  i  n  b  a  r  u  n  g  e  n,  die  als  die  befte  Frucht
gevyerkfchaftlicher  Arbeit  befondere  Beachtung  verdienen. 1 )  Mehrere  Tarife,
wie  die  vom  Gewerkverein  der  Heimarbeiter  und  von  den  Bergifchen  Bandwirkermeiftern,
  wurden  bereits  erwähnt.  Außerdem  gibt  es  eine  Anzahl
von  Tarifen,  die,  meiftens  durch  freie  Gewerkfchaften  abgefchloffen,  Werkftätten-
  und  Heimarbeiter  gleichzeitig  umfaffen.  Die  umfaffendften  Tarife  diefer
Art  weift  das  Schneidergewerbe  auf.  Es  beftehen  auch  genaue  Angaben  über
die  Zahl  der  Heimarbeiter,  die  diefen  Tarifen  unterftehen.  In  der  Herrenmaß-J

 )  Vgl.  K.  0  a  e  b  e  I,  Die  Heimarbeit  84  ff-
            
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