Full text: Die deutsche Hausindustrie

§ 2. Genoffenfchaften 
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wo keine Schulden find, können die Erfparniffe zur Bodenmelioration ver 
wendet werden.“ 1 ) 
Was eine einigermaßen ergiebige Hausinduftrie für die 
Landwirtfchaft bedeuten kann, hat die praktifch-foziale Wirk- 
famkeit des katholifchen Pfarrers Winter im Kreife Daun in der Eifel bewiefen. 1 2 ) 
Im Pfarrdorf und in der Umgegend fah es traurig aus. Häufer und Ställe waren 
verfallen, die Viehnutzung fo gut wie unbekannt, kein Geld im Haufe, die haus- 
induftrielle Anfertigung von Mausfallen und ähnlichen Drahtwaren brachte 
zwar etwas Geld, trieb aber die Hausväter auch zum Hau fierhandel für einen 
großen Teil des Jahres aus dem Haufe — zum wirtfchaftlichen und fittlichen 
Ruin der Familie. Das junge arbeitskräftige Gefchlecht war die Hälfte des 
Jahres wegen Arbeitsmangcl in der Heimat als Dienftboten, Tagelöhner oder 
Fabrikarbeiter auswärts. Die wefentliche Aufgabe des Pfarrers, der hier ein- 
greifen wollte, war, die Leute zu feßhaften, guten, rationell wirtfehaftenden 
Bauern zu machen; und das Mittel follte außer Raiffeifenkaffe und Molkcrei- 
genoffenfehafteineverbeffertc Hausinduftrie fein, die das zu einer ergiebigem 
Agrarwirtfchaft nötige Betriebskapital bringen follte. Es wurden Lehrkurfe 
für beffere Herftellung von Drahtwaren eingerichtet, und bald brachte die ver- 
befferte Hausinduftrie auch mehr Geld in die armen Dörfer, das freilich allein 
nicht genügte, die Eifelbewohner vor jeder Not [icherzuftellen. Aber fie waren 
jetzt inftand gefetzt, mit dem erhöhten Betriebskapital ihre Landwirt 
fchaft rentabler zu geftalten, zumal die neue Molkerei ihnen eine billige Ab- 
fatzgelegenheit bot und die Raiffeifenkaffe fie die Kunft des Sparens gelehrt 
hatte. In wenigen Jahren wurden fo fparfame und fleißige Eifel- 
bewohncr, die früher beim beften Willen nicht vorankamen, ziemlich wohl 
habende Bauern. 
Wie in diefem Falle, fo ift auch fonft der Anlaß zur Genoffen- 
fchaftsbiidung meift von außen an die Heimarbeiter herangetreten. 
Vielfach find es die Ortsgeiftlichen, ferner Vcrwaltungsbeamte, Lehrer, die den 
Leuten mit Rat und Tat zur Seite ftehen. Bcfondere Erwähnung gebührt hier 
dem Verdienft des Regierungsrats v. Braun um die fränkifche Korbmacherei. 3 ) 
Als Frucht feiner Bemühungen, befonders feiner Denkfchrift über die fränkifche 
Korbflechterei 1900, bildete fich der Korbmachereigewerbsverband von Franken 
1 ) Vgl. B i 11 m a n n, hausinduftrie und Heimarbeit im Grojzherzogtum Baden 
987—1023; h. Sohnrey, Wegweifer für ländliche Wohlfahrtspflege, Berlin 1901, 
85 ff. 
2 ) W. Hohn, Hausinduftrie und Heimarbeit in den Regierungsbezirken Coblenz 
und Trier. Sehr. d. V. f. S. 86, 59 ff. 
3 ) J. Deckers, Die deutfehe Korbflechtinduftrie, M.Gladbach 1913.
	        
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