Full text : Die deutsche Hausindustrie

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VII.  Kap.:  Selbsthilfe

und  Sachfen-Koburg  mit  dem  Sitze  in  Michelau,  dem  bald  24  Genoffen,
fchaften  mit  etwa  800  Mitgliedern  angehörten.  Nachdem  unter  tatkräftiger
Unterftützung  der  Königlich  Bayerifchen  Staatsregierung  Betriebskapital,
Lagerhaus  und  Weidenfiederei  befchafft  waren,  wurde  im  fiebten  Gefchäftsjahrder
  Betrieb  eröffnet.  1905  bildeten  die  Korbwarenhändler  und  lnduftriellen
von  Franken  und  Thüringen  ebenfalls  einen  Verband.  Leider  trat  er  in  Kampfftellung
  gegen  den  Korbmacherverband  und  brachte  Verhandlungen  betreffs
eines  Preistarifs  zum  Scheitern.  Trotzdem  fchlofz  das  Gefchäftsjahr  nicht
ungünftig  ab.  Über  die  weitere  Entwicklung  waren  leider  keine  Angaben  zu
erhalten.
Als  recht  vorteilhaft  erwies  fich  der  Anfchluß  von  Genoffenfchaften  an
Konfumvereine  und  Raiffeifenkaffen,  wodurch  namentlich
die  Schwierige  Frage  der  Kreditbefchaffung  eine  befriedigende  Löfung  finden
kann.  So  beforgt  der  1896  errichtete  Landwirtschaftliche  Konfum-  und  Abfatzverein
  Wies  in  Baden  den  Einkauf  des  Rohmaterials  und  auch  teilweife  den
Abfatz  für  die  dortigen  Nagelfchmiede.  Ähnlich  ift  das  Verhalten  der  Konfumgenoffenfchaft
  Schney  in  Oberfranken  einem  Teil  der  Korbmacher  gegenüber.
Eigner  Tatkraft  verdankt  die  Ländliche  Hausweber-Genoffenfchaft  zu
Herxheim  ihr  Entftehen.  Im  Sommer  1905  brach  unter  den  Hauswebern
zu  Herxheim,  einem  Dorfe  in  der  bayerifchen  Pfalz  (Kreis  Landau),  wegen  allzu
geringer  Löhne  ein  S  t  r  e  i  k  aus,  der  vier  Monate  andauerte.  Da  der  Unternehmer
fich  zu  Unterhandlungen  nicht  verftehen  wollte,  eröffneten  ihm  die  Hausweber
Schließlich  eine  Konkurrenz  in  Form  einer  Genoffenfchaft.  Seit  der  Gründung
hat  fich  diefe  noch  bedeutend  vergrößert  und  zahlt  gegenwärtig  25  Prozent
Lohn  mehr  als  der  frühere  Arbeitgeber,  nebft  einer  14prozentigen  Lohnnachzahlung ­
  nach  Jahresfchluß  (1912).  Über  eine  ähnliche  Gründung  nach  einem
Streik  unter  den  Knopfmachern  in  Frankenhaufen  am  Kyffhäufer  1910
konnten  keine  Nachrichten  erlangt  werden.
Einen  Schritt  weiter  im  genoffenfchaftlichen  Zufammenfchluß  bedeuten
die  Zentralwerkftätten  für  die  Heimarbeite  r. 1 )  Sie  mögen
hier  Erwähnung  finden,  einmal  weil  eine  folche  Zentralwerkftätte  meift  von
einer  Organifation  oder  doch  einem  Zufammenfchlufz  der  Arbeiter  ausgehen
müßte,  dann  aber  auch,  weil  man  auf  diefe  Weife  eingefchloffeneres  Zufammengehen
  der  Arbeiter  in  allen  wichtigen  Fragen,  namentlich  in  Lohnfragen,  eine
Neubelebung  des  Organifationsgedankens  hofft.  Die  Zentralwerkftätten  find
gemeinfame  Arbeitsräume,  für  welche  die  Arbeiter  die  Koften  felbjt  tragen;
die  Verleger  ftehen  diefen  Werkftätten  durchaus  fern.  Die  auf  diefe  Weife

')  Vgl.  Schwiedlanda.  a.  O.  195  und  331;  „Soziale  Praxis“  XV,  Sp.  429  ff-
            
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