Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  4-  Wohnung,  Ernährung  und  Gefundheit

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Zwifchenmeifters  auf;  die  meift  zahlreiche  Nachkommen  fchaft  fpielt  zwifchen
den  Arbeitenden,  teilweife  in  recht  mangelhaft  bekleidetem  Zuftand.  Die  Luft
ift  durch  die  Uberfüllung  der  Räume,  durch  die  Ausdünftungen  der  Felle,
durch  den  Trockenofen,  der  mit  Koks  geheizt  wird,  ftark  verdorben;  hierzu
kommt  noch,  daß  vielfach  in  den  Arbeitsräumen  gekocht  wird.  *)
0.  Stillich  berichtet  von  der  Sonneberger  Spielwarenhausin ­
  d  u  f  t  r  i  e  :  Der  Staub,  der  fich  namentlich  in  den  Wohn-  und  Arbeitsräumen ­
  der  Drücker  entwickelt,  legt  fich  auf  die  Lunge.  Bereits  die  Kinder
diefer  bruftkranken  Eltern  find  prädisponiert.  Die  heiße  Luft,  in  der  gearbeitet ­
  wird,  wirkt  noch  verjchlimmernd.  *  2 )
Überfüllte  und  unhygienifche  Wohnung,  übermäßige  Arbeitszeit  und
Überanftrengung,  Unterernährung  infolge  dürftiger  Löhne  wirken  zufammen,
die  Gefundheit  der  Heimarbeiter  zu  untergraben.  3 )  Wie  fchädlich
  die  Wohnung  der  Hausinduftriellen  auf  ihre  Gefundheit  wirkt,  ift  bereits
gefagt  worden.  Auch  das  fteht  feft,  daß  bei  andauernder  Überanftrengung ­
  des  Körpers,  wie  fie  bei  den  Heimarbeitern  gewöhnlich
ift,  fich  allgemeine  Ernährungsftörungen  ausbilden,  daß  die  Ernährung  und
die  Blutbildung  leiden  und  dann  fchließlich  der  Organismus  gegenüber  der
Einwirkung  gewerblicher  Gifte  und  infektiöfer  Krankheitskeime  an  Widerftandsfähigkeit
  verliert.  Die  Einwirkungen  machen  fich  um  fo  früher  und
ficherer  geltend,  je  jünger  das  Individuum,  je  körperlich  und  geiftig  anftrengender
  und  je  gefährlicher  der  Beruf  ift.  Allmählich  leidet  auch  das  Nervenfyftem,
und  die  Erfahrung  lehrt,  daß  gerade  die  überlange  Arbeitszeit,  felbft  bei
körperlich  leichter  Befchäftigung,  zur  Abfpannung  und  zur  Nervenfchwäche
führt,  jenem  modernen  Kreuz  unferes  Zeitalters.  —  In  einzelnen  Hausinduftrien
  wechfeln  allerdings  arbeitsreiche  und  ftille  Zeiten  ab.  Es  wäre  indejfen
  verkehrt,  letztere  als  einen  gewiffen  Ausgleich  anzufehen,  weil  nunmehr
der  Körper  Gelegenheit  habe,  fich  wieder  zu  erholen.  Abgefehen  davon,
daß  organifche  Störungen  fich  fchwer  ausgleichen,  tritt  in  der  ftillen  Saifon
noch  ein  neuer  ungünftiger  Faktor  dazu,  die  Unt  rernährung  infolge
des  noch  knapper  gewordenen  oder  überhaupt  wegfallenden  Verdienftes.
Die  Ernährung  kann  begreiflicherweife  überhaupt  für  einen  großen
Teil  der  Heimarbeiter  keine  genügende  fein.  Die  dürftigen  Löhne,  denen
fteigende  Lebensmittelpreife  und  die  Abforbierung  einer  |tets  großem  Ein-3
 )  Kurt  R  o  f  e  n  b  e  r  g,  Die  Kürfchnerei  und  Mützenmacherei  in  Berlin.  Sehr,
d.  V.  f.  S.  85,  113.
2 )  0.  Stillich  a.  a.  0.  74-3
 )  Vgl.  das  Referat  von  Prof.  Sommerfeld.
Koch 3 ,  Die  deutfehe  Hausinduftrie

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