Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

234 Vierundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
Indes zeigt nicht eben diese Lage ganz den Sieg des 
historischen Prinzips? Wie es in der Natur fundamentaler 
Seiten des Subjektivismus gelegen ist, so hat es sich im Ver— 
laufe der letzten fünf Generationen unserer Geschichte durch— 
gesetzt und bewahrheitet: die dynamischen Elemente der Geistes⸗ 
wissenschaften überwiegen, und mit ihnen die Geschichtswissen— 
schaft; die geschichtliche Methode ist damit zur Methode aller 
geisteswissenschaftlichen Disziplinen geworden; ihre Fortschritte 
bedeuten und spiegeln den allgemeinen Fortschritt wider; und 
sie allein hat aus den Geisteswissenschaften heraus, ein Zeichen 
ihrer Hegemonie, fruchtbare Zweige bis in die Metaphysik 
getrieben. 
Welches war nun aber die Entwicklung ihrer Methode? 
Eng schließt sich diese, unter der allgemeinen Voraussetzung 
des Bestandes subjektivistischen Denkens, an die quantitative 
und qualitative Erweiterung des Materiales an; und selbst die 
Tatsache, daß die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts noch zu 
im allgemeinen nüchterner Betrachtung der Vergangenheit ge— 
neigt war, während die Romantik mit der Renaissance des 
eigenen und des romanischen Mittelalters zu enthusiastischer 
Auffassung fortschreitet, ist gegenüber diesem Zusammenhange 
nur von sekundärer Bedeutung. 
Der Ausgang des individualistischen Zeitalters kannte erst 
die Anfänge eines eigentlich wissenschaftlichen, selbständigen 
Betriebes der Geschichtswissenschaft. Man muß sich da er— 
innern, daß in den höheren Schulen des 17. Jahrhunderts 
Geschichtsunterricht meist noch ganz gefehlt hatte; in der Fürsten⸗ 
schule zu Meißen z. B. ist er erst seit 1702, in Lübeck seit 1799 
aufgenommen worden. Noch weniger gab es ein eigentlich 
historisches Studium an den Universitäten. Erst etwa um die 
Mitte des 18. Jahrhunderts und später wurde an einigen 
Hochschulen die Geschichte dem Verbande der Professuren der 
Theologie oder des Staatsrechts oder der Poesie und der Be— 
redsamkeit, dem sie bisher angehört hatte, entzogen und be— 
sonderen Lehrstühlen, bald auch solchen für ihre Hilfswissen— 
schaften zugewiesen; und es scheint, als ob die philosophischen
	        
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