Full text : Die deutsche Hausindustrie

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VII.  Kap.:  Selbfthilfe

befchränktes  Abfatzgebiet  handeln,  das  von  den  Schwankungen  des  Weltmarktes ­
  nicht  zu  fehr  berührt  wird.  Die  beften  Abnehmer  wären  etwa
„Konfumentenvereinigungen“,  wie  Krankenhäufer,  das  Militär,  Konfumvereine
  ufw.  So  erhalten  die  fpäter  noch  zu  erwähnende  Reinerzer
Zentrale  für  Hausinduftrie  fowie  andere  Vereinigungen  Aufträge  von  Heer
oder  Marine.  Vorausfetzung  ift  natürlich,  dafz  die  Preife  einen  Wettbewerb
mit  der  Fabrikware  ermöglichen,  andernfalls  kommen  nur  „wohltätige“
Abnehmer  in  Betracht.  Unter  folch  günftigen  Vorausfetzungen ­
  kann  eine  genoffenfchaftiiche  Organ  ifation
  für  gewiffe  Hausinduftrien  von  Segen  fein.
Zu  ihrem  Gedeihen  gehört  nebft  viel  Glück  grojze  Tüchtigkeit  und  Opferfreudigkeit ­
  der  Genoffenfchaftsleiter  und  ein  ausgebildeter  Solidaritätsgeift
der  Mitglieder.
Es  find  nun  vorzugsweife  ländliche  Hausinduftrien,  die  fich  durch
Genoffenfchaftsbildung  aufrechterhalten  haben.  Meift  finden  fie  fich  hier  als
Einkaufs-,  Magazin-  und  Abfatzgenoffenfchaft,  fo  die  noch  blühende  Holzwarengenoffenfchaft
  Bernau  in  Baden,  der  Hohenfteiner  Weberverein,
Sitz  zurzeit  Oberdorf,  Bezirk  Erfurt,  die  Vereinigung  der  Nagelfchmiede  auf
dem  Hunsrück  u.  a.
Den  Grund  für  das  Überwiegen  ländlicher  Genoffenfchaften  bietet  fchon
die  billigere  Lebenshaltung  und  größere  Anfpruchslofigkeit  der  Landbewohner,
wodurch  eher  noch  eine  Konkurrenz  der  Heimarbeit  mit  den  Fabrikpreifen  ermöglicht ­
  wird.  Dazu  kommt  zugleich  mit  dem  zähen  Fefthalten  an  altercrbter
Gewohnheit,  dafz  fich  in  der  ländlichen  Bevölkerung  überhaupt  am  meiften
Genoffenfchaftsgeift  findet,  vielleicht  noch  ein  Überreft  jener  uralten  auf  dem
Genoffenfchaftsprinzip  beruhenden  mittelalterlich-germanifchen  Dorfverfaffung.
  Für  ländliche  Bezirke  lohnt  fich  auch  am  eheften  die  künftliche  Erhaltung ­
  des  Hausgewerbefleijzes,  weil  hier  die  Bevölkerung  in  ihrem,  wenn
auch  nicht  fehr  ergiebigen,  landwirtfchaftlichen  Betriebe  einen  Boden  unter  den
Füjzen  hat,  der  fie  auch  bei  wenig  günftiger  Gefchäftslage  nicht  völlig  ins  Heimarbeiterelend ­
  verfinken  Iäjzt,  und  weil  anderfeits  die  in  der  Hausinduftrie
liegende  Erwerbsquelle  ihr  neue  Mittel  zuführt,  den  geringen  bäuerlichen  Betrieb ­
  zu  ftärken  und  neu  zu  beleben.  Wenn  die  Gegend  nicht  ganz  unwirtlich
und  nur  zur  Aufforftung  geeignet  ift,  und  wenn  der  Bodenbefitz  nicht  übermäjzig
  zerftückelt  ift,  fo  bedeuten  auch  geringe  Summen  für  die  kleinen  bäuerlichen ­
  Betriebe  fehr  viel:  fie  bewahren  den  Landwirt  vor  einem  Abfchlufz  mit
Defizit,  heben  feine  gefamte  Lebenslage,  bewahren  ihn  vor  Verfchuldung,  ermöglichen ­
  ihm  eine  Verzinfung  und  Amortifation  der  Grundfchuld,  oder  aber,
            
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