Full text : Die deutsche Hausindustrie

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VIII.  Kap.:  Hilfe  von  au|zen[teilenden  Kreifen

Weberei  in  Schlefien.  Es  verfolgt  den  Zweck,  „für  die  zahlreichen
Handweber  Schlefiens  Arbeit  zu  befchaffen,  damit  diefe  durch  regelmäßige
Zuführung  von  Arbeit  gegen  Not  gefchützt  bleiben“.  Ein  mildtätig  gefinnter
reicher  Herr  hat  das  notwendige  Kapital  gegen  mäßige  Verzinfung  hergegeben
und  hat  auf  einen  Unternehmergewinn  von  vornherein  verzichtet.  Aber  da
außer  der  Kapitalverzinfung  auch  die  Gehälter  der  am  Zentralbureau  Angeftellten
  herausgearbeitet  werden  müffen,  da  ferner  die  Hausweberei  mit  den
billig  produzierenden  mechanifchen  Webereien  unmöglich  konkurrieren  kann,
fo  kann  jene  Wohltat  den  Webern  weder  höhere  Löhne  noch  Gewinnbeteiligung
verfchaffen.  Aber  fie  hat  durch  den  regelmäßigen  Abfatz  an  große  „Konfumentenvereinigungen“,
  an  die  deutfche  Armee,  die  Kaiferliche  Marine,  an
Offizierkafinos,  Provinzialanftalten,  Lazarette  u.  ä.  den  Hauswebern  dauernde
Arbeit  ermöglicht;  fie  hat  Hunderte  von  fchlefifchen  Webern,  die  zur  Fabrik
nicht  übergehen  konnten  oder  wollten,  vor  dem  Allerfchlimmften,  vor  der
zum  Verhungern  führenden  Arbeitslo  figkeit  bewahrt.  x )  1912  wurden  bei
einem  Umfatze  von  etwa  1  %  Millionen  Mark  ungefähr  1500  Handweber  —  in
ganz  Schlefien  find  noch  über  12  000  —  befchäftigt.
Ein  höheres  Ziel  verfolgt  der  Thüringer  Handweber-Verein
(Carl-Grübel-Stiftung)  Gotha.  „Ein  Verein  der  Nächftenliebe“,  ift  er  1891
zu  dem  Zwecke  gegründet  worden,  „den  Webern  lohnendere  Arbeit  zu  verfchaffen, ­
  ihre  Leiftungsfähigkeit  zu  fteigern,  den  Abfatz  und  Vertrieb  der  von
ihnen  hergeftellten  Waren  zu  übernehmen  und  kaufmännifch  zu  leiten,  ihnen
durch  Zuweifung  etwaigen  Gefchäftsgewinnes  Anteil  auch  an  dem  Gefchäftsbetrieb
  felbft  zu  gewähren.“  Der  Abfatz  wendet  fich  vornehmlich  an  ein  Publikum, ­
  das  aus  Mitleid  mit  den  armen  Webern  gute  Prcife  zahlt;  fonft  —
fo  heißt  es  in  den  letzten  Jahresberichten  —  fällt  das  mit  großen  Opfern  und
vieler  Mühe  begonnene  Werk  der  Nächftenliebe  in  fich  felbft  zufammem
Durch  die  Mildtätigkeit  der  Konfumenten,  dann  durch  das  Wegfallen  von
Unternehmergewinn  und  Kapitalverzinfung  bei  dem  mildtätig  geftifteten  Kapital ­
  ift  der  Verein  inftand  gefetzt,  höhere  Löhne  zu  zahlen  und  noch  obendrein ­
  eine  Dividende  von  20  bis  40  Prozent  der  Löhne  zu  geben.  Außerdem
vermittelt  der  Verein  noch  Gaben  an  arme  Weberfamilien,  leitet  eine
Weberfterbekaffe  (1912:  318  Mitglieder)  und  forgt  mit  Unterftützung  der
Herzoglichen  Regierung  für  Überführung  von  Handweber  föhnen  in  andere
Berufe.
Das  letztgenannte  Ziel,  Erleichterung  der  Überführung  des  Nachwuchfes
n  lebensfähige  Berufe  bzw.  zur  Arbeit  in  Fabrik  oder  Werkjtatt,

*)  Vgl.  R.  W  i  I  b  r  a  n  d  t,  Die  Weber  50  ff.
            
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